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Schauspiel am Scharmützelsee

Der See – ein blaues Schauen / Im grünen Hügelland, wie eingewiegt im Blauen, ein Traumglück – Saarow-Strand.“ So feinsinnig formulierte einst Johannes R. Becher, der wohl bekannteste Lyriker kommunistischer Prägung, seine Empfindungen, als er sich in Bad Saarow am Scharmützelsee niederließ. Und sein bürgerliche Kollege Theodor Fontane soll sogar vom „Märkischen Meer“ gesprochen haben. Zweifellos, Bad Saarow und der Scharmützelsee gehören zu den landschaftlich schönsten Gegenden der Mark Brandenburg. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde Saarow von dem jüdischen Architekten Ludwig Lesser als Villenkolonie im englischen Landhausstil gestaltet und zog bis in die zwanziger Jahre begüterte Berliner an, die hier ihr Feriendomizil, nach heutiger Lesart ihren Zweitsitz, aufschlugen. Viele Künstler, vornehmlich Schauspieler aus der aufstrebenden Filmindustrie folgten ihnen: Ernst Lubitsch, Harry Liedtke, Gustav Fröhlich, Viktor de Kowa und Käthe Dorsch, um nur einige aus einer fast vergessenen Elite zu nennen. Vor allem die Seegrundstücke in Saarow-Strand waren heißbegehrt. Mehr als hundert jüdische Bürger besaßen damals in Bad Saarow Grundstücke. Doch schon bald nach ihrer Machtübernahme gingen Nationalsozialisten gegen die jüdischen Grundstückbesitzer vor und erklärten Saarow stolz zum „ersten judenfreien Bad Deutschlands“. Heute gibt es nur noch einen überlebenden jüdischen Grundbesitzer am Scharmützelsee. Nach dem Einmarsch der Roten Armee im Frühjahr 1945 wurde das Zentrum von Bad Saarow „eingemauert“, hier kurte und erholte sich nun das sowjetische Offizierskorps. Einzelne Filetstücke am teilweise noch unbebauten Seeufer wurden prominenten KP-Funktionären übergeben. So konnte sich damals der Gründer des Lazaretts der Nationalen Volksarmee, General Hans-Rudolf Gestewitz, am Scharmützelsee ansiedeln. Und 1998 kam es zur Rückerstattung an die von der Jewish Claims Conference vertretenen Erben der alten Besitzer. Dies alles war kein besonders erwähnenswerter Vorgang, wie er eine Zeitlang fast wöchentlich über die Bühne der neuen Bundesländer ging. „Auch ich wurde von Juden rausgeschmissen!“ Doch dem stellvertretenden Bürgermeister von Bad Saarow und Fraktionsvorsitzenden der PDS, dem Sohn besagten Generals, kam jetzt alles wieder „hoch“: Bei einer jener verschnarchten Gemeinderatssitzungen, auf denen über den längst fälligen Bebauungsplan des einst noblen Saarow-Strand entschieden werden sollte, entfuhr dem gekränkten Bade- und Nervenarzt der empört gezischte Satz: „Auch ich wurde von Juden rausgeschmissen!“ Merkwürdigerweise hatte keiner etwas gehört, nur der Lokalredakteur der Märkischen Oderzeitung horchte auf, als einziger war er von der urplötzlich ausgebrochenen Taubheit nicht befallen. Und so ist es nur ihm zu verdanken, daß Bad Saarow plötzlich wieder mit Antisemitismus in Verbindung gebracht werden konnte. Bad Saarows PDS-Bürgermeisterin Gerlinde Stobrawa beeilte sich flugs, alles als ein höchst bedauerliches Mißverständnis hinzustellen. Mit Betroffenheitsmiene gab sie sich eindrucksvoll wortreich und völlig nichtssagend. Dem über seine Frechheit selbst erstaunten Neurologen kam ein Rücktritt erst gar nicht in den Sinn. Vor der Kamera des Rundfunks Berlin-Brandenburg murmelte er etwas von Entschuldigung. Die CDU, am Scharmützelsee immer schon voll Ehrfurcht vor der allmächtigen PDS, versank in abgrundtiefes Schweigen, litt dabei aber auch an schweren Bauchschmerzen: soll doch 1938 ein gewisser Horst Schönbohm (Träger des Ehrenzeichens der NSDAP mit der Partei-Nummer 99711) in Bad Saarow allzu forsch aufgetreten sein. Man darf doch die Väter nicht gegenseitig aufrechnen – und das noch mitten im Wahlkampf. Andere Parteien wie die SPD sind in Bad Saarow völlig bedeutungslos, FDP und Grüne existieren erst gar nicht, die sogenannten unabhängigen Wählergruppen sind abhängig von öffentlichen Aufträgen und schweigen selbstverständlich auch. So ist nun wieder Ruhe eingekehrt im idyllischen Bad Saarow.

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