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JF-Serie „Tierpark der Wehrmacht“: Der Triumphzug des „Tigers“ startete holprig

JF-Serie „Tierpark der Wehrmacht“: Der Triumphzug des „Tigers“ startete holprig

JF-Serie „Tierpark der Wehrmacht“: Der Triumphzug des „Tigers“ startete holprig

Ein "Tiger"-Panzer zieht als Teil einer Kolonne 1944 durch die ukrainische Steppe Foto: picture alliance / Photo12/Collection Bernard Croch | -
Ein "Tiger"-Panzer zieht als Teil einer Kolonne 1944 durch die ukrainische Steppe Foto: picture alliance / Photo12/Collection Bernard Croch | -
Ein „Tiger“-Panzer zieht als Teil einer Kolonne 1944 durch die ukrainische Steppe Foto: picture alliance / Photo12/Collection Bernard Croch | –
JF-Serie „Tierpark der Wehrmacht“
 

Der Triumphzug des „Tigers“ startete holprig

Als Rheinmetall im Juni seinen neuen Panzer mit dem Namen „Panther“ vorstellte, dachten nicht nur militärhistorisch Interessierte automatisch an den gleichnamigen Kampfwagen des Zweiten Weltkriegs. Überraschenderweise hielten sich selbst die üblichen Verdächtigen aus der Politik mit empörten Reaktionen auf diese Namensdopplung in der Rüstungsindustrie zurück. Dabei haben Tiernamen in der deutschen Militärgeschichte Tradition. Die JF stellt das Kriegsgerät mit zoologischen Namenspatronen der Wehrmacht vor.

Wenn einem Kriegsgerät Spielfilme gewidmet werden und seine Leistungsfähigkeit bis heute für Diskussionen unter Fans der Militärgeschichte sorgt, muß es sich um ein besonderes Stück handeln. Um den deutschen Panzerwagen VI, umgangssprachlich als „Tiger“ bekannt, ranken sich bis heute Legenden bezüglich seines Kampfwertes für die Wehrmacht. Wie beispielsweise der Film „White Tiger“ (2013) zeigt, hat er bis in die Popkultur des 21. Jahrhunderts ein robustes Nachleben entwickelt. Dabei war sein erster Einsatz am 29. August 1942 alles andere als vielversprechend.

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Auf Drängen Hitlers kam der mit höchsten Erwartungen verknüpfte angebliche Superpanzer bei der Heeresgruppe Nord an der Ostfront nahe des von deutschen Truppen belagerten Leningrad zu seinem Frontdebüt. Dabei rächte sich die übereilte Verlegung auf den Kampfplatz: Drei der vier „Tiger“ fielen mit technischen Defekten aus. Wenige Tage später blieben gleich alle Exemplare liegen – ein Panzer mußte von den eigenen Soldaten gesprengt werden, damit er nicht dem Feind in die Hände fiel. Somit war das Überraschungsmoment des „Tigers“ verpufft.

Henschel erhielt den „Tiger“-Auftrag

Doch diese technischen Kinderkrankheiten, die bei derartigen Rüstungsprojekten dazugehören, sollten nicht den Blick darauf vernebeln, um was es sich handelte. Denn der „Tiger“ gilt bis heute als „der deutsche Panzer schlechthin“, wie der Direktor des Panzermuseums Munster, Ralf Raths, feststellte. Seine markante Form und die 8,8cm-Kanone gaben ihm nicht nur sein unverkennbares Aussehen, sondern begründeten auch seine Stärke.

Bis die Stahlungetüme mit einem Gewicht von 57 Tonnen aus den Fabriken rollten, war es zu einem Wettlauf zwischen den Waffenschmieden Porsche und Henschel um den Auftrag gekommen. Beide bewarben sich bei Hitler darum, den neuen Panzer bauen zu dürfen. Doch wegen anhaltender technischer Probleme erhielt schließlich das vorgestellte Henschel-Modell von der von Rüstungsminister Albert Speer eingerichteten „Tiger-Kommission“ 1942 den Zuschlag.

Das Ergebnis war ein Kampfwagen mit einer Breite von 3,7 Metern, einer Länge von 8,45 Metern und einer Höhe von drei Metern. Angetrieben wurde er von einem Maybach-Motor mit 700 PS. Eine technische Revolution war die erstmals verwendete Steuerung mit einem Lenkrad. Nach dem Krieg schwärmte der ehemalige „Tiger“-Kommandant Otto Carius in einem Interview: „Sie konnten das ganze Gerät, das 57 Tonnen wog, mit einem Finger lenken. Der ‘Tiger’ ließ sich leichter lenken als ein LKW.“

8,8cm-Kanone war die Stärke des „Tiger“

Durch eine Panzerung von bis zu 110 Millimetern bot der Wagen der Besatzung aus fünf Mann einen guten Schutz gegen Feindbeschuß. Auf der Straße konnte er eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h erreichen und im Gelände immerhin noch 20 km/h. Zur Verteidigung gegen Infanterie verfügte der „Tiger“ über zwei MG34 am Turm und im Bug.

Aber was Freund und Feind beeindruckte, war die Hauptbewaffnung, zu der die umgebaute 8,8cm-Flak wurde. Die eigentlich zum Kampf gegen Flieger vorgesehene Kanone hatte sich bereits als stationäres Geschütz bei der Panzerabwehr hervorgetan. Also setzen sie deutsche Ingenieure auf das Panzer-Fahrgestell.

In Verbindung mit der hochpräzisen Zieloptik gelang den Besatzungen beim ersten Schuß auf 1.000 Meter bei 93 Prozent ein Treffer. Doch die zerstörerische Wirkung entfaltete sich gegen den russischen T-34 schon auf 2.000 Meter. Im Gegenzug gelang es dem russischen Standardpanzer erst bei rund 100 Metern, die Panzerung des Tigers zu durchdringen.

Komplexe Technik war Hauptmanko

Bei ihrem Einsatz zu Jahresbeginn 1943 während der zweiten Ladoga-Schlacht an der Ostfront konnten die stählernen „Raubkatzen“ ihr Potential nun entfalten. Bei nur sechs eigenen Verlusten, wovon nur drei durch Feindeinwirkungen waren, gelangen ihnen bis März 160 Abschüsse. Damit war ihr enttäuschendes Debüt vergessen gemacht.

Generaloberst Heinz Guderian (oben Mitte) bei einem Besuch der Waffen-SS im Kampfgebiet Charkow 1943 auf einem "Tiger"-Panzer Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
Generaloberst Heinz Guderian (oben Mitte) bei einem Besuch der Waffen-SS im Kampfgebiet Charkow 1943 auf einem „Tiger“-Panzer Foto: picture alliance / akg-images | akg-images

Im Sommer 1943 erfolgte bei der Schlacht im Kursker Bogen der erste Großeinsatz mit insgesamt 152 „Tigern“, der ihren Ruf als „Wunderwaffe“ festigte. Auch auf den übrigen Kriegsschauplätzen bewährte sich der Panzer VI bis Kriegsende.

Doch die insgesamt 1.350 von Henschel produzierten „Tiger“ litten bis zum Schluß unter technischen Problemen, was nicht zuletzt an ihrer komplexen Technik lag. Zwar konnten Probleme mit dem Schaltgetriebe und Lecks im Kühlwasserkreislauf behoben werden, aber das Fahrzeug blieb störanfällig und war höchst wartungsintensiv. Für sein Gewicht war der Panzer VI zudem untermotorisiert, was immer wieder zu Ausfällen führte.

„Tiger“ wurde Opfer des eigenen Mythos

Liegengebliebene „Tiger“ stellten die deutschen Einheiten zudem vor Probleme, da es häufig an geeigneten Bergefahrzeugen mangelte. Beim eigenen Vormarsch konnten die Panzer zwar noch mit großem Aufwand gesichert und wieder flott gemacht werden. Bei Rückzugsgefechten blieb jedoch oft nur die Selbstzerstörung, um sie dem feindlichen Zugriff zu entziehen.

An den Fronten wurden die „Tiger“ häufig als Frontfeuerwehr eingesetzt und den örtlichen Kommandeuren nur vorübergehend unterstellt. Dabei wurden die Panzer VI gewissermaßen Opfer ihres eigenen Mythos. Denn aufgrund ihrer herausgehobenen Stellung in der deutschen Propaganda setzte man oftmals unrealistische Erwartungen in sie.

Auf der anderen Seite wirkte der Kult um den „Tiger“ auch bei den Alliierten. So glaubten US-amerikanische Truppen nach der Landung in der Normandie 1944 überall auf den Panzer VI zu treffen und wichen vor dem direkten Kampf zurück. Doch oftmals handelte es sich um Verwechslungen mit dem deutschen Panzer IV, der eine ähnliche Silhouette hatte wie sein berühmter Vetter.

„Tiger“ ist der Promi des Zweiten Weltkriegs

In der Forschung und unter militärhistorischen Laien löst die Bewertung des „Tigers“ bis heute Kontroversen aus. Einigen gilt er als Gipfel deutscher Wehrtechnik, andere weisen unerschütterlich auf die technischen Mängel und die hohen Herstellungskosten von rund 800.000 Reichsmark pro Exemplar hin. So ist das Argument, eine bevorzugte Konzentration auf weniger kostspieligere, technisch simplere und leichtere Panzer wäre sinnvoller gewesen, nicht von der Hand zu weisen.

Ungeachtet dessen gilt der „Tiger“ als einer der stärksten Kampfpanzer des Zweiten Weltkriegs. Berücksichtigt man sein Nachleben auch 80 Jahre nach seinem ersten Einsatz, kann man ihn wohl zu Recht als berühmtesten bezeichnen.

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Der „Panther“ sprang zu früh aufs Schlachtfeld

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