BERLIN. Die thüringische Frauen-Union-Landesvorsitzende Marion Rosin hat nach Bekanntwerden der Leihmutter-Geburt von Jens Spahns Sohn (die JF berichtete) den Rücktritt des CDU/CSU-Fraktionschefs gefordert. Wer das deutsche Verbot durch eine Auslandslösung umgehe, setze sich über den Geist des Gesetzes hinweg, sagte die CDU-Landtagsabgeordnete den Funke-Medien.
Die CDU-Funktionärin sagte, wenn die Glaubwürdigkeit eines Spitzenpolitikers verloren gehe, sei „Rücktritt eine Frage der Konsequenz“.
Auch die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) fordert politische Konsequenzen. Spahn müsse sein Bundestagsmandat zur Verfügung stellen und seine Ämter in Partei und Fraktion niederlegen, erklärte die Bundesvorsitzende Cornelia Kaminski. Das Kind wurde in den USA von einer Leihmutter für Spahn und seinen Ehemann Daniel Funke ausgetragen. In Deutschland sind die Vermittlung von Leihmutterschaften und die ärztliche Mitwirkung daran allerdings verboten.
Spahn hatte Leihmutterschaft früher selbst abgelehnt
Für Kritik sorgt vor allem Spahns frühere Haltung. In einem Gastbeitrag für das Magazin GQ schrieb er noch 2015, er könne sich „als schwuler Mann und Christ“ nur schwer mit der Idee eines „gemieteten Mutterbauchs“ anfreunden. Als Gesundheitsminister ließ sein Haus 2020 dann eine FDP-Forderung nach teilweiser Legalisierung zurückweisen. Begründet wurde das damals mit Kindeswohl, Mutterschaft und möglichen Folgen für die Selbstfindung des Kindes.
Die CDU hält indes an ihrer Linie fest und stellt sich damit gegen Spahn. Eine Sprecherin verwies auf den Parteitagsbeschluss vom Februar. Darin hatte die Partei gefordert, Leihmutterschaft auch in altruistischen Modellen in Deutschland weiter zu verbieten. Auch die Frauen-Union sieht nach eigenen Angaben keinen Grund, an der geltenden Rechtslage etwas zu ändern.
Aus der Union meldete sich zudem Sean Zielinski, Vizechef der CDA-Jugendorganisation, kritisch zu Wort. Wenn CDU und CSU Leihmutterschaft aus ethischen Gründen ablehnten und die Union als Gesetzgeber diese Praxis verbiete, müsse dieser Maßstab auch für führende Repräsentanten gelten, schrieb er auf Instagram.
Kritik von Feministinnen, Kirchenvertretern und AfD
Scharfe Kritik kam auch von Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Leihmutterschaft sei in Deutschland zu Recht verboten, sagte sie der Katholischen Nachrichten-Agentur. Menschen seien keine Ware. Käuflich solle weder eine Frau als „Gebärmaschine“ sein noch ein „für Geld produziertes Kaufkind“. Auch die frühere Grüne-Jugend-Chefin Jette Nietzard schrieb von Doppelmoral und gratulierte ironisch zum „Babykauf“.
Mehrere Stimmen aus dem katholischen Umfeld warnten ebenfalls vor Ausbeutung. Der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio nannte die Gefahr „virulent“. Der Regensburger Moraltheologe Rupert Scheule verwies auf Probleme in der Ukraine und den USA. Der Chef des Katholisches Hilfswerks Renovabis, Thomas Schwartz, erklärte, das Recht auf Selbstverwirklichung ende dort, wo andere Menschen zum Mittel würden.
Die Linke-Frauenpolitikerin Kathrin Gebel lehnte kommerzielle Leihmutterschaft wegen des Machtgefälles ab. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes spricht davon, dass das Kind zur Ware und die austragende Mutter zur „Mietgebärmutter“ degradiert werde. Von der AfD kam ebenfalls Kritik: Familienpolitiker Martin Reichardt nannte Spahns Verhalten „mehr als erbärmlich“.

Ministerium verweist auf geltendes Verbot
Das von der CDU-Politikerin Karin Prien geführte Bundesfamilienministerium verwies auf das Verbot der Ersatzmuttervermittlung nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz. Der Koalitionsvertrag sehe keine Änderung vor. Auch Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) bekräftigte, am Verbot solle nichts geändert werden. Kanzler Friedrich Merz gratulierte Spahn laut Berichten zur Elternschaft, wollte sich aber nicht näher äußern.
Spahn selbst reagierte auf die massive Kritik zunächst nicht persönlich. Aus seinem Umfeld hieß es, er leite aus seinem Privatleben keine politischen Forderungen ab. Sein Ehemann hatte sagte der Bild, beim Thema Leihmutterschaft gebe es oft Unsicherheit und Vorurteile und zitierte Franz Beckenbauer: „Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.“







