BERLIN. Die Bank Comdirect hat der freien Journalistin Anabel Schunke ohne Angabe von Gründen ihr Konto gekündigt. Das teilte sie auf dem Kurznachrichtendienst X am Donnerstag mit. „Ich habe sogar noch in einer Mail nach der Kündigung versucht, dies abzuwenden, aber man möchte dabei bleiben und beruft sich auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen“, schrieb sie. „Ich rieche einen politischen Grund.“
Jetzt trifft es mich auch. Die Comdirect hat mir meine gesamte Kontoverbindung vor drei Tagen gekündigt. Ich habe sogar noch in einer Mail nach der Kündigung, versucht, dies abzuwenden, aber man möchte dabei bleiben und beruft sich auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen, dass… pic.twitter.com/JBMtXYLkNj
— Anabel Schunke (@ainyrockstar) July 30, 2026
Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT erklärte Schunke, dass sie bereits zuvor wegen Zahlungen aus dem Werbeeinnahmenprogramm von X in Konflikt mit der Bank geraten sei. „Ich hatte ab einem gewissen Zeitpunkt das Gefühl, dass man mich einfach loswerden will“, sagte sie. „Man hat mir unterstellt, ich würde das Konto gewerblich nutzen. Comdirect lässt nur Privatkonten zu.“ Da jeder angemeldete Nutzer am Programm teilhaben könne, habe die Journalistin das nicht als geschäftliche Einnahmen gesehen. „Mir kam das sehr vorgeschoben vor. Da sind jetzt auch keine Tausenden Euro geflossen.“
Nach eigenen Angaben bot Schunke an, die Zahlungen des Kurznachrichtendienstes auf ein anderes Bankkonto umzuleiten. „Da hieß es, dass ich einfach ein paar mehr private Zahlungen mit dem Konto tätigen soll. Dann würden sie sich das in zwei bis drei Monaten noch mal anschauen. Stattdessen kam die Kündigung.“
Nicht nur Schunke ist von Debanking betroffen
Bereits im Dezember hatte die Sparkasse Karlsruhe einem Journalisten, Flavio von Witzleben, sein Konto ohne Angabe von Gründen gekündigt (JF berichtete). Der Betroffene klagt nun gegen die Entscheidung. „Mir wurde in dem Moment der Kontokündigung bewusst, dass ich nun ins Visier der Hüter ‘unserer Demokratie’ geraten bin, was mich durchaus überrascht.“ Anders als die private Comdirect-Bank dürfen Sparkassen als Geldanstalten öffentlichen Rechts nur in absoluten Ausnahmefällen Kontokündigungen vornehmen, etwa bei Geldwäsche. Auch eine Diskriminierung aus politischen Gründen ist aufgrund der Grundrechtsbindung verboten.
Auch AfD-Politiker und -Verbände waren in den vergangenen Jahren in Konflikt mit ihren Banken geraten. Ende 2024 hatte die Berliner Volksbank mehreren Kommunalfraktionen der AfD, dem Bundesverband der Partei, einem Spendenkonto der Bundestagsfraktion sowie zwei parteinahen Firmen ihr Konto gekündigt. Dafür hatten sich unter anderem die „Omas gegen Rechts“ stark gemacht. (kuk)





