CEUTA. Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas hat Marokko widersprochen, das behauptete, dass es ein zuverlässiger Partner sei. „Wir können verlangen, dass es die territoriale Integrität Spaniens und die Sicherheit unserer Grenzen respektiert. Das muss man von Marokko verlangen, und das muss man einfordern“, sagte der Präsident gegenüber „El País“ am Montag. „Und ich glaube, Spanien muss dies mit Unterstützung des übrigen Europas verlangen und einfordern.“
Hintergrund ist der Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika (JF berichtete). Am vergangenen Donnerstag und Freitag sollen bis zu 73.000 Migranten die Grenze überquert und in die 83.000-Einwohner-Stadt eingedrungen sein, sagte Ceutas Präsident. Seit Donnerstag kursieren Videos im Internet, die zeigen, wie Migranten randalieren, Autos in Brand setzen und in Häuser einbrechen.
Ceuta außer Kontrolle: 50.000 Menschen stürmen die spanische Exklave. Polizei und Einsatzkräfte werden angegriffen, Häuser gestürmt und Eigentum zerstört. pic.twitter.com/XNww8E1s7K
— JUNGE FREIHEIT (@jungefreiheit) July 31, 2026
Nun müsse „die sofortige Ausweisung derjenigen“ folgen, „die geblieben sind, und zwar über Tarajal, unter Einsatz aller notwendigen Mittel“. Dabei habe Marokko jedoch gezeigt, „dass es nicht verlässlich ist“. Zwar sei eine Zusammenarbeit wünschenswert. „Aber die Grenze darf nicht dieser ständigen Unsicherheit unterworfen sein, wann Marokko an einem anderen Tag, an dem ihm danach ist, die Tore öffnet und alle hereinkommen.“
Ceutas Bürger hatten Angst vor zehntausenden Migranten
Bereits am Samstag habe ein Großteil der Migranten freiwillig Ceuta verlassen, so Vivas. Derzeit seien noch rund 5.000 Migranten in der spanischen Exklave. Eine Normalität kehre jedoch erst wieder ein, wenn „all jene Menschen, die massiv und irregulär nach Ceuta gekommen sind und nicht freiwillig zurückkehren wollen, durch ein legales, aber unmittelbares Verfahren ausgewiesen werden“.
+++Aktuelle Bilder aus Ceuta+++
Viele Migranten harren weiter in der spanischen Exklave aus. Sie hausen draußen und hoffen auf eine Weiterfahrt aufs Festland. Unser Reporter Hinrich Rohbohm ist vor Ort. pic.twitter.com/kNEhCiBkRn— JUNGE FREIHEIT (@jungefreiheit) August 3, 2026
Den Ansturm auf Ceuta wolle der Präsident nicht als Migrationskrise betiteln. „Die Menschen hatten den Eindruck, dass dies, wenn nicht orchestriert, so doch von Marokko begünstigt oder zugelassen wurde.“ Ceutas Bürger hätten Angst gehabt und seien in ihren Häusern geblieben.
Marokko spricht nur von 40.000 illegalen Einwanderern
Zuvor behauptete der Sprecher des marokkanischen Innenministeriums, Rachid El Khalfi, dass es lediglich etwa 40.000 Personen gewesen seien. Das sei durch „Überwachungs- und Feldbeobachtungssysteme“ festgestellt worden. Zudem sei der Ansturm „nicht auf zufällige oder spontane Faktoren zurückzuführen, sondern das Ergebnis des Zusammenspiels mehrerer miteinander verflochtener Faktoren“, sagte der Sprecher in einer Pressekonferenz am Sonntag. Darunter würden „böswillige Ausnutzung des digitalen Raums und Verbreitung irreführender Informationen sowie die Rolle von Menschenhändlerbanden und die falsche Auslegung rechtlicher und administrativer Vorschriften“ fallen.

Es sei der Eindruck erweckt worden, „man könne leicht und ohne rechtliche Konsequenzen in den europäischen Raum gelangen“, sagte Khalfi. Hintergrund sei die Entscheidung der spanischen Justizbehörden vom 29. Juni 2026, die die pauschale Rückführung von Migranten einschränkte, die über den Seeweg spanisches Territorium erreichten (JF berichtete). „Diese Entscheidungen führten angesichts der damit einhergehenden falschen Interpretationen und irreführenden Berichterstattung dazu, dass bei einigen Überfahrtwilligen der Eindruck entstand, eine sofortige Rückführung könne vermieden werden“, beschrieb der Sprecher der Behörde die Situation.
Er kündigte an, dass die marokkanischen Behörden mit ihren spanischen Amtskollegen zusammenarbeiten würden. Gemeinsam wolle man die tatsächliche Anzahl der Migranten, ihre Identitäten und Nationalitäten sowie die Richtigkeit ihrer Aussagen überprüfen, um „die erforderlichen rechtlichen, administrativen und humanitären Maßnahmen abzuschließen“. Das Innenministerium bekräftigte, dass die Bewältigung der Migration nur im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes erfolgen könne, der auf gemeinsamer Verantwortung, echter Solidarität und Lastenteilung beruhe. Dafür bleibe Marokko „ein verlässlicher und verantwortungsvoller Partner“. (mas)





