WIESBADEN. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der neu gebauten Wohnungen auf den niedrigsten Wert seit 2012 gesunken. „Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 206.600 Wohnungen gebaut“, was „18 Prozent oder 45.400 Wohnungen weniger als im Vorjahr“ entspricht, heißt es in einem Bericht des Statistischen Bundesamtes vom Freitag.
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) nannte als Grund für die „schlechten Zahlen“ vergangene Krisenjahre. Dass zu wenige Wohnungen entstünden, „ist die ehrliche Botschaft an alle, die heute eine Wohnung suchen“, sagte die Politikerin gegenüber der Rheinischen Post.
Laut den Statistikern gingen die Fertigstellungen im zweiten Jahr in Folge „deutlich“ zurück. 2024 gab es im Vergleich zum Vorjahr 14,4 Prozent weniger Fertigstellungen. In den Jahren 2021 bis 2023 waren noch jeweils rund 294.000 Einheiten entstanden. Zuvor hatte sich der Wohnungsbau von seinem Tiefststand von 159.000 im Jahr 2009 auf den Rekord von 306.400 im Jahr 2020 erhöht.
Besonders im Osten bricht der Bau von Wohnungen ein
Im Osten Deutschlands ging der Neubau mehr als doppelt so stark zurück wie im Westen. „Während die Zahl der fertiggestellten Neubauwohnungen im Westen gegenüber dem Vorjahr um 16,7 Prozent (minus 29.200 auf 145.700) abnahm, sank die Zahl im Osten um 34,3 Prozent (minus 14.000 auf 26.900).“

Insgesamt sank die Zahl der Fertigstellungen von Einfamilienhäusern um 12.700 auf 41.800 (minus 23,3 Prozent). Bei Zweifamilienhäusern ging der Wert um 3.800 auf 13.800 zurück (minus 21,4 Prozent). Auch bei der „zahlenmäßig stärksten Gebäudeart“, den Mehrfamilienhäusern, wurden mit 109.800 Neubauten 25.500 weniger als im Jahr zuvor errichtet (minus 18,9 Prozent).
„In neu errichteten Wohnheimen sank die Zahl fertiggestellter Wohnungen um 15,1 Prozent oder 1.300 auf 7.200.“ Außerdem entstanden in neuen Nichtwohngebäuden mit 3.300 Einrichtungen 31,8 Prozent weniger als 2024.
Ifo-Institut warnt vor weiterer Verschlechterung
Der Bauexperte des Ifo-Instituts, Ludwig Dorffmeister, rechnet damit, dass die Fertigstellungen in Deutschland 2026 weiter auf 185.000 Einheiten sinken. Hingegen sollen sie 2027 auf 205.000 und 2028 auf 215.000 Wohnungen steigen. „Auf dem deutschen Wohnungsmarkt liegen Projektkosten und Zahlungsbereitschaft in vielen Fällen weiter deutlich auseinander. Die zahlreichen Initiativen zur Kostensenkung und Verfahrensbeschleunigung konnten bislang nicht die gewünschte Wirkung entfalten“, schrieb Dorffmeister in einer Mitteilung des Instituts Anfang des Jahres.
Dennoch soll die Fertigstellungszahl 2028 um 15 Prozent unter dem Wert von 2024 liegen. Außerdem liege Deutschland mit 2,6 neu gebauten Wohnungen je 1.000 Einwohner unter dem europäischen Durchschnitt von 3,4. (mas)





