BERLIN. Die Co-Vorsitzende der von der Regierung eingesetzten Alterssicherungskommission, Constanze Janda, hat die Gerüchte über die abschließende Empfehlung zur Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre dementiert. Derzeit seien noch keine Empfehlungen „fertig entschieden“, sagte die Professorin gegenüber der Zeit am Donnerstag. „Details zu unserem Arbeitsstand und Zwischenergebnissen kommentiere ich nicht, da wir in der Kommission strikte Vertraulichkeit vereinbart haben.“
Die Bild sorgte am selben Tag mit der vermeintlichen Enthüllung für Aufsehen, dass das Gremium das Renteneintrittsalter schrittweise von 67 auf 70 Jahre erhöhen wolle. „Das soll ab den Jahren 2061/62 gelten. Für die Zeit davor ist im Gespräch: Ab Anfang der 40er Jahre soll die Rente mit 68 kommen, ab Anfang der 50er Jahre die Rente mit 69. Ab Anfang der 60er Jahre dann die Rente mit 70.“
Zudem soll die Kommission dafür sein, das Rentenniveau „nach 2031 leicht abzusenken: von 48 Prozent schrittweise auf 46 Prozent“.
Vermeintliche Erhöhung des Renteneintrittsalters sorgt für Kritik
Für den Arbeitnehmerflügel der CDU sei eine pauschale Anhebung des Eintrittsalters auf 70 Jahre „der falsche Schritt“, sagte dessen Vorsitzender Dennis Radtke gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe bereits Bürger, „die aufgrund der Belastung keine Chance haben, überhaupt bis 67 zu arbeiten“.
Die Bundestagsfraktionsvorsitzende der Grünen, Britta Haßelmann, warnte davor, dass die Erhöhung „zulasten der jüngeren Generation“ gehe und viele Menschen verunsichere. „Es ist wie immer in dieser Koalition: Eine Kommission soll in Ruhe arbeiten, aber einzelne Diskussionsstände der Rentenkommission werden durchgestochen.“
Zudem bezeichnete die Bundestagsfraktionschefin der Linkspartei, Heidi Reichinnek, das mutmaßliche Ergebnis als „unfassbar sozial kalte Empfehlung“, die immer mehr Menschen in die Altersarmut treiben werde. „Eine pauschale Erhöhung des Renteneintrittsalters bedeutet ein weiteres Auseinanderdriften zwischen oben und unten.“
Gerücht kommt nicht zum ersten Mal auf
Die Alterssicherungskommission hatte Anfang des Jahres im Auftrag der Bundesregierung mit ihrer Arbeit begonnen. Die Mitglieder sollen eine Reformempfehlung entwerfen und damit die Frage beantworten, wie ein stabiles Rentenniveau langfristig finanziert werden könne.

Bereits im Februar war das Gerücht aufgekommen, dass die Kommission über eine Erhöhung des Eintrittsalters diskutiere (JF berichtete). Das endgültige Ergebnis soll am 30. Juni vorgelegt werden.
Unter den 13 Experten sind unter anderem acht Wissenschaftler und drei Bundestagsabgeordnete. Die Vorsitzenden sind die Rektorin der Universität Speyer, Constanze Janda, sowie der frühere Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise. (mas)






