BERLIN. Das „Männermanifest“ mehrerer männlicher Grünen-Politiker hat in der Partei für Aufregung und Ärger gesorgt. Die Bundestagsabgeordneten Lena Gumnior, Ulle Schauws und Kirsten Kappert-Gonther fassten die Wortbeiträge während einer Fraktionssitzung am Dienstag so zusammen, dass das, „was da niedergeschrieben wurde“, nicht „unser Männerbild sei“, berichtet der Spiegel.
Am vergangenen Freitag hatten mehrere Grünen-Abgeordnete einen Text unter dem Titel „Moderne Männlichkeit“ veröffentlicht, in dem sie beklagten, der Feminismus habe bislang in erster Linie definiert, was Männlichkeit nicht sei – „aber wir haben vergessen, ein Angebot zu machen, was Männlichkeit stattdessen sein kann“. In dieses Vakuum seien Influencer wie Andrew Tate (JF berichtete) gestoßen.
Statt Stärke als männliches Konzept komplett zu verwerfen, sollten Vertreter einer „modernen Männlichkeit“ verstehen, dass „wahre Stärke nicht darin liegt, andere klein zu machen, sondern gemeinsam zu wachsen“. Wahre Männlichkeit zeige sich im Alltag – etwa in Gestalt des Vaters, der sich für seine Kinder Zeit nehme, Windeln wechsele und Tränen trockne. „Das alte Männerbild war eine Rollen-Diktatur. Es gab nur einen richtigen Weg, Mann zu sein, und wer davon abwich, wurde aussortiert.“ Die neue Männlichkeit bestehe darin, sich seinen Weg frei wählen zu können.
„Aber doch nicht mit solchen Papieren“
Das Papier sei „gut gemeint, aber zu kurz gedacht“, kritisierte ein Grünen-Abgeordneter. Es sei „neben der Spur“ jetzt. „über unser Männerbild“ zu reden, lautete eine weitere Wortmeldung. Natürlich müsse man junge Männer erreichen – in den Sportvereinen, in Kraftsportzentren. „Aber doch nicht mit solchen Papieren.“

Der Abgeordnete Sven Lehmann, der vor 16 Jahren zu den Unterzeichnern eines vorherigen grünen „Männermanifests“ gewesen war, gab zu Protokoll, er hätte das neue Manifest wohl nicht unterschrieben, wäre er gefragt worden. Der Vorstoß werfe die Debatte seiner Ansicht nach um Jahre zurück. Das Papier suggeriere, dass Männer Opfer des Feminismus geworden seien und propagiere alte Männlichkeitsbilder von Stärke. Auch Lehmann denke allerdings darüber nach, wie die Grünen angesichts des „Rechtsrucks“ unter jungen Männern ein Männerbild definieren könnten, das weniger ausgrenzend sei.
Hält das Manifest Frauen von der Wahl ab?
Parteichef Felix Banaszak, der im Februar dem Playboy ein Interview gegeben hatte – nach eigener Aussage, um ein junges und männliches Publikum anzusprechen –, erklärte ebenfalls, er hätte das Papier nicht unterschrieben. Es gehe ihm um eine Erweiterung von Männerbildern, nicht die Bestätigung von Klischees. „Fürsorge und Verantwortung sind kein Widerspruch zu Fitness, aber Fitness alleine macht noch keinen neuen Mann.“
Das Manifest, klagten andere, könnte eine differenzierte Debatte über Männlichkeitsbilder erstickt haben. Man gewinne auf diesem Weg nicht nur keine jungen Männer, sondern verschrecke möglicherweise auch junge Frauen. Diese seien bislang eine starke Wählergruppe. „Das Papier hat nicht dazu beigetragen, dass es so bleibt“, beschwerte sich ein Grünen-Mitglied. Diese Debatte vor den wichtigen Landtagswahlen im Osten zu führen, sei „fatal“.
Auch der Vorsitzende des Europausschusses, Anton Hofreiter, wurde aufgrund eines Interviews im Spiegel stark kritisiert. Darin hatte er betont, dass er selbst Boxpsort betreibe und Teilen des linken Lagers vorgeworfen, sie würden Männer pauschal ablehnen. „Es gibt im linken Lager kein positives Bild moderner Männlichkeit. “ (lb)





