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Machtkampf zweier Millionäre

Moritz Hunzinger ist eine der schillerndsten Personen der deutschen Medien- und Wer-bebranche. Doch seit einiger Zeit steht der Erfolgsmensch unter massivem Druck. Der neue Großaktionär seiner Hunzinger Information AG, die Effecten-Spiegel AG aus Düsseldorf – deren Chef der Pro-D-Mark-Parteigründer Bolko Hoffmann ist -, will jetzt mehr Kontrolle ausüben, um das Überleben des Unternehmens zu sichern. Durch einige Entscheidungen Hunzingers, die nun Ziel einer beantragten Sonderprüfung sind, war die Hunzinger AG mehrfach in bedrohliche Situationen geraten. Hunzinger, 1959 in Frankfurt/Main geboren, brach das Gymnasium ab und besuchte danach die US-Militärakademie in Wayne/Pennsylvania, wo er 1977 einen Abschluß machte. 1979 gründete er seine Agentur für Public Relations (PR) und Öffentlichkeitsarbeit: die Hunzinger PR GmbH. Hunzinger gewann Kunden aus Politik und Wirtschaft – darunter Microsoft-Chef Bill Gates oder den libyschen Staatschef Muammar El Gaddafi. In seiner Personendatei sollen 67.000 Namen aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben vertreten sein. 1996 wurde das CDU-Mitglied Aufsichtsratschef der Bonner Infas GmbH, 1997 trat Hunzinger in den Vorstand seiner Hunzinger Information AG ein. Er firmiert auch als Geschäftsführer der Bildagentur Action Press und ist Aufsichtsratsmitglied der Concordia Versicherung. Doch nun konnte nur durch das Eingreifen des Effecten-Spiegels einer der größten Aktivposten der Hunzinger AG, die Action Press, dem Unternehmen erhalten bleiben. Hunzinger, der 50 Prozent von Action Press hielt, hatte eine 49prozentige Verkaufsoption der Alteigentümer mit seiner Hälfte besichert. Für diese sogenannte Put-Option mußte Hunzinger am 30. September 2002 fünf Millionen Euro bezahlen. Dieses konnte er aber nicht. Wäre die Effecten-Spiegel AG, die etwa ein Drittel der Aktien der Hunzinger AG hält, nach eigenen Angaben nicht kurzfristig mit einer Bürgschaft eingesprungen, hätte Hunzinger nicht nur die Put-Option verfallen lassen, sondern vertragsgemäß auch noch seine andere Hälfte an Action Press zu null Euro an die Alteigentümer zurückgeben müssen. Die Aktionäre hätten riesige Kursverluste erlitten. Seitdem ist das Verhältnis zwischen Hunzinger und Hoffmann gestört. Hoffmann wirft Hunzinger zudem vor, „für diesen Schwachsinn noch Millionen von Euro an Beratungskosten verschwendet“ zu haben. Die Folge war, daß das Düsseldorfer Unternehmen von Hoffmann auf der letzten Hauptversammlung Vorstand und Aufsichtsrat der Hunzinger AG keine Entlastung erteilte. Der 1937 in Bremen geborene Bolko Hoffmann war zeit seines Lebens im Wertpapiergeschäft tätig. 1970 brachte der Diplomkaufmann das Börsenjournal Effecten-Spiegel auf den Markt und baute es in den nächsten Jahren nach eigenen Angaben zum größten seiner Art in Europa auf. 1983 übernahm Hoffmann die Nachrichtenagentur ddp und gliederte 1992 die frühere DDR-Nachrichtenagentur ADN in sie ein. Zwei Jahre später verkaufte er ddp/ADN an deren damaligen Chefredakteur Wolf E. Schneider. 1998 versuchte Hoffmann erneut den Schritt in die Politik, nachdem er 1981 der letzte Vorsitzender der Steuerpartei war. Bis auf einen Achtungserfolg bei den Landtagswahlen 1999 in Sachsen (2,1 Prozent) gelang der Partei Pro-DM der Durchbruch allerdings nicht. Hoffmann wirft Hunzinger vor, das Unternehmen „nach Gutsherrenart“ zu führen, die gesamten Gewinne von Action Press und der ebenfalls Gewinne erwirtschaftenden Tochter Infas abzuziehen und diese für ein „absurd überhöhtes Gehalt, vor allem aber für irre anwaltliche Beratungskosten in sechsstelliger Höhe“ zu verschwenden, so der Effecten-Spiegel. Zudem sei es üblich, daß der Aufsichtsrat bei einem neuen Großaktionär entweder zurücktritt, um diesem Kontrollmöglichkeiten einzuräumen, oder zumindest mit diesem eng kooperiere. Doch auch dieses sei unterblieben, so daß Effecten-Spiegel-Alleinvorstand Hoffmann Vetternwirtschaft vermutet. Aus diesem Grund hat das Düsseldorfer Unternehmen nunmehr die Einberufung einer Außerordentlichen Hauptversammlung zur Abwahl des Aufsichtsrates beantragt. Daneben fordert die Effecten-Spiegel AG auch eine Sonderprüfung der Geschäftspraktiken Hunzingers. Hierbei solle geklärt werden, „wohin gewisse Gelder geflossen sind, die offiziell als Beratungshonorare ausgewiesen werden, insbesondere im Zusammenhang mit dem seinerzeitigen Erwerb einer Tochtergesellschaft“. Hunzinger wehrt sich gegen die Forderung des neuen Großaktionärs. So verkündet er in Presseerklärungen, die Effecten-Spiegel AG wolle die Hunzinger AG zerschlagen. Dabei sehen die in seinem Börsenjournal veröffentlichten Pläne Hoffmanns lediglich eine Neufirmierung in den schlagkräftigeren Namen „Action Press AG“ vor, unter dessen Dach Action Press und Infas ihre Geschäfte weiterführen sollen. Lediglich das PR-Unternehmen soll ausgegliedert und personengebunden von Hunzinger weitergeleitet werden. Die PR-Abteilung stellt derzeit das schwächste Glied der Dreierkette dar. Nur mit dieser neuen Struktur wäre, so der Düsseldorfer Börsianer weiter, eine langfristig profitable Geschäftsentwicklung des Gesamtunternehmens gewährleistet. Dagegen liebäugelt Hunzinger damit, ein von einem US-Unternehmen vorliegendes Kaufangebot von 15 bis 20 Millionen Euro für Action Press anzunehmen. Zwar wäre dies zuerst ein schöner warmer Regen für die Hunzinger-Aktionäre, würde aber das Unternehmen gleichzeitig für die Zukunft erheblich schwächen, sofern kein adäquater Ersatz gefunden würde. Dies erscheint derzeit aber kaum möglich. Man darf gespannt sein, wie dieser Machtkampf ausgehen wird. Um Hoffmann zu besänftigen, hat Hunzinger jetzt angekündigt, daß der frühere RTL-Chef Helmut Thoma wegen des Überschreitens der höchst zulässigen Zahl von Aufsichtsratsmandaten sein Amt bei der Hunzinger AG zurückgibt. Damit könne die Effecten-Spiegel AG dann sofort einen Vertreter in das Kontrollgremium entsenden. Ob Hunzinger an dem von ihm gegründeten Unternehmen überhaupt noch viel Interesse hat, scheint fraglich. Denn er hat öffentlich selbst eingestanden, in den letzten Wochen einen Großteil seiner Aktien verkauft zu haben. So hält Hunzinger nach Angaben auf der Effecten-Spiegel-Homepage nur noch rund zehn Prozent des Aktienkapitals an der nach ihm benannten Firma. Der Firmengründer scheint zu einem weiteren Abbau entschlossen. Einer am 2. Oktober verbreiteten Presseerklärung zufolge will er nur dann keine weiteren Aktien mehr verkaufen, falls Hoffmann seine Pläne aufgibt. Da dieser das anscheinend aber nicht vorhat, darf man gespannt sein, wie es weitergeht. Denn es erscheint doch sehr widersprüchlich, wenn Hunzinger auf der einen Seite in der Presseverlautbarung schreibt, seinen noch mehrere Jahre laufenden Vertrag als Vorstandsvorsitzenden „mit voller Kraft zum Wohle des Unternehmens“ erfüllen zu wollen, aber auf der anderen Seite immer mehr eigene Aktien verkauft. Foto: Firmenchef Moritz Hunzinger, Aktionär Bolko Hoffmann (oben): Nur noch zehn Prozent des Aktienkapital in der Hand des Gründers

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