ROSTOCK. Die Preise für Bauland in Deutschland sind in den vergangenen zehn Jahren drastisch gestiegen. Am deutlichsten war der Anstieg in Rostock zu spüren, wo sich der Grundstückspreis in einer mittleren Lage zwischen 2015 und 2024 mehr als verneunfacht hat. Demnach stieg dort der Baulandpreis für Mehrfamilienhäuser von 60 Euro auf 543 Euro pro Quadratmeter, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der wohnungspolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Caren Lay, hervorgeht, über die das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ zuerst berichtete.

Neben Rostock als Spitzenreiter legten die Preise auch in anderen kreisfreien Städten enorm zu. Auf Platz zwei landete Darmstadt mit einem Preisanstieg von 450 Euro auf 1.200 Euro pro Quadratmeter (plus 167 Prozent), auf Platz drei Hamm mit einer Verteuerung von 135 Euro auf 350 Euro (plus 159 Prozent). Selbst in Städten wie Frankfurt mit einem im Jahr 2015 bereits hohen Grundstückspreis in Höhe von 805 Euro mussten Käufer 2024 mit 1.900 Euro weit mehr als das Doppelte bezahlen.
Weitere Städte mit starken Preissteigerungen, die das zuständige Bundesbauministerium nannte, sind Brandenburg an der Havel, Freiburg, Berlin, Erlangen, Rosenheim, Emden und Kaufbeuren.
Gestiegene Grundstückspreise auch bei Eigenheimen – Linkspartei fordert Preisdeckel
Auch bei Bauland für Eigenheime zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier führt erneut Darmstadt die Rangliste an (plus 167 Prozent), gefolgt von Fürth (plus 160 Prozent) und Chemnitz (plus 155 Prozent). Die Linken-Abgeordnete Lay bezeichnete die Entwicklung gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ als „Explosion der Bodenpreise“ und nannte sie „unsozial und gefährlich“. Wer viel Grund und Boden besitze, werde durch bloßes Abwarten reicher, kritisierte sie. Lays Lösungsvorschlag sieht das Wiener Modell vor, um Spekulation mit Bauland einen Riegel vorzuschieben. Dabei könnten Kommunen Grundstückspreise für den sozialen Wohnungsbau deckeln.

Trotz Milliardenhilfen durch die ehemalige Ampel-Regierung war der Wohnungsbau zuletzt eingebrochen (JF berichtete). Gleichzeitig lagen die Genehmigungen für neue Bauten 2024 mit weniger als 216.000 Wohnungen auf dem niedrigsten Stand seit 2010. Gleiches galt für den Bau von Nichtwohngebäuden wie Fabriken, Lagerhallen, Bürogebäuden oder landwirtschaftlichen Betrieben. Hier nahm die Bauaktivität im selben Jahr um 2,9 Prozent ab und lag mit 193 Millionen Kubikmeter auf dem niedrigsten Wert seit 2014 (JF berichtete).
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung stuft die Baulandpreise als „zentralen Faktor“ bei der Schaffung neuen Wohnraums ein. Hohe Preise erschwerten demzufolge nicht nur den Bau von Miet- und Eigentumswohnungen, sondern belasteten auch die gesamte Baubranche. Das Land Berlin hatte jedoch bereits im November vergangenen Jahres angekündigt, 8.600 weitere Wohneinheiten schaffen zu wollen – allerdings nur für Asylbewerber und Ukrainer (JF berichtete). (rsz)


