Säuberungsaktion

Bundeswehrkrankenhaus entfernt Weltkriegs-Rotkreuzflagge

WESTERSTEDE. Sie war die letzte Rotkreuzflagge des Zweiten Weltkriegs in Berlin und kennzeichnete einen Truppenverbandplatz der Wehrmacht unweit des Reichstags. Nach der Übergabe an die Rote Armee wurde sie in der Nacht auf den 1. Mai 1945 geborgen. Jahrelang hing sie im Bundeswehrkrankenhaus im niedersächsischen Westerstede samt einer Erläuterungstafel – bis Ende vergangener Woche. Nun wurde die Flagge entfernt.

Anlaß ist die Anordnung von Generalinspekteur Volker Wieker, alle Kasernen und Liegenschaften der Bundeswehr auf Wehrmachtsandenken zu durchsuchen. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Focus berichtet, es gebe im Bundeswehrkrankenhaus Überlegungen, die Rotkreuzflagge zu entfernen. Das ist nun geschehen, wie das Bundeswehrkrankenhaus auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT bestätigte. Eine Begründung für die Maßnahme gab es nicht.

Keine Verwandten-Fotos aus der Wehrmachtszeit
Links die historische Rotekreuzflagge, rechts die leere Wand nach ihrer Entfernung Fotos: privat

Überall werden derzeit in Einrichtungen der Bundeswehr Stahlhelme, Panzermodelle, Wandbilder, historische Waffen und Uniformen, Regimentsabzeichen und Orden entfernt. Die Soldaten wurden darüber belehrt, daß die Einheiten Memorabilien aus der Zeit von 1933 bis 45 nur noch in zuvor genehmigten Sammlungen besitzen dürfen. Reine Dekorationsgegenstände sind verboten, auch wenn es sich um Geschenke anderer Einheiten handelt. Auch dürfen in den Dienstzimmern keine Fotos mehr von Verwandten oder Vorfahren hängen, auf denen diese in Wehrmachtsuniformen abgebildet sind.

Frühere Erklärtafel zur historischen Rotkreuzflagge Foto: privat

Die Anordnungen werden konsequent durchgesetzt. So wurden nach Informationen der JF beispielsweise beim Taktischen Luftwaffengeschwader 33 in Rheinland-Pfalz entsprechende Fotos des ersten Kommodores, General Walter Krupinski, entfernt.

Rommel-Wandbild übermalt

Beim Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg wurde ein Wandbild von Generalfeldmarschall Erwin Rommel übermalt. Und das, obwohl der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel, erst am Wochenende betont hatte, die Person Rommels müsse differenziert betrachtet werden. Zwar sei Rommel als „Wüstenfuchs“ für Propagandazwecke der Nationalsozialisten genutzt worden, doch seine „Betrachtungen zur Lage“ vom 15. Juli 1944 markierten einen klaren Bruch mit Hitler.

Zudem sei er nach dem Attentat vom 20. Juli zum Selbstmord gezwungen worden. „Insofern kann die Erinnerung an Rommel zum Nachdenken über die Grenzen von Befehl und Gehorsam anregen“, sagte Tuchel der Bild-Zeitung. Warum das Ausbildungszentrum Infanterie der Bundeswehr das Rommel-Wandbild nun trotzdem übermalen ließ, ist unklar. Eine Anfrage der JF blieb bislang unbeantwortet.

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> Die JUNGE FREIHEIT will den jüngsten Bildersturm in deutschen Kasernen dokumentieren. Sind Sie Soldat oder Angestellter der Bundeswehr, dann berichten Sie uns von solchen Fällen. Informieren Sie uns – auch anonym – über online@jungefreiheit.de, über Facebook, oder auf dem Postweg: Redaktion JUNGE FREIHEIT, Hohenzollerndamm 27a, 10713 Berlin.

Letzte Rotkreuzflagge vor dem zerstörten Berlin 1945 Fotos: privat/picture alliance

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