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Deutsche Ölscheichs – eine Fata Morgana

Angesichts der steigenden Erdölpreise könnten die deutschen Bauern die „Ölscheichs von morgen“ werden, wenn das Potential nachwachsender Rohstoffe und die Bioenergie stärker genutzt würden, erklärte Verbraucherschutzministerin Renate Künast vergangenen Montag anläßlich der Vorlage des Ernteberichts 2004. Im ländlichen Raum entstünden so neue Einkommensquellen und Zehntausende Arbeitsplätze, meinte die Grünen-Politikerin, die nebenbei auch für Landwirtschaft zuständig ist. Der Rohstoffanbau könnte von momentan 830.000 auf bis zu vier Millionen Hektar ausgebaut werden. Sicher, aus Stroh, Lebensmittelabfällen, ungenutztem Waldholz oder sogar Klärschlamm läßt sich bestimmt noch viel mehr machen. Doch die „Ölscheichs von morgen“ werden die existenzbedrohten deutschen Bauern wohl kaum werden. Selbst wenn die Erdölpreise sich auf 80 Dollar pro Barrel verdoppeln würden – ohne Subvention und Steuerermäßigung ist Biodiesel auch dann nicht wettbewerbsfähig. Denn zur Erzeugung von Diesel aus Raps wird zunächst auch Energie verbraucht – und dabei nicht nur Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre geblasen. Unterm Strich ist zwar die Energiebilanz von Biodiesel (im Vergleich zu dem aus Erdöl) positiv. Bezieht man den beim Rapsanbau verwendeten Dünger und die Pflanzenschutzmittel in eine Gesamt-Ökobilanz mit ein, dann sieht es für den Biodiesel nicht mehr so gut aus. Und soviel Raps kann in Deutschland gar nicht angebaut werden, um den Erdöl- durch Bio-Diesel zu ersetzen – vier Millionen Hektar Anbaufläche könnten nicht mal den Bedarf der Deutschen Bahn decken. Es ist wie bei den Windrädern: Ohne Subventionen dreht sich leider (noch) nichts.

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