Handelsstreit

US-Botschafter schlägt Autobauern Zollfreiheit vor

BERLIN. US-Botschafter Richard Grenell hat den Chefs der deutschen Autobauer VW, Daimler und BMW am Mittwochabend eine Lösung im Streit um Autozölle unterbreitet. Er sei vom US-Präsidenten Donald Trump beauftragt worden, eine Null-Lösung des Handelskonflikts anzubieten, berichtet das Handelsblatt.

Sowohl Europa als auch die USA würden vollständig auf Einfuhrzölle auf Autos verzichten. Die Handelsabgaben betragen derzeit zehn Prozent für die Einfuhr nach Europa. 2,5 Prozent Zoll verlangen amerikanische Behörden.

Zollfreiheit für Landwirtschaftsprodukte

Die geladenen Automobilchefs Dieter Zetsche (Daimler), Harald Krüger (BMW) und Herbert Diess (VW) waren dem Bericht zufolge ebenso erstaunt über den Vorschlag, wie der Chef des Automobilzulieferers Elmar Degenhart. BMW hatte zuvor berechnet deutsche Autokonzerne würden eine Milliarde Dollar einsparen, wenn die Handelsabgaben wegfielen.

Eine solche Einigung müßte nach den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) allerdings ein Industriezollabkommen nach sich ziehen, das weitere Produkte wie Aluminium und Stahl einbezieht.

Trump war vor einer Woche aber auf Distanz zur WTO gegangen. Er verstehe nicht, wieso die USA noch Mitglied seien. Er fühle sich schlecht behandelt, sagte er laut amerikanischen Medienberichten. Im Gegenzug für die Öffnung des amerikanischen Marktes für europäische Autos verlangte Trump von der europäischen Union, die Zölle auf US-Landwirtschaftsprodukte zu senken.

Bundesregierung bereit nachzugeben

Ein Industriezollabkommen hatten Staats- und Regierungschefs der EU dem US-Präsidenten bereits im Mai angeboten. Trump lehnte es ab und setzte Zölle auf Aluminium und Stahl in Kraft. Die EU reagierte mit Gegenzöllen.

Kurz zuvor hat sich die Bundesregierung am Mittwoch dafür ausgesprochen, Autozölle zu senken. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte im Bundestag: „Es lohnt sich alle Mühe, diesen Konflikt, damit er nicht zu einem wirklichen Krieg wird, zu versuchen zu entschärfen.“

Merkel kritisierte dabei die einseitige Betrachtung der Handelsbilanz durch den US-Präsidenten. Ein großer Handelsüberschuß Europas ergebe sich nur beim Warenverkehr. „Wenn Sie die Dienstleistungen inklusive der digitalen Dienstleistungen mit reinsetzen, dann haben Sie eine völlig andere Handelsbilanz, bei der es einen Überschuß der Vereinigten Staaten gegenüber Europa gibt.“ (mp)

US-Botschafter Richard Grenell Foto: picture alliance/Arne Dedert/dpa

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