BERLIN. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat angesichts stark gestiegener Öl- und Kraftstoffpreise infolge des Kriegs im Iran einen Teil seiner strategischen Ölreserve freigegeben. Zuvor hatten die Energieminister der G7-Staaten erklärt, gemeinsam mit der Internationalen Energieagentur (IEA) strategische Notfallreserven auf den Markt bringen zu wollen.
Nach Berichten von Reuters und dem Handelsblatt könnten insgesamt rund 400 Millionen Barrel Öl aus den Reserven der IEA-Mitgliedstaaten freigegeben werden. Deutschland könnte davon etwa 19,5 Millionen Barrel bereitstellen. Das entspräche rund einem Fünftel der nationalen Vorräte.
Größte Öl-Freigabe seit Beginn des Ukrainekriegs
Die geplante Freigabe wäre deutlich größer als bei der bislang umfangreichsten koordinierten Maßnahme der IEA. Zu Beginn des Ukrainekriegs im Jahr 2022 wurden rund 182 Millionen Barrel aus strategischen Reserven auf den Markt gebracht. Die nun diskutierte Menge von 400 Millionen Barrel entspräche etwa dem Volumen, das vor dem Krieg innerhalb von rund 20 Tagen durch die Straße von Hormus transportiert wurde.
Nach Zahlen der IEA verfügte Deutschland im November vergangenen Jahres über rund 34,42 Millionen Tonnen Ölreserven. Ein großer Teil davon ist Rohöl, das nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums vor allem in Norddeutschland gelagert wird. Vorräte an Diesel, Benzin, Heizöl und Kerosin sind dagegen über das Bundesgebiet verteilt.
Die strategischen Reserven sollen sicherstellen, dass im Krisenfall ausreichend Energie für Verkehr, Industrie und Haushalte verfügbar bleibt. Eine Freigabe kann zudem dazu beitragen, starke Preisanstiege auf den Energiemärkten abzufedern.
Reiche begrenzt Preissprünge bei Sprit
Hintergrund sind Störungen im internationalen Ölhandel infolge der militärischen Auseinandersetzung mit dem Iran. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die Straße von Hormus ist stark beeinträchtigt. Berichte über mögliche vom Iran verlegte Seeminen verstärkten zuletzt die Unsicherheit auf den Energiemärkten.
In Deutschland sind die Kraftstoffpreise seit Beginn der Krise deutlich gestiegen (JF berichtete). Die Bundesregierung prüft deshalb zusätzliche Maßnahmen zur Begrenzung starker Preisschwankungen. Reiche sagte, man orientiere sich dabei am österreichischen Modell. Tankstellen dürfen ihre Preise nun nur noch einmal täglich erhöhen, während Preissenkungen jederzeit möglich bleiben.
Am Abend wollen die Spitzen der schwarz-roten Koalition über mögliche Entlastungsmaßnahmen beraten. (sv)







