Streit unter Grünen

Göring-Eckardt will Heimat-Begriff nicht Rechten überlassen

BERLIN. Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat dafür geworben, den Begriff Heimat nicht Rechten zu überlassen. „Die Sehnsucht nach ‘Heimat’, nach Zuhause, danach sich zurechtzufinden, sicher zu sein, ist als solche nicht reaktionär, aber sie läßt sich für eine reaktionäre Agenda mißbrauchen“, schreibt Göring-Eckardt am Freitag in der taz.

„Die Antworten auf das Gefühl der Unbehaustheit, das viele Menschen angesichts der rasanten Veränderungen unserer Lebens- und Arbeitswelt heimsucht, dürfen deshalb nicht den Rechten überlassen werden.“ Man müsse jetzt dafür kämpfen, daß weder Abschottung noch Gleichschaltung eine Chance hätten.

„Gegen die rechte Heimatschutzpropaganda gilt es deshalb, unbeirrt für ein offenes Verständnis von Heimat zu kämpfen. Und damit für ein Land, das europäisch bleibt, das ökologischer, sozialer und noch weltoffener wird“, konstatiert die 51 Jahre alte Grünen-Politikerin.

Parteiinterne Kritik an Heimat-Begriff

Sie verteidigt sich damit gegen parteiinterne Kritiker. In einer Rede auf dem Grünen-Länderrat vorigen Samstag hatte sie gesagt: „Wir lieben dieses Land. Es ist unsere Heimat. Diese Heimat spaltet man nicht.“ Dafür war sie unter anderem von ihrer Parteikollegin und Berliner Abgeordneten Anja Schillhaneck kritisiert worden, für die der Begriff „herkunftsbezogen und tendenziell ausgrenzend“ sei.

Die Nachwuchsorganisation der Grünen schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Heimat ist ein ausgrenzender Begriff.“ Deshalb tauge er nicht zur Bekämpfung von rechten Ideologien. „Wer den Rechten ideologisch hinterherläuft, macht sie nur stärker“, ergänzte Sebastian Brux, Sprecher des grünen Justizsenators von Berlin, Dirk Behrendt. (ls)

Katrin-Göring-Eckardt: Sehnsucht nach Heimat ist nicht reaktionär Foto: dpa

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