MAGDEBURG. Die CDU-Führung in Berlin ist vom sachsen-anhaltischen Ministerpräsidenten Sven Schulze abgerückt. Auslöser ist ein gemeinsamer Wahlkampfauftritt des CDU-Spitzenkandidaten mit dem Schauspieler und Kabarettisten Dieter Hallervorden. Dieser hatte die Parteibühne für scharfe Angriffe auf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und die deutsche Israel-Politik genutzt.
Die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann widersprach Hallervorden öffentlich. Für die Bundespartei sei klar, dass es im Gazastreifen keinen Völkermord gebe. Die CDU stehe an der Seite Israels sowie der Ukraine und trete für Verteidigungsfähigkeit ein. Auch Kunst- und Meinungsfreiheit müssten mit deutlichem Widerspruch rechnen, schrieb sie auf X.
Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression.
— Franziska Hoppermann (@FHoppermann) August 1, 2026
Damit richtet sich die Kritik indirekt auch gegen Schulze. Der Ministerpräsident tourt wenige Wochen vor der Landtagswahl gemeinsam mit Hallervorden durch mehrere Städte Sachsen-Anhalts. Unter dem Motto „Kunst braucht Freiheit“ sollen die Veranstaltungen die CDU als Verteidigerin der Meinungs- und Kunstfreiheit präsentieren. Zugleich versucht Schulze, sich von der Bundespartei abzusetzen und den Umfragevorsprung der AfD zu verkürzen.
Hallervorden nennt Pistorius „Kriegsminister“
Bei einem Auftritt im ausverkauften OLi-Kino in Magdeburg sang Hallervorden ein antimilitaristisches Lied, das sich direkt gegen Merz und Pistorius richtete. Den Verteidigungsminister bezeichnete der 90jährige darin als „Kriegsminister“. Auf einer Leinwand waren währenddessen Bilder von Panzern, Explosionen, Bomben und zerstörten Städten zu sehen.
#CDU-Wahlkampf in Magdeburg. Didi Hallervorden singt gegen „Kriegsminister“ Pistorius und Friedrich #Merz. Und bringt die #Gaza Völkermordlüge auf die CDU-Bühne. CDU-Ministerpräsident Schulze will ein Zeichen für #Meinungsfreiheit setzen. #Israel #Hamas # Demokratie #Islamismus pic.twitter.com/X0riqIFzWS
— Sascha Adamek (@SaschaAdamek) July 30, 2026
Hallervorden warf der Politik vor, Kriege aus wirtschaftlichen Interessen zu fördern. An Merz und Pistorius gerichtet sang er, wer glaube, dass Krieg sich lohne, solle „auf dem Mond“ kämpfen. Zudem erklärte er offen, auf Bundesebene keine Werbung für Merz machen zu wollen. Bei Schulze sei dies anders.
Schulze ließ Hallervorden freie Hand
Auch den Gaza-Krieg griff der Künstler auf. Im Hintergrund erschien unter anderem eine Aufnahme einer pro-palästinensischen Demonstration mit der Parole „Stoppt den Völkermord in Gaza“. Hallervorden war in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen scharfer Angriffe auf Israel in die Kritik geraten.
Schulze hatte nach eigenen Angaben bereits vor dem Auftritt gewusst, dass sich Hallervorden seine Beiträge nicht vorschreiben lassen werde. Er habe dem Künstler zugesichert, sich nicht in dessen Programm einzumischen, wie er Focus Online sagte. Zwar räumte der Ministerpräsident anschließend ein, einige Äußerungen hätten an der Grenze dessen gelegen, was auf einer CDU-Bühne zu erwarten sei. Einen offenen Streit mit seinem prominenten Wahlkampfhelfer wollte er jedoch vermeiden. (ag)





