Astrid Hamker
Astrid Hamker Foto: imago images / Jens Schicke
Nach Interview-Aussagen

CDU-Wirtschaftsrat wirft Bedford-Strohm politischen Amtsmißbrauch vor

BERLIN. Die Präsidentin des Wirtschaftsrates der CDU, Astrid Hamker, hat dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, vorgeworfen, sein Amt für politische Zwecke zu mißbrauchen. „Offensichtlich verstehe ich die österliche Botschaft anders als Sie“, schrieb die Unternehmerin in einem Brief an den Geistlichen, der Focus Online vorliegt.

„Da wird von Ihnen in schwerster Zeit – wieder einmal – Ihr wichtiges Amt statt zur Ermutigung für politische Botschaften mißbraucht“, kritisierte Hamker. Doch jetzt sollten gerade Unternehmer ermutigt werden, „die für ihre Betriebe und Arbeitsplätze kämpfen, indem sie Eigenkapital einsetzen und vielfach aus privaten Rücklagen zuschießen müssen“.

Bedford-Strohm hatte am Karsamstag gefordert, Wohlhabende zur Bewältigung der Corona-Krise stärker finanziell zu belasten. „Man darf sich keine Illusionen machen, wenn die Krise vorüber ist, wird es eine riesige Solidaritätsanstrengung brauchen, und ich hoffe, daß wir alle dazu bereit sind. Besonders die, denen es finanziell gut geht“, sagte er der Süddeutschen Zeitung.

Von Storch fordert Aussetzung der Kirchensteuer

Er verwies zugleich darauf, daß es in Deutschland ein privates Geldvermögen von 6,3 Billionen Euro gebe. Auf eine mögliche Vermögensabgabe wollte sich der bayerische Landesbischof nicht festlegen. „Da sollen die Experten bewerten, was nützlich ist und was vielleicht auch kontraproduktiv“, ergänzte er in der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Für seine Äußerungen war Bedford-Strohm scharf kritisiert worden. Die Forderungen „stammen aus der Mottenkiste des Marxismus“, sagte die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch der JUNGEN FREIHEIT. Sie forderte die beiden großen Kirchen in Deutschland auf, zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Krise auf die Kirchensteuer zu verzichten. Außerdem werde eine Kirche, „die sich von Spenden und freiwilligen Beiträgen finanziert, dynamischer, vitaler und wieder ihrem religiösen Auftrag verpflichtet sein, statt sozialistische Ideologie zu predigen“.

Kirchen erhielten so viel Kirchensteuer wie nie

Die beiden großen Kirchen in Deutschland hatten in den vergangenen Jahren Rekordeinnahmen mit der Kirchensteuer erzielt, obwohl die Mitgliederzahlen zurückgingen. 2018 etwa erhielt die katholische Kirche 6,7 Milliarden Euro, die evangelische Kirche 5,8 Milliarde Euro.

Hauptgrund dafür war die gute wirtschaftliche Konjunktur in Deutschland. Löhne und Einkommen stiegen und damit auch die Lohn- und Einkommenssteuer. Die Höhe der Kirchensteuer orientiert sich am Lohn oder Einkommen des jeweiligen Mitglieds und beläuft sich je nach Bundesland auf acht oder neun Prozent der gezahlten Lohn- oder Einkommenssteuer.

Ökonomen rechnen wegen der Folgen der Corona-Krise mit einem drastischen Konjunktureinbruch in diesem Jahr. (ls)

Astrid Hamker Foto: imago images / Jens Schicke

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