Bildersturm bei der Bundeswehr

Alles muß raus

BERLIN. Bei der Umsetzung des von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Generalinspekteur Volker Wieker angeordneten Bildersturms in Bundeswehrkasernen gehen die jeweiligen Kommandeure offenbar mit preußischer Gründlichkeit vor. Der JUNGEN FREIHEIT liegen zahlreiche Fälle vor, in denen „Exponate, Bilder, Gemälde, Zeichnungen etc., die der Wehrmacht zuzurechnen waren“, aus den Liegenschaften der Bundeswehr entfernt wurden.

Verfassungsfeindliche Symbole seien aber nicht gefunden worden, heißt es in einem internen Sachstandsbericht. Darin wird das Kommando Heer gebeten, Karabiner K98 von den neuerlichen Regelungen auszunehmen. Gemeint ist damit die Anordnung, alle Gegenstände zu entfernen, „die offensichtlich vor allem der Dekoration dienen oder lediglich aufgrund von Schenkungen in militärischen Liegenschaften ausgestellt werden“.

Wandbilder übermalt

Aufgrund dieser Regelung wurden in zahlreichen Kasernen Karabiner K98 eingezogen, die dort als Erinnerungsgeschenke von ehemaligen Angehörigen der jeweiligen Einheiten aufgehängt waren. Das Wachbataillon der Bundeswehr verwendet den K98, der auch von der Wehrmacht als Gewehr genutzt wurde, bei militärischen Zeremonien. Eine Entscheidung, ob die Karabiner wieder in den Kasernen aufgehängt werden dürfen, steht noch aus.

Anders beim Stab der Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf. Dort wurde ein Lehrbuch zum Anlegen von Übungen eingesammelt, weil es von 1937 stammte. In Zweibrücken übermalte man auf Anordnung des Kommandeurs beim Fallschirmjägerregiment 26 Wandbilder von Soldaten in Wehrmachtsuniform übermalt. Ebenso mußte dort der Kompaniespruch „Wo wir sind, ist vorne“ aus Wimpeln und Wappen entfernt werden.

In Seedorf wurde beim Fallschirmjägerregiment 31 ebenfalls ein Wandbild übermalt, auf dem ein Fallschirmjäger zu sehen war. Allerding waren sich hier die Verantwortlichen nicht mal sicher, ob es einen Soldaten der Wehrmacht oder der frühen Bundeswehr zeigte. Nach dem Motto „Sicher ist sicher“ wurde es aber trotzdem getilgt. Diese Devise galt nach Informationen der JF auch an anderen Standorten, wo selbst in ausgemusterten Kasernenblocks, die zum Abriß vorgesehen sind, noch Wandbilder übermalt wurden.

Urkunden abgehängt

Rigoros griff man auch in Calw beim Kommando Spezialkräfte (KSK) durch. Hier wurden zahlreiche Exponate, „Gemälde, Säbel, Tafelsilber, Pokale, Kunstdrucke, Porträts, Lanzen, etc., die dem vor der Mobilmachung 1939 aufgelösten Kavallerieregiment 18 (Wehrmacht), dem Reiterregiment 18 (Reichswehr) sowie den Vorgängerverbänden des Württembergischen Kontingents (Kaiserliches Heer) bzw. Kavallerieregimentern des Königreichs Württemberg (Württembergisches Heer) zuzuordnen sind“, abgehängt.

Im hessischen Fritzlar weisen in den Diensträumen des Kampfhubschrauberregiments 36 seit dem Bildersturmerlaß ebenfalls einige Wände weiße Flecken auf. Hier hingen zuvor Urkunden aus Bundeswehrwettkämpfen. Da es für die erreichten Leistungen jedoch den Rommelpreis gab und das Konterfei des Generalfeldmarschalls die Urkunden zierte, mußten sie entfernt werden.

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> Die JUNGE FREIHEIT will den jüngsten Bildersturm in deutschen Kasernen dokumentieren. Sind Sie Soldat oder Angestellter der Bundeswehr, dann berichten Sie uns von solchen Fällen. Informieren Sie uns – auch anonym – über online@jungefreiheit.de, über Facebook, oder auf dem Postweg: Redaktion JUNGE FREIHEIT, Hohenzollerndamm 27a, 10713 Berlin.

Soldaten des Wachbataillons mit dem historischen Karabiner K98 Foto: picture alliance/dpa

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