MÜNCHEN. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hatte 2025 noch dafür gesorgt, daß der iranische Kronprinz Reza Pahlavi von der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) unter dem glücklosen Leiter Christoph Heusgen ausgeladen wurde. Tausend aufgebrachte Anhänger marschierten damals die Sonnenstraße entlang, manche belagerten den Bayerischen Hof, um Gehör für ihren Anführer zu fordern.
Aus diesem Anlaß organisierte sich der Unterstützerkreis „The Munich Circle“ und veranstaltete im Juli in München einen Kongreß unter der Schirmherrschaft des Schah-Sohnes, zu dem etwa 500 Vertreter verschiedener Oppositionsgruppen zusammenkamen, um sich gemeinsam für einen Regimewechsel im Iran einzusetzen. Zum ersten Mal waren alle iranischen Oppositionsgruppen vereint – bis auf die kommunistischen Volksmudschahedin MEK, die 1979 noch an der Seite der Mullahs gekämpft hatten, bis die Islamisten sich gegen sie wandten.
Pahlavi hat einen detaillierten Übergangsplan zur Demokratie entwickelt: Die territoriale Einheit des Iran muß gewahrt bleiben, individuelle Freiheitsrechte sowie die Trennung von Staat und Kirche sollen genauso geschaffen werden wie das Recht des iranischen Volkes, über eine demokratische Verfassung abzustimmen. Auf diese vier Prinzipien konnten sich in München im vergangenen Jahr die Oppositionsgruppen einigen.
„Pahlavi kehrt zurück“
Im Herbst begann dann US-Finanzminister Scott Bessent mit Wirtschafts- und Währungssanktionen, die im Dezember zum Kollaps mehrerer iranischer Banken führten, ehe die Marktleute in Teheran Ende 2025 zu protestieren begannen. Binnen weniger Tage breiteten sich die Proteste auf 180 Orte im ganzen Land aus. Etwa fünf Millionen Menschen gingen auf die Straße.
„Javid Schah“ (Lang lebe der König) und „Dies ist die letzte Schlacht, Pahlavi kehrt zurück“ wurden ihre Schlachtrufe, bis die Mullahs ihre Terrormilizen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan von der Kette ließen. Innerhalb von nur drei Tagen im Januar wurden nach Angaben von Iran International mindestens 36.500 Menschen getötet und mehr als 300.000 verletzt. Manche Oppositionelle sprechen von 100.000 Toten.

Nun haben sich die Proteste hauptsächlich ins Ausland verlagert, während US-Präsident Donald Trump eine „riesige Armada“ in den Nahen Osten in Gang gesetzt hat, aber den Verhandlungsweg noch nicht aufgegeben hat. Nach dem kurzen Intermezzo mit Heusgen und der Brandrede von US-Vizepräsident JD Vance im vergangenen Jahr lud MSC-Chef Wolfgang Ischinger dieses Jahr nicht nur die AfD, sondern auch den Kronprinzen Pahlavi zur Sicherheitskonferenz ein, der routiniert die immergleichen linken Anwürfe von Moderatorin und CNN-Journalistin Christiane Amanpour konterte. Pahlavi sei nicht etwa die unumstrittene Führungsfigur der Opposition, behauptete sie, für die Tausende ihr Leben gaben, sondern „umstritten“ und „eine Randfigur“.
Linkes Narrativ begraben
Dieses Narrativ dürfte jetzt begraben sein: Am Sonnabend riefen die Pahlavi-Unterstützer zu einem „Aktionstag für den Iran“ auf, bei dem weltweit mehr als eine Million Menschen demonstrierten. In Los Angeles waren es 350.000, in Toronto 570.000 und in München 250.000, wo der Kronprinz auftrat (die JF berichtete).
Bereits in der Münchner U-Bahn begannen die Gesänge von „Javid Schah“, aber alles lief freundlich, ordentlich und diszipliniert ab. Familien mit Kinderwagen und Menschen im Rollstuhl hatten trotz der Menschenmenge keine Probleme.

Eine riesige Fahne mit dem Sonne-und-Löwen-Emblem der Schah-Ära wurde zwischen zwei Baukräne gehißt. Nach dem Singen der vorrevolutionären Hymne „Ey Iran“ stimmten die iranischen Patrioten die deutsche Nationalhymne an. Im nach etwa zwei Stunden einsetzenden Eisregen warteten die Menschen, um den Kronprinzen zu hören. Und beim Gehen beschenkten die Teilnehmer die anwesenden Polizisten mit Rosen und skandierten auf dem U-Bahnhof „Danke, Polizei“.
Auch deutsche Fahnen
Zu den Rednern zählten der deutsche Publizist Michel Friedman, der CDU-Bundestagsabgeordnete Reza Asghari, der Hamburger SPD-Abgeordnete Danial Ilkhanipour, der US-Senator Lindsey Graham, der belgische Verteidigungsminister Theo Francken, der schwedische Abgeordnete Magnus Berntsson und aus Israel das Journalistenehepaar Emily Schrader und Yoseph Haddad.
Iranische Gaststars waren die Schachmeisterin Mitra Hejazipour, die vom iranischen Schachteam suspendiert wurde, weil sie ohne Kopftuch auftrat, das Model Farnoush Hamidian, die Rapper Hichkas, Shahin Najafi und Hamed Fard und der Superstar-Sänger Ebi.
Neben iranischen waren auch deutsche, israelische und amerikanischen Fahnen zu sehen. Viele Demonstranten richtete Appelle an US-Präsident Donald Trump, der während der Proteste Hilfe versprochen hatte. Senator Graham wiederholte das Versprechen Donald Trumps an die Iraner: „Help is on the way!“ (Hilfe ist unterwegs.) Und der belgische Verteidigungsminister Francken wiederholte Trumps berühmte Worte nach dem überlebten Attentat in Butler, Pennsylvania: „Fight! Fight! Fight!“
Linke protestieren gegen Schah-Sohn
Bei seiner Rede sagte Kronprinz Pahlavi mit Ehefrau Yasmine an seiner Seite: „Ich bin hier, um den Übergang zu einer säkularen, demokratischen Zukunft zu garantieren. Ich werde für euch der Übergangsführer sein, damit wir eines Tages die Gelegenheit haben, die Zukunft unseres Landes durch demokratische, transparente Wahlen zu entscheiden. Danke für eure Solidarität, und laßt uns dafür sorgen, daß die freien Nationen dieser Welt diesmal auf der richtigen Seite der Geschichte stehen.“
Deutsche Linke, die seit Ulrike Meinhofs „Offenen Brief an Farah Diba“ 1967 mit der Islamischen Revolution sympathisieren und den Schah verteufeln, zogen die offiziellen Besucherzahlen der Münchner Polizei in Zweifel, die Frankfurter Rundschau zitierte die Kommunisten der MEK: Die Einladung für Pahlavi zur Sicherheitskonferenz sei ein „Schlag ins Gesicht der Freiheitsbewegung“. Die MEK-Anhänger demonstrierten mit wenigen tausend Menschen am Freitag am Odeonsplatz.





