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Folge 10: Wir haben keinen Torwart

Folge 10: Wir haben keinen Torwart

Folge 10: Wir haben keinen Torwart

Diesmal schreibt unser Kolumnist über das Torwart-Problem der Nationalmannschaft.
Diesmal schreibt unser Kolumnist über das Torwart-Problem der Nationalmannschaft.
Diesmal schreibt unser Kolumnist über das Torwart-Problem der Nationalmannschaft.
Folge 10
 

Wir haben keinen Torwart

Mit dieser Kolumne wollte ich Hoffnung und gute Laune versprühen. Doch nach der Leistung gegen Ecuador fehlt selbst mir der Glaube. Wir haben viele Probleme, aber das größte steht zwischen den Pfosten und heißt Manuel Neuer.
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Als meine Hertha 1990 nach Jahren der Trostlosigkeit wieder in die Bundesliga aufstieg, sangen die Fans aus vollen Kehlen ein mitreißendes Lied: „Oh lala, wir haben einen Torwart – oh lala Junghans wunderbar.“ Walter Junghans stand damals zwischen den Pfosten, strahlte Ruhe aus und war der Garant für viele Siege. Das fiel mir gestern Abend wieder ein, als dieses grottige Ecuador-Spiel vorbei war. Denn ich muss feststellen: Wir haben keinen Torwart.

Gleich vorab der Spoiler: Natürlich lag es nicht nur an Manuel Neuer, dass wir dieses Spiel völlig verdient verloren haben. Aber wie der Weltmeister von 2014 beim entscheidenden Tor im Stile eines Fliegenfängers nicht schnell genug zum Ball ging, sondern darauf vertraute, dass der ihm in die Arme fliegen würde, war amateurhaft.

Das war ihm an diesem New Yorker Nachmittag zum zweiten Mal passiert. Zuvor kam er auch heraus, packte zu und griff ins Leere. Da hatte Jonathan Tah ihm den Ball weggespitzelt. Als klassisches Missverständnis könnte man das gerade noch so entschuldigen. Aber wie lange Neuer brauchte, um in der weiterlaufenden Szene wieder auf die Linie zu kommen, hat mich dann doch erschüttert.

Wo blieb das Wort „Torwart-Fehler“?

Der Effekt, den Bundestrainer Julian Nagelsmann mit der Berufung des Münchners auslösen wollte, stellt sich nicht ein. Seine „Aura“ sollte die Gegenspieler erschrecken. Doch jetzt zeigt sich: Die Idee, einen 40 Jahre alten verletzten Torwart mit zur WM zu nehmen und die angestammte Nummer eins, Oliver Baumann, zu verjagen, war keine gute Idee. Solche Patzer habe ich von dem Hoffenheimer nicht annähernd gesehen. Und wie sich Neuer im Nachhinein von jeder Schuld freispricht und keinen Fehler erkennen will, ist bezeichnend für ihn und ärgerlich für uns.

Insofern war es gut, dass Neuer auch in diesem sportlich für uns bedeutungslosen Spiel das Tor hütete. Nagelsmann wollte Erkenntnisse, und auf dieser Position bekam er sie. Jetzt sagt der Bundestrainer, er wolle „Lehren aus dem Spiel“ ziehen. Ich finde, er müsste auch so handeln und Baumann im Sechzehntelfinale wieder zwischen die Pfosten stellen. Druck von außen gibt es dafür merkwürdiger Weise nicht. Nach dem Spiel warteten mein Sohn und ich auf Magenta-TV auf ein entscheidendes Wort: „Torwartfehler“.

Doch weder Jürgen Klopp noch Mats Hummels oder Thomas Müller und schon gar nicht Johannes B. Kerner nahmen es in den Mund. Hier scheint die „Aura“ des einstiges Welttorhüters noch zu wirken. Fest steht: Wir haben nach drei Vorrundenspielen gegen einen schlechten und zwei mittelmäßige Gegner vier Gegentore auf dem Konto. Neuer griff öfter hinter sich, als dass er Schüsse abwehrte. Das waren nämlich bisher nur drei – ein miserabler Wert. Normalerweise liegt die Quote abgewehrter Schüsse guter Torhüter bei rund 90 Prozent. Neuer weist nach drei Spielen 43 Prozent auf.

Der Jammer mit Musiala und Wirtz

Aber es wäre zu billig, die Niederlage nur an dem Münchner festzumachen. Ich habe gestern Abend keinen einzigen Spieler gesehen, der WM-Format erreichte. Unsere hochgejubelten Jungstars Jamal Musiala und Florian Wirtz blieben auch im dritten Spiel blass. Ich hatte die beiden schon nach dem Elfenbeinküstenspiel krisitiert und auf Besserung gehofft. Aber das Duo ging auch gestern völlig unter.

Noch eine bittere Erkenntnis Wenn wir ehrlich sind, hatten wir nur eine Torchance: In der zweiten Halbzeit der klägliche Abschluss von Leroy Sané, der die (unverdiente) Führung hätte sein müssen.

Denn sein Tor kurz nach Anpfiff hätte nicht zählen dürfen. Pavlovics hohes Bein und der Treffer am Kopf des Gegenspielers im Vorfeld wären in allen Bundesligaspielern abgepfiffen worden. Gestern Abend habe ich nach dem vielversprechenden Auftakt noch gewitzelt: Ich freue mich, wenn Schiedsrichter gute Augen haben. Diesmal war es eine Schiedsrichterin, aber die war genauso schlecht wie die deutsche Mannschaft. Dass sie auch das Foul Sanés vor dem dadurch unberechtigten und vom VAR zurückgenommenen Elfmeterpfiff nicht gesehen hatte, stellt sie auf eine Stufe mit Manuel Neuer. Und das ist im Jahr 2026 wirklich kein Kompliment.

Also fassen wir zusammen: Ein schlechter Torwart, eine unsichere Abwehr und ein Mittelfeld, das weder Ruhe und Spielwitz ausstrahlt noch Torchancen kreiert, machen wenig Hoffnung. Dazu vorn mit Kai Havertz ein Stürmer, der auch im dritten Spiel nichts von seiner angeblichen Klasse aus der Premier League andeuten konnte. Nur auf Deniz Undav zu hoffen, der irgendwann reinkommt und irgendwie ein Tor macht, ist zu wenig.

Jetzt zittern wir schon beim Sechzehntelfinale

Bisher hielt ich das Sechzehntelfinale am Montag für einen Selbstgänger und habe die erste große Herausforderung im wahrscheinlichen Achtelfinale gegen Frankreich am 4. Juli gesehen. Doch nach dem Ecuador-Spiel können wir froh sein, wenn wir das überhaupt erreichen. Und sowohl Frankreich als auch Norwegen, das mit einem Sieg im direkten Duell auch noch Gruppensieger werden kann, dürften jetzt keine Angst mehr vor Deutschland haben.

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In den ersten neun Folgen dieser Kolumne habe ich versucht, Freude, WM-Fieber und Optimismus zu verbreiten. Die zehnte ist nun ernüchternd. Aber um Sie jetzt nicht mit diesem schlechten Gefühl zu entlassen, habe ich noch einen Hoffnungsschimmer für Sie. Und zwar aus meiner gefürchteten Statistik: Immer, wenn Deutschland alle Vorrundenspiele gewonnen hat, wurden wir nicht Weltmeister. Auf dem Weg zu jedem unserer vier Titel lag ein Unentschieden oder eine Niederlage.

Ich wünsche mir, dass das ein gutes Omen sein könnte, aber nach dem kläglichen Auftritt von gestern Abend, ist das nun wirklich nur ein Strohhalm, an den ich mich klammere. Warten wir mal den Montag ab. Vielleicht sieht die Welt(meisterschaft) da schon wieder besser aus. Bis dahin, viele Grüße an alle Leidensgenossen.

Lesen Sie hier Frank Haukes weitere WM-Kolumnen:

Folge 9: Warum ist es gegen Eucuador immer so langweilig?

Folge 8: Diese doofen Anstoßzeiten und meine Kindheits-Erinnerungen

Folge 7: Soll ich jetzt meinen Frieden mit Antonio Rüdiger machen?

Folge 6: Was machen wir jetzt mit diesem Ecuador-Spiel?

Folge 5: Spitzenreiter, hey! Die Mammut-Tabelle nach dem ersten Spieltag

Folge 4: Warum Argentinien nicht Weltmeister wird, sondern nur wir

Folge 3: Wie in schlechten alten Zeiten: Der Bundes-Jogi macht die Merkel

Folge 2: Nmecha, Tah, Brown – unsere großartigen deutschen Nationalspieler

Folge 1: Nach dem letzten 7:1 wurden wir Weltmeister

Diesmal schreibt unser Kolumnist über das Torwart-Problem der Nationalmannschaft.
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