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Bildungsniveau: Niedersachsen streicht schriftliches Dividieren – Berlin vereinfacht Goethe und Schiller

Bildungsniveau: Niedersachsen streicht schriftliches Dividieren – Berlin vereinfacht Goethe und Schiller

Bildungsniveau: Niedersachsen streicht schriftliches Dividieren – Berlin vereinfacht Goethe und Schiller

Schüler einer 4. Klasse im Mathematikunterricht: Niedersachsens streicht schriftliches Dividieren aus dem Lehrplan. Foto: picture alliance / Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa | Jens Büttner
Schüler einer 4. Klasse im Mathematikunterricht: Niedersachsens streicht schriftliches Dividieren aus dem Lehrplan. Foto: picture alliance / Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa | Jens Büttner
Schüler einer 4. Klasse im Mathematikunterricht: Niedersachsens streicht schriftliches Dividieren aus dem Lehrplan. Foto: picture alliance / Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa | Jens Büttner
Bildungsniveau
 

Niedersachsen streicht schriftliches Dividieren – Berlin vereinfacht Goethe und Schiller

Kein schriftliches Dividieren in Niedersachsens Grundschulen, kein Goethe und Schiller an Berlins Gymnasien. Lehrerverbände schlagen Alarm wegen sinkender Anforderungen an deutschen Schulen.
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HANNOVER. Lehrerverbände und Opposition haben den bildungspolitischen Kurs der Länder Niedersachsen und Berlin kritisiert. In Hannover stößt eine Reform des Mathematikunterrichts auf Widerstand, in Berlin sorgt der zunehmende Einsatz vereinfachter Literaturausgaben an Gymnasien für Debatten über sinkende Anforderungen.

Auslöser der Kritik in Niedersachsen ist eine Entscheidung von Kultusministerin Julia Willie Hamburg. Die Grünen-Politikerin sagte dem Spiegel, das schriftliche Dividieren solle in der Grundschule künftig nicht mehr verbindlich unterrichtet werden. Betroffen seien Kinder, die ab dem Schuljahr 2026/27 eingeschult würden. Stattdessen setze das Land auf halbschriftliche Rechenverfahren.

Zur Begründung verwies Hamburg auf didaktische Konzepte und bildungswissenschaftliche Erkenntnisse. Das klassische schriftliche Dividieren sei komplex und fehleranfällig. Entscheidend sei ein tragfähiges Zahlenverständnis, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums gegenüber dem Magazin. In weiterführenden Schulen bleibe das Verfahren Bestandteil des Unterrichts.

Lehrerverband und Opposition besorgt

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Stefan Düll, widersprach dieser Einschätzung in der Bild-Zeitung. Er sagte dem Blatt, gerade in der Mathematik sei es wichtig, verschiedene Lösungswege zu beherrschen. Wer das schriftliche Dividieren in der Grundschule streiche, bereite Schüler schlechter auf die Anforderungen späterer Klassen vor.

Auch die Opposition äußerte scharfe Kritik. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Niedersächsischen Landtag, Sebastian Lechner, sagte der Bild-Zeitung, die Entscheidung passe in eine Linie sinkender Ansprüche in der Bildungspolitik. Damit schade die Landesregierung der Zukunft der Kinder.

Berlin vereinfacht Goethe, Schiller und Lessing

Während in Niedersachsen über Rechenmethoden gestritten wird, entzündet sich in Berlin eine ähnliche Debatte am Literaturunterricht. Wie der Tagesspiegel berichtet, greifen Lehrer an Gymnasien zunehmend auf vereinfachte Fassungen klassischer Werke zurück. Texte von Goethe, Schiller oder Lessing werden gekürzt und sprachlich angepaßt.

Sven Haedecke, Sprecher des Cornelsen-Verlags, sagte dem Blatt, Ziel der vereinfachten Ausgaben sei es, sprachliche Hürden abzubauen und den Zugang zu Klassikern zu erleichtern. Auch an Gymnasien werde die Reihe inzwischen verstärkt genutzt.

Kritik daran kommt unter anderem von dem Lehrer und Referendarausbilder Robert Radecke-Rauh. Er warnte im Tagesspiegel vor dem Verlust ästhetischer Substanz und einem Bruch mit dem Bildungsanspruch des Gymnasiums. In der Musik komme auch niemand auf die Idee, Mozart zu vereinfachen, um ihn zugänglicher zu machen.

Kaum Anknüpfungspunkte für Migranten

Christiane Sauerbaum-Thieme, Referatsleiterin in der Berliner Bildungsverwaltung, räumte gegenüber dem Tagesspiegel ein, daß Literatur in einfacher Sprache im Unterricht eine absolute Notlösung sei. Sie verwies zugleich auf einen allgemeinen Trend zur Auslegungskunde, der das Lesen ganzer Originaltexte verdränge.

Auch der Berliner Landesschülersprecher Orçun Ilter äußerte in dem Blatt Bedenken. Im Deutschunterricht gebe es bei Klassikern wie Goethes Faust für viele Schüler mit Migrationshintergrund kaum noch Anknüpfungspunkte, sagte Ilter. (sv)

Schüler einer 4. Klasse im Mathematikunterricht: Niedersachsens streicht schriftliches Dividieren aus dem Lehrplan. Foto: picture alliance / Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa | Jens Büttner
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