KiKA-Dokumentation

Flüchtlingsliebe: Sender weist Islamismus-Vorwürfe zurück

FRANKFURT/MAIN. Der Hessische Rundfunk (hr) hat Vorwürfen widersprochen, wonach der Protagonist der KiKA-Dokumentation über Flüchtlingsliebe mit Islamisten sympathisiere. In dem Film geht es um die Liebesgeschichte zwischen einer minderjährigen Deutschen und einem erwachsenen Syrer. „Wir haben in Gesprächen mit Diaa in den vergangenen Monaten den Eindruck gewonnen, daß er kein Islamist ist. Er hat sich von jeglicher Art von Extremismus distanziert“, teilte der Sender am Sonntag auf Twitter mit. „Wir werden uns in den nächsten Tagen mit den weiteren Vorwürfen gegen ihn beschäftigen.“

Hintergrund ist unter anderem ein „Gefällt mir“ von Diaa, der mit zweitem Vornamen Mohammed heißt, auf der Facebook-Seite des Salafisten Pierre Vogel. Nach Angaben des Syrers habe er die Seite des Islamisten deshalb gelikt, weil es eine Reise nach Mekka zu gewinnen gab. Zudem sorgte ein weiterer Eintrag Diaas in dem sozialen Netzwerk für Empörung. In einem Kommentar zu einem Foto, das ihn auf einer Kanone sitzend zeigt, soll er auf arabisch geschrieben haben, er werde es mit Allahs Hilfe „so bewerkstelligen, daß die Deutschen konvertieren“.

hr wiederholte KiKA-Doku

Am Samstag hatte der Hessische Rundfunk die KiKA-Sendung „Malvina, Diaa und die Liebe“, in der es um eine Liebesbeziehung der minderjährigen Deutschen Malvina und des syrischen Flüchtlings geht, wiederholt. Erstmals wurde sie im November im Kinderkanal ausgestrahlt. Der hr hatte die Folge für das Kinderfernsehen gedreht.

Im Anschluß an die Wiederholung diskutierten fünf Gäste über den Beitrag. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel kritisierte die Doku, während die vier anderen Gäste, darunter Pädagogen und Islamwissenschaftler, den Film unproblematisch fanden. Spaniel betonte, er fände es bedenklich, daß Malvina in der Sendung immer nachgebe. Sie könnte bei dieser Art der interkulturellen Beziehung als Rollenmodell dienen.

An einer Stelle des Films äußert sich die 16jährige Malvina nachdenklich über ihren Freund: „Ich habe das Problem mit ihm, daß ich oft in eine Richtung gelenkt werde, in die ich gar nicht kommen möchte. Ich kann oder ich darf keine kurzen Sachen anziehen, immer nur lange Sachen, das heißt, Kleider dürfen nur bis zum Knie gehen und das war’s und nicht kürzer.“ Diaas Antwort: „Ich kann so was nicht akzeptieren, daß meine Frau so aussieht.“

Islamisten drohen Diaa

hr-Fernsehdirektorin Gabriele Holzner sagte in der Diskussionsrunde, der Sender habe ein ausführliches Interview mit Diaa zu den Islamismus-Vorwürfen geführt. Es sei aber aufgrund der Morddrohungen von radikalen Moslems nicht mehr ausgestrahlt worden.

„Aus Verantwortung unserem Protagonisten gegenüber haben wir uns entschieden: Dieses Interview zeigen wir nicht, um ihn nicht weiter zu gefährden“, rechtfertigte Holzner die Entscheidung. Diaa werde bedroht, „weil denen – ich sage es mal in meinen eigenen Worten – weil denen nicht gefällt, wie ‘modern’ er ist und ‘wieviel er sich von seiner Freundin sagen läßt’“.

Sender änderte Altersangaben mehrfach

Seit dem vorvergangenen Wochenende sorgt die KiKA-Sendung für Aufregung vor allem in sozialen Netzwerken. In der Dokumentation erzählen die 16 Jahre alte Malvina und der angeblich 17 Jahre alte Diaa von ihrem Liebesglück und den kulturellen Verschiedenheiten. Nach Protesten änderte KiKA anschließend die Altersangabe des Syrers in der Beschreibung sowie in den Bildunterschriften von 17 auf 19 Jahre. Der Hessische Rundfunk teilte später mit, der Syrer sei mittlerweile 20 Jahre alt.

Neben der AfD hatten auch Politiker von CDU und CSU den Stopp der Dokumentation, die nach wie vor auf der KiKA-Webseite aufrufbar ist, gefordert. Sowohl der Hessische Rundfunk als auch KiKA wiesen die Kritik vehement zurück.

Daß der Film bei vielen Zuschauern gerade mit Blick auf den Mordfall Kandel, wo ein afghanischer Flüchtling seine 15 Jahre alte deutsche Ex-Freundin ermordet hatte, für Unverständnis sorgt, könne der Sender nicht verstehen, sagte eine KiKA-Sprecherin auf JF-Nachfrage. (ls)

Diaa: Likte die Facebook-Seite von Pierre Vogel Foto: Kita.de

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