BOSTON. Der US-Bundesstaat Massachusetts hat ein Gesetz aufgehoben, das Abtreibungen nach den ersten 24 Wochen einer Schwangerschaft stark beschränkt hatte. „Wir werden dafür sorgen, dass insbesondere Frauen ihre eigenen Entscheidungen in Bezug auf ihre Gesundheitsversorgung treffen können – und nicht die Regierung“, sagte die Gouverneurin des Bundesstaates, Maura Healey (Demokraten), am Montag während einer Pressekonferenz. Dafür unterzeichnete sie am Montag ein Gesetz, dass Ärzten die finale Entscheidung darüber gibt, ob und wann die Mutter abtreiben darf. Es soll am 8. November in Kraft treten.
As long as I’m Governor, abortion will remain safe, legal and accessible in Massachusetts.
You have my word. pic.twitter.com/0PKw1ufQF5
— Governor Maura Healey (@MassGovernor) August 10, 2026
Zuvor waren Abtreibungen nach der 24. Schwangerschaftswoche in Massachusetts nur erlaubt, wenn ein Arzt feststellt, dass das Leben oder die körperliche oder psychische Gesundheit der Mutter in Gefahr ist, oder dass das Kind eine lebensbedrohliche Fehlbildung hat. Mit dem neuen Gesetz entfallen diese Anforderungen. Somit kann ein Arzt in diesem US-Bundesstaat legal Kinder nach eigenem Ermessen bis zur Geburt abtreiben.
„In dieser Situation ist es an den Bundesstaaten, die Führung zu übernehmen“, führte Healey aus. „Und als Gouverneur verspreche ich, dass wir – ganz gleich, was Donald Trump, die Republikaner im Kongress oder der Oberste Gerichtshof tun – weiterhin dafür sorgen werden, dass Frauen und Familien hier in Massachusetts Zugang zu der medizinischen Versorgung haben, die sie benötigen.“
Viele Amerikaner reisten für Abtreibungen in andere Staaten
Laut der Gouverneurin seien in der Vergangenheit viele Menschen durch Amerika gereist, um ihr Kind abzutreiben. „Ich habe herzzerreißende Geschichten von Frauen und Familien gehört, die sich darauf freuten, ein gesundes Baby in ihrer Familie willkommen zu heißen, nur um später im Verlauf der Schwangerschaft eine niederschmetternde Nachricht zu erhalten“, erzählte die Demokratin.
„Anstatt sich auf die Ärzte verlassen zu können, die sie von zu Hause kannten und denen sie vertrauten, waren sie gezwungen, Hunderte von Meilen zu reisen und die Kosten aus eigener Tasche zu bezahlen, während sie unvorstellbare Trauer durchlebten.“
Das dürfe in Massachusetts nicht passieren, weswegen Healey das neue Gesetz unterzeichnet habe. Denn in dem Bundesstaat „sind wir der Überzeugung, dass Entscheidungen zur Gesundheitsversorgung zwischen Frauen und ihren Ärzten getroffen werden sollten“.
Gesetz legalisiere Kindermord
Laut der Vorsitzenden von „Massachusetts Citizens for Life“, Maloney Flynn, stehen hinter der Gesetzesänderung andere Absichten. „Bei der Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen auf Wunsch bis zur Geburt bei gesunden Müttern und gesunden, schmerzempfindlichen ungeborenen Kindern geht es nicht um den Schutz der Arzt-Patienten-Beziehung“, schrieb sie in einer Stellungnahme.

Stattdessen gehe es darum, „den Tod voll ausgebildeter Säuglinge zu normalisieren und schutzbedürftige Frauen unter Druck zu setzen, damit sie zulassen, dass ihre ungeborenen Kinder durch abscheuliche Gewalttaten ums Leben kommen“.
Zehnter Bundesstaat legalisiert Abtreibungen bis zur Geburt
Seit 2022 sind Abtreibungen in den USA Ländersache. Damals hob der Oberste Gerichtshof das Urteil „Roe v. Wade“ auf, das bundesweit Abtreibungen bis zur Lebensfähigkeit des Fötus und somit etwa bis zur 24. Schwangerschaftswoche ermöglichte (JF berichtete).
Seitdem haben mit Massachusetts nun insgesamt zehn US-Bundesstaaten Abtreibungen bis zur Geburt legalisiert. Bei den anderen neun handelt es sich um Alaska, Colorado, Maryland, Michigan, Minnesota, New Jersey, New Mexico, Oregon und Vermont.
Außerdem gibt es in Washington D.C. keine Wochenbegrenzung für Abtreibungen. Es handelt sich jedoch nicht um einen Bundesstaat, sondern um einen eigenständigen Bundesdistrikt der Vereinigten Staaten, der direkt dem US-Kongress unterstellt ist. (mas)





