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Komiker Marek Fis im Porträt: Wenn ein Migrant den deutschen Kulturbetrieb aufmischt

Komiker Marek Fis im Porträt: Wenn ein Migrant den deutschen Kulturbetrieb aufmischt

Komiker Marek Fis im Porträt: Wenn ein Migrant den deutschen Kulturbetrieb aufmischt

Das Bild zeigt den Komiker Marek Fis. Er hat Schwierigkeiten im Kulturbetrieb, seit er sich bekannt hat, die AfD zu wählen.
Das Bild zeigt den Komiker Marek Fis. Er hat Schwierigkeiten im Kulturbetrieb, seit er sich bekannt hat, die AfD zu wählen.
Der Komiker Marek Fis: Nicht vorm Kulturbetrieb kuschen. Foto: picture alliance / rtn – radio tele nord | rtn, ulrike blitzner
Komiker Marek Fis im Porträt
 

Wenn ein Migrant den deutschen Kulturbetrieb aufmischt

Der Komiker Marek Fis war etabliert im Kulturbetrieb: Auftritte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und ein Vertrag bei einer etablierten Produktionsfirma. Seit seinem AfD-Bekenntnis schlägt ihm Widerstand entgegen.
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Wojciech Oleszczak will dem ersten Deutschen, der seinen Namen fehlerfrei ausspricht, 500 Euro zahlen – bisher hat er sein Geld noch. Falsch ausgesprochen hört er diesen nun, seit er nach dem frühen Unfalltod seines Vaters als Vierjähriger aus dem hinterpommerschen Stolp in die Bundesrepublik kam – zuerst in die niederrheinische Provinz, dann nach Berlin. Das war nicht einfach, denn die polnische Qualifikation der Mutter als Agrar-Ingenieurin wurde hier nicht anerkannt. So mußte sie ihre beiden Söhne als alleinerziehende Altenpflegerin durchbringen.

Deutsch lernte Klein-Wojciech vom Fernseher, er machte Abitur und entdeckte sein komödiantisches Talent. So wurde auf kleinen Club-Bühnen die Kunstfigur Marek Fis geboren – „Fis wie ‘fies’“, wie er betont: In der Rolle als Polen-Proll in schlabbriger Jogginghose spreizte er sämtliche deutsch-polnischen Klischees bis über die Schmerzgrenze: „Endlich sieht man auch mal die Gesichter zu den Autos“, begrüßte er etwa sein deutsches Publikum. Mit derben Späßen als polnischer Handwerker, Hooligan, Autoknacker oder Einbrecher überfuhr er genüßlich sämtliche roten Ampeln politischer Korrektheit: „Schön, daß Sie heute meine Gäste sind – wenn ich bei Ihnen ‘zu Gast’ bin, sind Sie nie zu Hause …“ – das Publikum liebte es. Zum Markenzeichen wurde sein rotes T-Shirt mit der Aufschrift „Ostblock-Latino“ („Das Ruhrgebiet ist das Mallorca Polens!“).

„Bei Brainpool mußte man die Schnauze halten“

Es folgte der typische Komiker-Werdegang mit den üblichen Stationen: WDR-„Nightwash“, „Quatsch Comedy Club“, „TV Total“ etc. Bei der Kölner Produktionsfirma Brainpool, einer der bedeutendsten Comedy-Schmieden Deutschlands, unterschrieb „Marek“ einen Vertrag. Doch der ebnete ihm nicht nur den Weg in größere Fernsehshows, sondern definierte auch die politischen Leitplanken des öffentlich Sagbaren: „Bei Brainpool mußte man die Schnauze halten“, offenbart Fis heute. Er sah sich eingeengt und begann depressiv zu trinken, und nach einer erfolgreichen Suchttherapie wurde aus Marek wieder Wojciech. Seitdem bemüht er sich um ernsthafte Schauspielrollen, war etwa in den Heimatkrimis „Kaiserschmarrndrama“ (2021) und „Guglhupfgeschwader“ (2022) von Regisseur Ed Herzog auf der Kinoleinwand zu sehen.

So hätte es weitergehen und man die Karriere eines sympathischen, nun gereiften jungen Mannes beobachten können. Doch daraus wird wohl nichts: Denn Oleszczak bekannte in einem Interview mit der Influencerin „eingollan“, die blaue Schwefelpartei zu wählen, denn er finde die AfD gut und die wachsende Einschränkung der Meinungsfreiheit in Deutschland schlimm. Damit hat er die Brücken zum Kulturbetrieb in die Luft gesprengt. Wer nicht mindestens Dieter Nuhr heißt, kann sich Schienbeintritte gegen das linke Establishment nicht ungestraft leisten. Da hilft es auch nicht, wenn er darauf hinweist, daß viele seiner ausländischen Freunde inzwischen AfD-Wähler sind.

Erste Folgen bekommt Oleszczak schon zu spüren: Er flog aus Chatgruppen, habe Freunde verloren und Streit in der Familie. Seine Fans sind gespalten, wie sich an den Kommentaren ablesen läßt: die Hälfte ist von seiner AfD-Affinität entsetzt, die Hälfte begeistert. Doch der 41jährige mit dem robusten Humor nimmt es gelassen: „Mir scheißegal, was die Leute darüber denken – ich fühle mich jetzt frei!“

Aus der JF-Ausgabe 3/26.

Der Komiker Marek Fis: Nicht vorm Kulturbetrieb kuschen. Foto: picture alliance / rtn – radio tele nord | rtn, ulrike blitzner
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