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March and March: „Bedeutendste Bewegung gegen Illegale in Südafrika“

March and March: „Bedeutendste Bewegung gegen Illegale in Südafrika“

March and March: „Bedeutendste Bewegung gegen Illegale in Südafrika“

Anti-Migration-Proteste in Johannesburg, Südafrika: Die Wut auf die Regierung ist groß. Foto: picture alliance / Anadolu | Ihsaan Haffejee
Anti-Migration-Proteste in Johannesburg, Südafrika: Die Wut auf die Regierung ist groß. Foto: picture alliance / Anadolu | Ihsaan Haffejee
Anti-Migration-Proteste in Johannesburg, Südafrika: Die Wut auf die Regierung ist groß. Foto: picture alliance / Anadolu | Ihsaan Haffejee
March and March
 

„Bedeutendste Bewegung gegen Illegale in Südafrika“

„Südafrika den Südafrikanern“: Denn dort haben Hunderttausende genug von den Ankömmlingen aus den Nachbarländern. Im JF-Interview erklärt der Politiker Phil Craig, welche Gründe das hat – und was sich seit den Protesten tut.
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Sehr geehrter Herr Craig, seit Wochen kursieren Videos aus Südafrika, die Demonstrationen gegen illegale Migranten im Land zeigen. Warum dieser plötzliche Ausbruch? Waren die Migranten bisher kein Problem?

Phil Craig: Das Thema der unkontrollierten und illegalen Migration schwelt schon seit langem, die Dynamik nahm stetig zu, und es war ein zentrales Thema bei den Wahlen 2024, wobei sich etablierte politische Parteien wie die Patriotic Alliance offen dagegen aussprachen. Es ist regelmäßig in öffentliche, oft gewalttätige Proteste übergegangen, und die jüngsten Proteste stellten eine weitere politische Eskalation dar.

Worin bestehen die Probleme?

Craig: Grundsätzlich gibt es zwei zugrunde liegende Probleme, die sich gegenseitig verstärken. Südafrika leidet unter chronischer, langanhaltender und systemischer Arbeitslosigkeit mit einem großen Angebot an ungelernten Arbeitskräften und sehr wenigen Beschäftigungsmöglichkeiten. Eine groß angelegte Einwanderung ungelernter Arbeitskräfte verschärft dieses Ungleichgewicht, insbesondere dort, wo sich Arbeitsmigranten den drakonischen Arbeitsgesetzen Südafrikas entziehen.

Gleichzeitig ist die Durchsetzung der Einwanderungsgesetze an den Landgrenzen stellenweise nahezu zusammengebrochen, und die südafrikanischen Gerichte haben wiederholt den Zugang von Migranten und illegalen Einwanderern zu staatlichen Dienstleistungen geschützt, die ohnehin oft bis zum Zerreißen belastet sind.

„Es gibt Migranten aus vielen afrikanischen Ländern“

Die Proteste wurden größtenteils von der Bewegung March and March angeführt. Wer ist das?

Craig: March and March ist eine zivilgesellschaftliche Basisbewegung, die Anfang 2026 ins Leben gerufen wurde, um sich für eine strengere Durchsetzung der südafrikanischen Einwanderungsgesetze und die Abschiebung von Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung einzusetzen.

Da keine Mitgliederzahlen öffentlich bekannt gegeben werden, lässt sich ihre Größe nur schwer beziffern. Der unabhängige Konfliktbeobachter ACLED verzeichnete jedoch bis Ende Juni 61 von der Bewegung organisierte Demonstrationen, wobei die Proteste gegen illegale Einwanderung ihren höchsten Stand seit Jahren erreichten und allein am 30. Juni in fast 100 Demonstrationen, die  unter dem Motto „Südafrika den Südafrikanern“ standen, gipfelten.

Gemessen an ihrer geographischen Reichweite und Protestaktivität hat sie sich in diesem Jahr zur bedeutendsten Bewegung gegen illegale Einwanderung in Südafrika entwickelt.

Massenproteste fanden vor allem im Westkap, in KwaZulu-Natal und in Gauteng statt. Warum gerade dort? Ein Sprecher der „March and March“-Bewegung hob insbesondere Nigerianer hervor und bezeichnete sie als „dreist und arrogant“. Aus welchen Ländern stammen die illegalen Migranten?

Craig: Weil Gauteng, KwaZulu-Natal und das Westkap die drei wichtigsten Wirtschaftszentren Südafrikas sind. Zusammen erwirtschaften sie etwa 63 Prozent des nationalen BIP und machen rund 63 Prozent der Gesamtbeschäftigung aus. Sie ziehen daher sowohl die größte Konzentration von Wirtschaftsmigranten als auch die größte öffentliche Besorgnis über die Auswirkungen der illegalen Einwanderung auf sich. Es gibt Migranten aus vielen afrikanischen Ländern, doch Migranten aus Simbabwe, Malawi, Mosambik und Somalia scheinen am stärksten in den Vordergrund zu rücken. Nigerianische Einwanderer werden als überproportional für Kriminalität verantwortlich angesehen.

„Innerhalb der Regierung Südafrikas fehlt es am Willen“

Was suchen sie in Südafrika?

Craig: Eines der Vermächtnisse der südafrikanischen Vergangenheit ist eine große, entwickelte Wirtschaft und ein höherer Wohlstand als in den meisten anderen Ländern Subsahara-Afrikas. Dies bietet Chancen. Illegale Migranten arbeiten oft am Rande der Gesellschaft als Landarbeiter, Hausangestellte und Hilfsarbeiter. Viele scheinen jedoch unternehmerischer zu sein.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die nationale Einzelhandelskette Checkers, die einen Motorrad-Lieferservice anbietet, bei dem Motorradkuriere als selbstständige Auftragnehmer tätig sind. Nach Angaben von Checkers sind 70 Prozent ihrer Fahrer ausländische Staatsangehörige. Ärmere Südafrikaner sind der Ansicht, dass Migranten ihre potenziellen Löhne unterbieten, während viele Arbeitgeber ausländische Arbeitskräfte als zuverlässiger und weniger anspruchsvoll ansehen.

Präsident Cyril Ramaphosa hat angekündigt, dass das Innenministerium, die Grenzschutzbehörde (BMA) und die Polizei (SAPS) ihre Bemühungen verstärken werden, Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung, die sich illegal in Südafrika aufhalten, zu identifizieren und abzuschieben. Werden sie abgeschoben?

Craig: Ich denke, die Bemühungen wurden verstärkt, jedoch nur als Folge der Proteste. Meiner Meinung nach fehlt es innerhalb der Regierung selbst an einem grundlegenden Willen, das Problem anzugehen. March and March teilen diese Ansicht und erklären, dass anhaltende Proteste unerlässlich sein werden, wenn das Problem der illegalen Migration gelöst werden soll.

Wie verhalten sich die Herkunftsländer der Migranten?

Craig: Im südlichen Afrika wurde diesem Thema bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl viele Herkunftsländer bei der Rückführung mitgewirkt haben. Anekdotischen Berichten zufolge ist eine sehr deutliche Feindseligkeit anderer afrikanischer Länder gegenüber Südafrika zu beobachten, häufig bei Sportveranstaltungen, bei denen diese Länder der Ansicht sind, sie hätten Südafrika während der Apartheid geholfen, doch Südafrika wende sich nun von ihnen ab. Grenzen sind in Afrika ein umstrittenes Thema, wobei verschiedene Befürworter Argumente vorbringen, dass sie an der falschen Stelle liegen, strenger kontrolliert werden sollten oder gar nicht existieren dürften.


Phil Craig ist Mitbegründer der Westkap-Unabhängigkeitsbewegung und Gründer der Referendums-Partei, die dieses Jahr mit der Freedom Front Plus fusionierte.

Aus der JF-Ausgabe 31-32/26.

Anti-Migration-Proteste in Johannesburg, Südafrika: Die Wut auf die Regierung ist groß. Foto: picture alliance / Anadolu | Ihsaan Haffejee
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