Frau Röhl, Sie halten die Militärschläge gegen den Iran für richtig. Warum?
Bettina Röhl: Weil Großes, Epochales passiert ist. In vornehmster amerikanischer Tradition hat US-Präsident Trump den obersten Führer des Iran, Ayatollah Ali Hosseini Chamenei, den (islamistischen) Hitler dieser Zeit, mit einem Präzisionsschlag vom Leben in den Tod befördert! Jedoch muss das Verschwinden dieses Menschenfeindes, der 37 Jahre lang die Terrorkratie namens „Islamische Republik Iran“ angeführt und fast 47 Jahren mit beherrscht hat, in Deutschland und auch sonst auf der Welt offenkundig erst noch verstanden und erklärt werden.

Na dann bitte, wir sind gespannt.
Röhl: Die USA waren die Conditio sine qua non für den Sieg über Hitler und dessen Nazi-Bewegung. Und in eben diesem Sinne hat Trump nun die Welt vom Weltzerstörer Chamenei, der den Nahen und Mittleren Osten mit Terror und islamistischen Extremismen destabilisierte, befreit, und er rettet die Menschen im Iran, die seit Jahrzehnten in Geiselhaft des staatsterroristischen Mullah-Regimes leben.
Aber geht es hier in Wahrheit nicht nur um einen machtpolitisch motivierten Krieg, wie ihn etwa George W. Bush im Irak geführt hat?
Röhl: Dieser Krieg ist qualitativ anders als alle anderen US-Kriege in der Region. Er ist von Trump und Israel, aber auch von den Menschen im Iran, die immer wieder für ihre Freiheit auf die Straße gegangen sind, und die die USA ja immer wieder um Hilfe, um einen Eingriff von außen gebeten haben, sehr gut vorbereitet worden, und es gibt jetzt einen einmaligen Kairos – also einen alles entscheidenden Augenblick, den es zu ergreifen gilt.
Röhl: „Saddam Hussein war natürlich nicht schrecklicher als die Mullahs“
Inwiefern ist dieser Krieg „qualitativ anders“?
Röhl: In der bipolaren Welt des Kalten Krieges, hier der Westen, da die Sowjetunion, galten völlig andere Gesetze als heute. Dass die Mullahs 1979 die Macht übernehmen konnten, hing wesentlich mit den selbst auferlegten Restriktionen des US-Präsidenten Jimmy Carter zusammen. Heute gibt es nur noch ein Russland mit 140 Millionen Einwohnern, das aktuell mit dem Ukrainekrieg bis über seine Belastungsgrenze gebunden ist und sicher keinen Atomkrieg will. Dazu kommt: Die Atomarsenale des Iran wurden von Trump schon im Juni 2025 effizient zerstört.
Eben, also hat Trumps Sondergesandter für den Nahen Osten, Steve Wittkoff, doch gelogen, als er die Angriffe damit begründete, der Iran sei „vielleicht nur noch eine Woche davon entfernt, über atombombentaugliches Material zu verfügen“.
Röhl: Vorangegangen war zudem der von Trump eingeleitete Friedensplan zwischen Israel und Gaza im Herbst 2025 mit einem Waffenstillstand und der Herausgabe der letzten israelischen Hamas-Geiseln. Weiter haben Trumps Abraham-Abkommen zu einer zunehmenden Normalisierung zwischen Israel und mehreren arabischen und muslimischen Ländern geführt, was jetzt Voraussetzung für das Gelingen im Krieg gegen das iranische Regime ist.
Alles richtig, nur belegt das noch nicht, dass dieser Krieg „qualitativ anders“ ist. Saddam Hussein etwa war noch viel schrecklicher als die Mullahs, und die Iraker waren überwiegend froh, ihn los zu sein. Dennoch war all das nicht der Grund für den Krieg, und am Ende haben die westlichen Interventionen seit 1992 schätzungsweise so viele Iraker das Leben gekostet wie das irre Terrorregime Husseins.
Röhl: Saddam Hussein war natürlich nicht schrecklicher als die Mullahs. Das islamistische Regime im Iran stellt zudem eine hinreichend dokumentierte Bedrohung für den gesamten Mittleren Osten dar, siehe zuletzt den Hamas-Angriff auf Israel 2023. Der Iran hat Terrororganisationen mit Auswirkungen auf die ganze Welt an der Hand. Die islamistische Infiltrierung des Westens – siehe der Anschlag in New York vor ein paar Tagen – ist auch der Basisstation Iran geschuldet.
„Der Krieg ist auch ein Schlag gegen Islamisten in Deutschland“
Ist Trump für Sie denn jetzt noch der Friedenspräsident oder nicht doch ein Kriegspräsident?
Röhl: Trump ist der kluge Geopolitiker der Zeit, der global denkt und weiß, welche Linien er zieht, um effizient zu sein, um Kriege nach Möglichkeit zu vermeiden. Aber dem Iran-Krieg weiterhin auszuweichen, nach allen gescheiterten Atomabkommen, vielen Sanktionen und nach jahrzehntelangen eskalierenden Drohungen des Iran, Israel auszulöschen und den Westen und die USA (den „Satan“) zu zerstören, hieße der Perfektionierung der iranischen Atombombe regelrecht Vorschub zu leisten. Wie gesagt, es ist sehr schwierig, das mörderische Regime im Iran, das seine eigene Bevölkerung als Feinde ansieht und bekämpft, von außen anzugreifen, aber wenn es je eine Aussicht darauf gegeben hat, dass dieser seit Jahrzehnten überfällige Schlag gegen Chamenei und sein Terrorregime überhaupt erfolgreich sein könnte, dann wahrscheinlich jetzt.
Es gibt viele Länder, die „Krieg gegen ihr eigenes Volk führen“, etwa unser zeitweilig zweitwichtigster Handelspartner China, Stichwort Uiguren. Wollen Sie nun einen globalen Krieg gegen sämtliche Diktaturen?
Röhl: Natürlich nicht. Hier geht es um den Iran, der ganz ausdrücklich gleichsam missionarisch global wirken will. Trumps Iran-Engagement ist gleichzeitig auch ein notwendiger Schlag gegen den weltweiten extremen Islamismus (mit Hitler alias Chamenei als Kopf der Krake), ein Schlag gegen Putin, der ja in die Enge getrieben werden muss in Hinblick auf den Ukrainekrieg, und gegen China, das in hohem Maße auf iranisches Öl zugreift. Und natürlich ist dies ein Schlag gegen die vom Iran militärisch und logistisch abhängigen und finanzierten Terrororganisationen Hamas in Palästina, Hisbollah im Libanon und die Huthi im Jemen, also mit Ausstrahlung auf den ganzen Mittleren Osten.
Und der Krieg ist selbstverständlich auch ein Schlag gegen Islamisten, die in Deutschland agieren, siehe etwa die Blaue Moschee in Hamburg, die bis zu ihrer behördlichen Schließung vor ganz kurzer Zeit fest in Mullah-Hand war. In wie vielen Städten Europas sitzen iranische, sogenannte Wohlfahrtsverbände, die die Islamisierung an Schulen, Kitas, Moscheen, in der Privatwirtschaft und in der Gesellschaft vorantreiben? All diese Aktivitäten werden jetzt durch den Schlag gegen das Mullah-Regime geschwächt.
Dafür reicht es, innenpolitisch durchzugreifen. Deshalb Krieg zu führen, ist doch nicht in unserem Interesse.
Röhl: Der innenpolitische Durchgriff versagt in Permanenz seit Jahrzehnten. Diese auch von SPD, Linke, AfD und BSW vertretene Ansicht, dieser Krieg ginge uns nichts an und sei zudem der böse, imperialistische, sinnlose Krieg eines durchgeknallten Präsidenten und des bösen Israels, ist fatal falsch und ist auch dämlich. In vielen linken und rechten Köpfen schwirren ganz ungute Reste antiamerikanischer und antiisraelischer Schwurbeleien herum. Hier verteidigt ein Präsident Trump tatsächlich einmal Demokratie und Freiheit. Von dem islamistischen Regime im Iran geht eine globale Bedrohung aus, die aktuell gerade bis New York reicht.
„Die Befreiung funktioniert ohne Eingreifen von außen nicht“
Ist Krieg nicht eine komplexe Sache, zu der man durchaus unterschiedlicher Meinung sein kann? Ist wirklich jeder, der zu einem anderen Schluss kommt, Antiamerikaner – und gilt dass dann auch für die Mehrheit der US-Bürger, die diesem Krieg nicht zustimmt?
Röhl: Übrigens ist der islamistische Kulturkampf etwa in England bereits in der heißen Phase. Der Schlag gegen das iranische Regime nützt dem ganzen Westen. Die Atomwaffenpläne des Chamenei-Regimes und dessen permanenter Druck, Israel und im Fernziel die USA und den Westen auszulöschen, beiseite zu wischen, wie es gern gemacht wird, war und ist Ausdruck der immer wieder zu beobachtenden, seltsamen, geradezu masochistischen Missachtung der Interessen des Westens und gefährliche Schönfärberei der iranischen Terror-Diktatur. Die Idee, der Kampf gegen ein terroristisches Regime im Iran gehe uns hier nichts an, und wir könnten einfach die Augen zumachen, auf unserem Acker leben und dann passiert schon nichts, ist eine krasse Verleugnung der Realität.
Zielen die Angriffe denn tatsächlich darauf, das iranische Volk zu befreien? Inzwischen hat die Trump-Regierung alle möglichen Kriegsziele ausgegeben, so dass massive Zweifel bestehen, dass es darum wirklich geht. Abgesehen davon, dass anders als 2003 im Irak gar keine ernsthaften Maßnahmen über einen Luftkrieg hinaus erkennbar sind, was dafür aber nötig wäre.
Röhl: Die Unterstellung, Trump wollte dem iranischen Volk gar nicht helfen, die Menschen seien ihm egal, es ginge ihm nur um „Machtpolitik“, sind abgestandene Behauptungen aus der hohlen Hand. Prima facie dessen, was Trump tut, verfolgt er viele Ziele gleichzeitig, und ein ganz wichtiges ist es, jetzt den Iranern zu helfen. Der Iran ist seit 47 Jahren eine islamistische Theokratie. Die Islamofaschisten haben das eigene Volk, die Iraner, die bis Ende der Schah-Zeit relativ frei und westlich orientiert lebten, seit 1979 systematisch in einem brutalen, islamistischen Kulturkampf unterworfen.
Die archaischen Machthaber fällen seit 47 Jahren menschenverachtende Todesurteile in Serie, oft gegen Menschen, die völlig frei von Schuld sind. Sie foltern diese Menschen regelmäßig mit Peitschenhieben und Vergewaltigungen zum Abschied aus deren Leben. Vor einigen Wochen haben sie das Internet im Iran ausgeschaltet und auf den Straßen willkürlich circa 40.000 Menschen, auch Kinder, in wenigen Tagen erschossen, um wieder einmal den Widerstand gegen das Regime zu brechen.
Dass im Iran eine blutige Diktatur herrscht, ist unbestritten. Aber das ist auch anderswo so, etwa im Sudan, wo die Opferzahl laut Schätzungen möglicherweise dreimal so hoch ist. Was ist das Besondere am Widerstand der Iraner und ihrem Ruf nach Freiheit?
Röhl: Generationen von Menschen sind im Iran immer wieder in den dunklen Tunnel des Islamismus getrieben worden, aber der wache freie Geist mit vielen Erinnerungen an das vergleichsweise freie westliche Leben, wie es vor 1979 herrschte, ist im iranischen Volk virulent, in den Familien, in der Gesellschaft. Das ist ein Wunder. Glaubt man der Iran-Expertin Natalie Amiri und vielen anderen Fachleuten im Iran, dann wollen 85 Prozent der Bevölkerung das islamistische Regime vehement loswerden.
Die Iraner haben Trump jetzt gerufen, einzugreifen, weil klar ist, dass die Befreiung ohne militärisches Eingreifen von außen nicht funktioniert. Damit haben diese 85 Prozent der Iraner, durch Tausende von Kanälen kommuniziert, Trump und Netanjahu regelrecht ein „Mandat“ gegeben, das islamistische Regime zu brechen. Es gibt im Iran ein unglaubliches Vertrauen in Amerika und Israel, dass diese die richtigen Ziele in Teheran treffen. Einzige Sorge der Iraner scheint zu sein, dass Trump und Netanjahu sich zu früh aus dem Iran zurückziehen könnten und dann doch die 15 Prozent der Nutznießer und Schergen des Regimes in den alten Strukturen wieder erstarken.
„Der Horror-Iran war ein teil der ‘regelbasierten Weltordnung’“
Chamenei und ein Teil der Führungsriege sind tot, zahlreiche militärische Einrichtungen des Iran zerstört. Wie soll es denn nun Ihrer Meinung nach weitergehen?
Röhl: Erstmal ist alles besser als das, was war. Die vom Westen faktisch seit 47 Jahren unterstützte Perpetuierung des Horrors im Iran ist keine Alternative. Die Frage ist jetzt in der Tat, wohin mit den durchkriminalisierten und von den Mullahs bewaffneten Schergen des Regimes. Wie kann jetzt der neue Führungskader unter dem nun etablierten neuen Führer Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten Ayatolla Chamenei, entmachtet werden? Diese Frage stellt sich objektiv. Eine Patentantwort gibt es nicht. Dieses Regime kämpft ja ähnlich wie die Hamas in Gaza auch damit, sich in Schulen, Krankenhäusern und Moscheen hinter menschlichen Schilden zu verstecken.
Das Regime hat de facto 47 Jahre lang Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung geführt, dann ist es jetzt unlauter, wenn jene, die dem zugeschaut haben, nun wohlfeil vor einem Bürgerkrieg warnen. Wichtig wäre jetzt, dass auch Europa hilft und auf der Stelle das Gesamtvermögen der Mullahs, insbesondere des neuen Führers Modschtaba Chamenei, enteignet und dabei auch Dubai, die finanzielle Drehscheibe vor Ort, in die Pflicht nimmt. Diese Vermögen werden nämlich sonst im Kampf gegen das iranische Volk und gegen alle erklärten Feinde des Landes eingesetzt.
Das heißt? Wie sehen Sie die Zukunft des Iran?
Röhl: Der größte Feind des iranischen Volkes ist die Besserwisser-Westlinke, die vor sechzig, siebzig Jahren massiv daran beteiligt war, den Schah, der den Iran modernisiert und in westliche Richtung geführt hat, maßlos zu verbösern und zu vertreiben und damit das Mullah-Regime unter Chomeini 1979 überhaupt erst zu ermöglichen. Es handelte sich damals um eine kommunistische, linke Massenhysterie auch im Westen gegen den Schah, der für seine sogenannte „Weiße Revolution“ – den Aufbau von Schulen, Unis, Kulturstätten, und für sein Engagement für die Gleichberechtigung der Frau, die Abschaffung des Kopftuchzwanges – gegen alle Faktizität verteufelt und verjagt wurde.
Sicher, der Schah war noch kein Musterdemokrat, aber er stand einer konstitutionellen Monarchie vor, die er auf den richtigen Weg bringen wollte. Der Sohn des Schahs, Reza Pahlawi, steht heute als Hoffnungsfigur auf dem politischen Schachbrett. Und wie es aussieht, wollen die Iraner, dass er beim Übergang zu einer Demokratie eine Rolle spielt.
Und Sie glauben ernstlich, dass sich Trump für die Iraner interessiert und diese nicht nur Figuren auf seinem „großen Schachbrett“ (Zbigniew Brzezinski) sind?
Röhl: Natürlich! Der Horror-Iran war, um es so zynisch zu sagen, wie es ist, Teil der „regelbasierten Weltordnung“, die im satten Establishment des Westens beschworen wird. Um etwas so Großes hinzukriegen wie einen Regime Change im Iran, der die ganze Welt von einer Bedrohung befreit, muss man eben größer denken – und das kann offenbar nur Trump. Er und Netanjahu haben in diesem Sinne bisher sehr umsichtig und effizient gehandelt.
Bettina Röhl, geboren 1962 in Hamburg, ist Journalistin und Autorin. Mit ihrem Mann und Mitautor Wolfgang Brümmer schrieb sie zwei Bücher zur Geschichte der deutschen Linken: „So macht Kommunismus Spaß. Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret“ (2006) und „Die RAF hat euch lieb. Die Bundesrepublik im Rausch von 68“ (2018), die auch die Ereignisse um den Schah-Besuch 1967 und weitere Gründungsmythen der 68er-Bewegung behandeln. Röhl interviewte 2006 den deutsch-iranischen Schriftsteller Bahman Nirumand, der eine wichtige Rolle beim Schah-Protest in Berlin spielte.






