Aus dem Dunkel der Nacht tauchen Fahrzeuge auf. Ein Mercedes, gefolgt von zwei Land Rovern. Der ugandische Soldat, der Posten schiebt, ist sich nicht sicher, ob er den Konvoi anhalten und den Ärger seiner Vorgesetzten, die möglicherweise in den Wagen sitzen, auf sich ziehen soll. Plötzlich durchzuckt ihn ein stechender Schmerz. Getroffen von Kugeln aus der schallgedämpften Pistole Lt. Col. Jonathan Netanjahus, des Kommandanten der israelischen Kommandos in den herannahenden Wagen, bricht er zusammen. Mit letzter Kraft greift er seine AK-47. Schon treffen ihn weitere Schüsse aus Sturmgewehren, abgefeuert aus den Land Rovern. Ein weiterer ugandischer Soldat wird von Maschinengewehrgarben durchsiebt. Die Tarnung ist dahin. Die Fahrzeuge rasen auf das alte Terminal zu. Dort werden Geiseln festgehalten, die die Kommandos befreien sollen.
Als der Air-France-Flug 139 am 27. Juni von Tel Aviv kommend, auf dem Weg nach Paris in Athen abhob, ahnten weder Flugkapitän Michel Bacos noch seine Besatzung oder die 258 Passagiere, dass sie sich am Beginn einer blutigen Odyssee befanden. Der Airbus A300 war noch nicht lange in der Luft, da sprangen vier bewaffnete Terroristen auf und überwältigten die Besatzung. Es handelte sich um die Deutschen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann, die den Revolutionären Zellen, einer Stadtguerilla, angehörten, sowie die Palästinenser Jayel al Arja und Abdul‑Rahim al Jaber von der Popular Front for the Liberation of Palestine – External Operations.
Entführer selektieren die Geiseln
Rasch wurden die Ausweise der Fluggäste eingezogen. Vorerst landete der Flieger in Bengasi, wo er aufgetankt wurde. Bei diesem Aufenthalt gelang es einer Passagierin, eine Schwangerschaftskomplikation vorzutäuschen und freigelassen zu werden. Dann startete die Maschine mit unbekanntem Ziel. Die Landeanfrage für Khartum wurde von der sudanesischen Regierung verweigert. Am Morgen des 28. Juni um 03.15 landete sie schließlich in Entebbe, wo (je nach Quelle) vier oder fünf Palästinenser hinzustießen.
Erst nach Verhandlungen mit dem ugandischen Präsidenten Idi Amin durften die Geiseln das in der prallen Sonne stehende Flugzeug verlassen. Sie wurden von den Terroristen bewacht im Erdgeschoss des Terminals festgehalten. Hier wurde in israelische Staatsbürger und Personen mit jüdisch anmutenden Namen und vermeintliche Nichtjuden unterteilt. Obwohl am 30. Juni ein anderes Flugzeug der Air France nach Entebbe flog, um 47 nichtjüdische Geiseln nach Paris zu fliegen, beschlossen Flugkapitän Bacos, seine Besatzung und eine Nonne, bei den Geiseln zu bleiben. Während die Nonne unter Gewalt in den Entsatzflieger verbracht wurde, blieb die Flugzeugbesatzung zurück. Am darauffolgenden Tag wurden die restlichen 101 nichtjüdischen Gefangenen, mit Ausnahme der Besatzung, in die Freiheit ausgeflogen.
Israel schickt Spezialkommando nach Entebbe
Die Terroristen forderten, im Austausch für die Geiseln 40 Palästinenser und 13 weitere in Haft befindliche Personen freizulassen. Zudem forderten sie fünf Millionen US‑Dollar für die Rückgabe des Flugzeugs. Das Ultimatum wurde vom 30. Juni auf den 1. Juli und schließlich auf den 4. Juli verschoben. Unterdessen wurden die Freigelassen intensiv von französischen, britischen und israelischen Sicherheitskräften sowie dem Kommandeur der GSG 9, Ulrich Wegener, der verdeckt nach Entebbe reiste, befragt. Zusätzlich überflog ein Mossad-Agent das Flugfeld in einem Kleinflugzeug, um Fotos des Geländes anzufertigen.
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— Sabine (@kampsabine) July 4, 2024
Vier für den unmittelbaren Einsatz vorgesehene Herkules-C‑130-Transportflugzeuge flogen von Tel Aviv nach Ofira am südlichen Ende der Sinai-Halbinsel. In der Nacht vom 3. zum 4. Juli flogen die vier Herkules knapp über der Wasseroberfläche des Roten Meeres, um nicht vom Radar erfasst zu werden. Während eines Gewitters landeten die vier Maschinen nacheinander auf dem Flughafen Entebbe. Zudem flogen zwei Boeing 707 nach Kenia. Eine der Maschinen diente als Kommandozentrale, die andere als Lazarett.
Alle Geiselnehmer sterben
Die 34 Sajeret-Matkal-Kommandos der ersten C‑130 fuhren mit den Land Rovern und dem Mercedes zum Terminal. Die Kommandos sicherten das Gebäude, wobei alle Geiselnehmer, zwei ugandische Soldaten und drei Geiseln starben. Israelische Fallschirmjäger hatten das neue Terminal mit Tankanlage gesichert. Aus der dann gelandeten zweiten C‑130 rollten zwei BTR-40 und rasten zu dem alten Terminal. Kurz darauf landete die dritte C‑130 mit zwei weiteren BTR-40 und 30 Kommandos. Schlussendlich landete die vierte C‑130 mit zwei Geländewagen, zehn Soldaten der israelischen Luftwaffe, einem zehnköpfigen medizinischen Team und 20 weiteren Kommandos.
Die Fahrzeuge deckten die Zufahrtsstraße nach Kampala, beschossen den Kontrollturm und zerstörten drei Mig-21 und fünf Mig-17. Derweil wurden die Geiseln in eine wartende C‑130 gebracht. Die Betankung der Herkules-Flugzeuge wurde abgebrochen, da es eine Landefreigabe für Nairobi gab, wo die Maschinen zwischenlandeten, auftankten und die Geiseln und fünf verwundete Kommandos medizinisch versorgt wurden, bevor sie den Flug nach Israel fortsetzten.





