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JF-Serie „Tierpark der Wehrmacht“: Jagdpanzer „Elefant“ – Verteidigung ist besser als Angriff

JF-Serie „Tierpark der Wehrmacht“: Jagdpanzer „Elefant“ – Verteidigung ist besser als Angriff

JF-Serie „Tierpark der Wehrmacht“: Jagdpanzer „Elefant“ – Verteidigung ist besser als Angriff

Trotz seiner schweren Panzerung war der "Elefant/Ferdinand" nicht unzerstörbar Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
Trotz seiner schweren Panzerung war der "Elefant/Ferdinand" nicht unzerstörbar Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
Trotz seiner schweren Panzerung war der „Elefant/Ferdinand“ nicht unzerstörbar Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
JF-Serie „Tierpark der Wehrmacht“
 

Jagdpanzer „Elefant“ – Verteidigung ist besser als Angriff

Im Kampf kommt es auch auf die richtige Tarnung im Gelände an. Das gilt auch für Panzer. So haben Kampfwagen mit niedriger Silhouette einen Vorteil, können sich leichter verbergen und dem Feind auflauern. Im Zweiten Weltkrieg setzte die Wehrmacht spezielle Panzerjäger ein. Ein Fahrzeug dieser Kategorie, das „Nashorn“, hatte das Manko, wegen einer Höhe von 2,94 Metern leicht ausgemacht zu werden. Aufgrund seiner geringen Panzerung mußte es direkte Feuerduelle mit Feindpanzern meiden und möglichst mit dem ersten Schuß erfolgreich sein.

Demgegenüber setzte der schwere Jagdpanzer „Elefant/Ferdinand“ auf eine überlegene Panzerung von 80 bis 200 Millimetern. Ausgestattet mit einer modifizierten Flak 8,8cm vereinte er Feuerkraft mit Schutz für die Besatzung. So mußte er keine Auseinandersetzung mit den Panzern der Alliierten scheuen.

Bevor das 65 Tonnen schwere Ungetüm passend den Namen des Dickhäuters bekam, trug es als Zeichen der Wertschätzung für seinen Schöpfer den Vornamen des Ingenieurs Ferdinand Porsche. Dieser entwickelte den Panzerjäger, nachdem er bei der Konstruktion des „Tigers“ das Nachsehen gegenüber dem Konkurrenten Henschel hatte. Es sah zunächst aus, als bliebe Porsche auf 91 Fahrgestellen für seinen „Tiger“-Entwurf sitzen.

Kursk war die Feuertaufe für den „Elefant“

Anfang 1943 verwendete er sie für den von ihm konzipierten Panzerjäger. Auf die Chassis setzte er die weiterentwickelte 8,8cm Panzerabwehrkanone 1943 mit der Kaliberlänge 71. Der besondere Clou der Maschine war sein benzinelektrischer Antrieb. So lieferten Generatoren, die ihrerseits von zwei Ottomotoren angetrieben wurden, Strom für die Elektromotoren. Das Konzept ging auf eine Idee Porsches aus dem Jahr 1901 zurück. Bis zum Mai 1943 verließen die 90 zunächst „Ferdinand“ getauften Jagdpanzer das Nibelungenwerk im österreichischen St. Valentin.

Wie auch der „Panther“ und andere neue Waffensysteme sollten sie auch im Sommer 1943 bei der Schlacht im Kursker Bogen der Ostfront ihre Feuertaufe erleben. Sie wurden jeweils zur Hälfte auf die schweren Panzerjäger-Abteilungen 653 und 654 aufgeteilt. Mit großen Erwartungen beladen, geriet der erste Einsatz jedoch zum Debakel. Das lag daran, daß der „Ferdinand/Elefant“ von seiner ganzen Ausrichtung eher eine Defensivwaffe war.

Für Angriffe war er mit gerade einmal 10 km/h im Gelände und einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h auf der Straße schlicht zu langsam. Wegen seines hohen Gewichts war er auch nur bedingt geländegängig. Hinzu kamen die üblichen Kinderkrankheiten von Neuentwicklungen. So waren nach vier Tagen schon die Hälfte der „Ferdinands“ wegen technischer Probleme ausgefallen.

Nach Kursk folgte die Nachrüstung für den „Elefant“

Außerdem rächte sich nun, daß dem „Ferdinand“ kein Maschinengewehr zur Abwehr feindlicher Infanterie zur Verfügung stand. Gegen verstreute Soldaten, die dem Koloß zu Leibe rückten, war die Kanone ungeeignet. Die Sowjets wählten im Gefecht die Taktik, den deutschen Jagdpanzer durch Artilleriefeuer von der eigenen Infanterie oder Begleitfahrzeugen zu isolieren. Die einsam über das Schlachtfeld kriechenden Gefährte schalteten Sowjetsoldaten dann mit Minen, Sprengladungen oder Molotov Cocktails aus.

Wenn die schweren Panzerjäger fehlten, mußte die Infanterie ran Foto: picture-alliance / dpa | Göttert
Wenn die schweren Panzerjäger fehlten, mußte die Infanterie ran Foto: picture-alliance / dpa | Göttert

In der Defensive war der Gefechswert des „Ferdinand/Elefant“ allerdings sehr hoch. Bei Kursk zerstörte ein einzelner an einem Vormittag 22 Feindpanzer. Durch seine überlegene Kanone konnte er beispielsweise die russischen T-34 schon auf 3.500 Metern effektiv bekämpfen. Die Bilanz der Panzerjäger-Abteilung 654 liest sich ungeachtet der technischen Probleme eindrucksvoll. Bis zum 27. Juli 1943 verzeichnete sie bei 13 eigenen Verlusten insgesamt 320 Abschüsse. Zusammen mit der Abteilung 653 fielen ihnen über 500 sowjetische Panzer, 20 Panzerabwehrkanonen und rund 100 Geschütze zum Opfer.

Die Erkenntnisse aus der Schlacht von Kursk führten in der Folge dazu, daß 48 der verbliebenen 50 „Ferdinand“ nachgerüstet wurden. Neben einem verstärkten Panzerschutz bekamen sie mit dem MG34 auch die notwendige Waffe gegen Fußsoldaten. Die so überarbeiteten Exemplare firmierten fortan unter dem Namen „Elefant“.

Mit dem „Elefant“ verfügte die Wehrmacht neben „Tiger“ und „Panther“ über den nächsten überlegenen Panzer, der im direkten Duell jeden Feindpanzer schlug. In der Forschung verweisen Stimmen jedoch darauf, daß mit dem Konzept zur Entwicklung solcher „Super-Panzer“ die deutsche Rüstungsindustrie den Krieg im Sommer 1942 verloren habe. Denn die Sowjets setzten mit ihren T-34 beispielsweise auf die schiere Masse, mit der sie schließlich die deutschen Frontlinien überrollten.

Für Sowjets waren Panzer Vernutzungseinheiten

Dem ist jedoch entgegenzuhalten, daß es sich die Sowjetunion mit seiner ungleich größeren Bevölkerung leisten konnte, seine Panzer als simple Vernutzungseinheiten zu konzipieren. Es mangelte ihr – im Gegensatz zum Deutschen Reich – auch nicht an der Ressource Mensch, um die horrenden Verluste auszugleichen. Die deutsche Luftwaffe hatte beispielsweise schon während der Luftschlacht um England 1940 feststellen müssen, daß ihr schnell die gut ausgebildeten Flieger ausgingen.

So gesehen war es gewissermaßen auch dem Mangel an geeigneten Panzerbesatzungen geschuldet, diese durch dickere Stahlplatten besser zu schützen und sie nicht zu verheizen. Mit Blick auf das Repertoire der deutschen Panzerwaffe wäre es ein Kompromiß gewesen, den Schwerpunkt der Produktion auf den Panzer IV zu legen, der bis Kriegsende das Rückgrat der Panzertruppe war.

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Weitere Teile der JF-Serie „Tierpark der Wehrmacht“:

Der Triumphzug des „Tigers“ startete holprig

Der „Panther“ sprang zu früh aufs Schlachtfeld

Panzerjäger „Nashorn“: Wirkung vor Deckung

Trotz seiner schweren Panzerung war der „Elefant/Ferdinand“ nicht unzerstörbar Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
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