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Motiv von der Seite deutschland-kann-das.de Foto: Bundesregierung
Neues Projekt der Bundesregierung

Integrationswerbung kostet Millionen

Die Bundesregierung glaubt fest daran, daß die Integration von Flüchtlingen gelingen kann. Dazu brauche es nur guten Willen von beiden Seiten – Asylsuchenden sowie Noch-Mehrheitsgesellschaft – und Geld. Viel Geld. Dann, so die Bundesregierung, kann Deutschland das.

Und weil die Bundeskanzlerin und ihre Minister fest an das Gelingen glauben, haben sie vergangenen Freitag ein neues Internetportal ins Leben gerufen. Titel: deutschland-kann-das.de. Auf dem Online-Portal werden Asylsuchende präsentiert, die als Beispiel für gelungene Integration dienen sollen.

So wie Abdullah Mohamed aus Syrien, der über die Türkei und Griechenland nach Deutschland kam und nun im bayerischen Garmisch-Partenkirchen in einer Werkstatt eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker macht.

„Führerscheinvorbereitungen für Flüchtlinge“

Oder die 25jährige Siba Wardeh, studierte Chemikerin und ebenfalls aus Syrien, die per Familiennachzug ihrem Mann ins bayerische Hof folgte und dort nun als Altenpflegerin in einen Seniorenheim arbeitet. Zwei beeindruckende Fälle, von mehr als einer Million Asylsuchenden, die allein 2015 ins Land kamen.

Daneben bietet das Internetportal eine Deutschlandkarte mit mehr als 200 Initiativen und Projekten, die sich um Flüchtlinge und deren Integration kümmern. Von gemeinsamen Kochabenden, einem „Erzählcafé für Flüchtlinge“, Sprachkursen, Sport- und Freizeitangeboten, „Führerscheinvorbereitungen für Flüchtlinge“, Patenschaften für Flüchtlinge, einem Flüchtlingsradio für Zuwanderer, „Welcome Dinner“ (Möglichkeit, Flüchtlinge mit einem Abendessen willkommen zu heißen), bis „Bunte Gärten“ (Ehrenamtliche betreiben gemeinsam mit Flüchtlingen ein Gartenprojekt).

Die Projektliste enthält so ziemlich alles, was es braucht, um Flüchtlingen ihren Aufenthalt beziehungsweise ihr „Ankommen“ in Deutschland so angenehm wie möglich zu gestalten.

Kosten für Portal noch unklar

Der dritte Bereich der Internetseite bietet Informationen über die Integrations- und Asylpolitik der Bundesregierung. Apps wie „Willkommen bei Freunden“ oder den „Wegbegleiter für Flüchtling“, beantwortet Fragen zum Asylverfahren und gibt Hilfestellung bei Behördengängen oder der Arbeitsvermittlung.

Die Internetseite ist durchgehend auf Deutsch gehalten. Asylsuchende und Einwanderer, die der deutschen Sprache nicht so mächtig sind wie die porträtierten Musterbeispiele, können auf eine Version in „einfacher Sprache“ zurückgreifen. Aber auch hierfür sind Deutschkenntnisse eine zwingende Voraussetzung.

Die Bundesregierung hat sich das Integrationsportal einiges kosten lassen. Wie viel genau, ist noch nicht endgültig geklärt. Ein Sprecher des Bundespresseamts teilte auf Anfrage der JUNGEN FREIHEIT mit: „Die Gesamtkosten stehen noch nicht abschließend fest.“ Auch über die bisher entstandenen Kosten ließen sich zum jetzigen Zeitpunkt des Projekts noch keine belastbaren Aussagen treffen.

Fast vier Millionen Euro für Werbeanzeigen

Um die Bekanntheit des Projekts zu steigern, wurde eine PR-Kampagne in Auftrag gegeben. Diese sei im wesentlichen von den Agenturen „Scholz & Friends“, „Materna“ und „Carat“ entwickelt worden. Es sei üblich, daß die Bundesregierung bei solch umfangreichen Projekten mit ihren Rahmenvertragsagenturen zusammenarbeite, erläuterte der Sprecher.

Als Teil der Werbekampagne sollen nun in den kommenden Wochen Anzeigen in Zeitungen, Zeitschriften und Online-Portalen geschaltet werden. Auch Großflächenplakate sind vorgesehen. Allein die Schaltung der Anzeigen kostet laut Bundespresseamt „knapp 3,75 Millionen Euro“.

Die Medien werden dabei nach Zielgruppen und Reichweite ausgewählt. Um hierbei die richtige Auswahl zu treffen, läßt sich die Regierung von einer Medienagentur beraten. Auch mit dieser habe man einen „Rahmenvertrag“ geschlossen.

Viel Geld, aber auch viele Jobs. Doch Integration gibt es eben nicht zum Selbstkostenpreis. Damit sie gelingt, so die Bundesregierung in ihrer Pressemitteilung zum Start des Online-Portals, seien eben „gemeinsame Anstrengungen“ notwendig.

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