BRÜSSEL. Der oberste Berater des US-Staatssekretärs für Kriegspolitik, Alexander Velez-Green, hat die Reduzierung amerikanischer militärischer Unterstützung für die Nato angekündigt. Im Nato-Hauptquartier sagte der Politiker gegenüber Beamten aus Nato-Mitgliedstaaten, dass die USA im Rahmen der Streitkräfteplanung unter anderem weniger Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnen oder Tankflugzeuge zur Verfügung stellen würden, berichtete der Spiegel am Dienstag. Die entstehenden Lücken müssten die Europäer selbst füllen.
Die USA planen demnach, ihren Anteil im „Nato Force Model“ deutlich zurückzufahren. Das Modell regelt, wie Bündnispartner Truppen und Kriegsgeräte zur Verteidigung organisieren, verwalten und in Bereitschaft halten sollen. Der amerikanische Anteil an Truppen und Kriegsgeräten lag bislang bei der Hälfte.
Weniger Bomber für den Rest der Nato
Die USA beabsichtigen, weniger strategische Bomber für die Nato abzustellen. Bei Kampfjets soll der US-Beitrag um ein Drittel reduziert werden. Zudem sollen weniger Zerstörer zur Verfügung gestellt werden, U-Boote wollen die Vereinigten Staaten komplett für sich behalten. Auch Aufklärungsdrohnen würden nicht mehr bereitgestellt und bei bewaffneten Modellen werde die Teilhabe zurückgefahren.
Velez-Green habe dafür die Unterstützung bei der nuklearen Abschreckung in Europa zugesichert. Die konventionelle Verteidigung sollen die europäischen Mitglieder des Verteidigungsbündnisses aber selbst übernehmen.
Natomitglieder sollen Lücken selbst füllen
Die übrigen Nato-Mitglieder seien dazu aufgefordert, die Lücken schnell zu schließen. Bereits zum nächsten Treffen Anfang Juni, der „Force Sourcing Conference“, erwarte Washington Angebote, welche Länder die Kürzungen auffangen könnten. Die USA seien bereit, mit allen Nato-Partnern zu kooperieren, die schnell handeln.

Unter anderem werde es an strategischen Bombern fehlen, die Atomwaffen tragen können. Zudem dürften die Flugzeugträger-Kapazitäten, die die USA bisher im „Nato Force Model“ für den Ernstfall angemeldet hatten, nur schwer zu ersetzen sein. Die europäischen Träger seien kleiner und weniger schlagkräftig als die amerikanischen „Supercarrier“.
USA wollen flexibel sein
Hintergrund des Abzuges aus Europa sei, dass die USA im Fall eines Konflikts im Indopazifik flexibler sein wollen, sagte ein amerikanischer Militärinformanten gegenüber dem Spiegel. Die Regierung wolle in solch einem Fall nicht durch die Anmeldung militärischer Fähigkeiten bei der Nato gebunden sein.
In der Vergangenheit habe es bei der Nato-Streitkräfteplanung eine „übermäßige Abhängigkeit“ von den USA gegeben, sagte eine Sprecherin von Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Europa und Kanada würden aber mehr in die Verteidigung investieren, weswegen „das Gewicht der Verantwortung“ verschoben werden könne. (mas)






