BERLIN. Jens Spahn hat sich erstmals ausführlich zu seiner Vaterschaft durch eine Leihmutter geäußert. Der CDU/CSU-Fraktionschef sagte, er habe lange mit sich gerungen und sei bei dem Thema „zerrissen“ gewesen. Zugleich verteidigte er den Weg, den er gemeinsam mit seinem Ehemann Daniel Funke in den USA gegangen ist.
„Es ist einfach toll, es ist ein tolles Gefühl“, sagte Spahn über seinen Sohn Georg. Er spüre die Verantwortung, dem Kind zu helfen, „hoffentlich ein guter Mensch zu werden, seinen Platz im Leben zu finden und auch was weiterzugeben“.
Sein Mann und er hätten den Wunsch nach einem eigenen Kind „von Anfang an beide gehabt“. Spahn betonte im Podcast der Bild, er habe nicht gegen deutsches Recht verstoßen. Verboten seien in Deutschland die Vermittlung einer Leihmutterschaft und die ärztliche Behandlung, etwa das Einsetzen einer Eizelle. „Eltern werden oder Leihmutter sein steht nicht unter Strafe.“ Der frühere Gesundheitsminister räumte zugleich ein, dass er sich früher hätte erklären müssen. Beim CDU-Parteitag im Februar, auf dem die Partei Leihmutterschaft erneut ablehnte, war die Leihmutter bereits schwanger. „Ich hätte es tun sollen im Nachhinein“, sagte Spahn. Damals sei er aber „noch nicht so weit“ gewesen, die Debatte führen zu können. Dass er damit für Wirbel in der Partei sorgen würde, sei ihm klar gewesen. Sein „persönliches Glück“ seo aber einfach wichtiger gewesen.
Ich zahle jetzt einfach auch keine Steuern mehr. Sorry, Finanzamt! Aber mein persönliches Glück ist jetzt einfach wichtiger. https://t.co/2GzEvv8EQx
— Henning Hoffgaard (@HenHoffgaard) July 17, 2026
CDU macht Druck auf Spahn
Auf die Rücktrittsforderungen reagierte Spahn zurückhaltend. Über seine Zukunft als Vorsitzender der Unionsfraktion sagte er: „Ich werde die Frage, wie es weitergeht, mit der Fraktion natürlich erörtern, wenn wir uns im September wiedersehen.“ Am Ende könne nur die Fraktion darüber entscheiden, „wie es weitergeht“. Ob sich die Entscheidung tatsächlich bis September aufschieben lässt, scheint fraglich. Bereits am kommenden Montag ist die nächste Sitzung des Präsidiums geplant. Spahn wird dort nach aktuellem Stand allerdings nicht teilnehmen.
Der Druck auf Spahn wächst inzwischen auch aus der CDU. Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Landeschef Daniel Peters sagte, Spahn sei „als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten“. Er habe sich mit der Leihmutterschaft in den USA „in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt“.
Auch die Landesvorsitzende der Frauen Union Mecklenburg-Vorpommern, Chris Günther, forderte Spahn „zum Rücktritt von seinen politischen Ämtern“ auf. Die Antwort auf den Kinderwunsch eines homosexuellen Paares dürfe nicht „die Verschiebung bioethischer Grenzen“ sein. Der menschliche Körper dürfe niemals zum Gegenstand von Verträgen oder kommerziellen Interessen werden.
Noch eine Rücktrittsforderung an Jens Spahn: pic.twitter.com/3IiIz96Sx2
— Mariam Lau (@MariamLau1) July 17, 2026
Scharfe Kritik auch aus der Kirche
Der Evangelische Arbeitskreis der CDU Thüringen forderte Spahn ebenfalls auf, sein Amt als Fraktionschef zur Verfügung zu stellen. Dessen Landesvorsitzender Ulrich Born erklärte, die CDU könne ihr Nein zur Leihmutterschaft nicht mehr glaubwürdig vertreten, wenn einer ihrer wichtigsten Repräsentanten diese Haltung unterlaufe. Spahn leiste dem Eindruck moralischer Doppelstandards Vorschub.
Kritik kam auch von Hubert Hüppe, dem Vorsitzenden der Senioren-Union. Er zeigte sich im Spiegel „persönlich geschockt“. Die CDU habe einen klaren Parteitagsbeschluss gegen Leihmutterschaft. Es gehe nicht um den Kinderwunsch homosexueller Paare, sondern darum, „ob man Frauen instrumentalisiert“. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Ellen Demuth erklärte laut Politico, sie fühle sich von Spahn als Fraktionschef „nicht mehr repräsentiert“. Sie warf ihm eine „Doppelmoral, die ich für unerträglich halte“ vor.
Auch Kirchenvertreter äußerten sich scharf. Der württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl sagte, bei Spahns Fall gehe es um „Doppelmoral und Glaubwürdigkeit“. Wer den Eindruck erwecke, dass politische Überzeugungen und persönliches Handeln nicht zusammenpassten, beschädige auch das Vertrauen in Politik insgesamt. Der Passauer Bischof Stefan Oster verwies auf die Menschenwürde. Kinder seien ein Geschenk Gottes und dürften nicht gekauft werden.
Kanzler Friedrich Merz will den Fall nach eigenen Angaben bereits am kommenden Montag im CDU-Präsidium ansprechen. Spahn sagte, er habe Merz bereits vor zwei Wochen über seine bevorstehende Vaterschaft informiert. Der Kanzler habe gratuliert und sich „für uns persönlich gefreut“. Zugleich hätten beide darüber gesprochen, dass dies „keine einfache Ausgangslage“ sei. (rr)







