Asylbewerber-Mord

Tatverdächtiger lenkte Verdacht auf Pegida

DRESDEN. Der mutmaßliche Mörder von Khaled I. hat offenbar gezielt versucht, einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat zu konstruieren. Der mittlerweile geständige Mitbewohner von Khaled I., der 26 Jahre alte Hassan S., hatte gegenüber Medien von einer großen Furcht berichtet, in der angeblich die siebenköpfige Wohngemeinschaft von Asylbewerbern aus Eritrea seit den Pegida-Demonstrationen lebe. „Wir haben solche Angst“, sagte Hassan S. damals der Tagesschau.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete nach einem Besuch der Asylbewerber-WG: „Feindselige Blicke oder Beschimpfungen hätten sie auch schon vor den Pegida-Aufmärschen erlebt, doch in den vergangenen Wochen sei die Stimmung immer bedrohlicher geworden, sagen sie.“ Bei diesen Schilderungen, die ein fremdenfeindliches Tatmotiv nahelegten, tat sich der nun hauptverdächtige Hassan S. besonders hervor. So heißt es weiter:

„Hassan S. kritzelt ein Hakenkreuz auf einen Zettel, da ihm das arabische Wort für dieses Symbol nicht einfällt: ‘Sowas haben sie uns schon vorher immer wieder auf die Türen geschmiert. Unsere Betreuer haben uns gesagt, daß wir aufpassen sollen.’“ Passanten seien ihnen bei einem Gang zur Moschee vor dem Vorfall feindlich begegnet. Von einer Umquartierung halte er nichts. „Wir wollen hier alle einfach nur weg, egal wohin, Hauptsache weg aus dieser Stadt.“

Lobbyorganisationen sahen bereits „erstes Pegida-Opfer“

Mehrere Lobbyorganisationen haben gleichfalls einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat nahegelegt. „Gerade in diesem Moment des Schocks und der Trauer ist es wichtig, daß Dresden zu ihren Flüchtlingen hält“, heißt es in einer mittlerweile gelöschten Pressemitteilung des Islamischen Zentrums Dresdens. „Für viele Asylbewerber und Migranten scheint sich die Angst vor einem rassistisch motivierten Mord zu bestätigen.“ Auf einer Veranstaltung sprachen Vertreter des Vereins laut Tagesschau von Khaled als „erstem Pegida-Opfer“.

Der Geschäftsführer der Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt in Dresden, Robert Kusche, schilderte die Stimmung unter den Asylbewerbern nach dem Vorfall gegenüber der taz als „bedrückt und ängstlich“: „Sie machen sich Sorgen, daß sie die nächsten sind.“ In einer Pressemittelung heißt es: „Wir hoffen nicht, daß Khaled das erste Todesopfer der rassistischen Mobilisierung der letzten Monate ist. In der derzeitigen Stimmung in Dresden haben wir eine Zunahme rassistischer Angriffe feststellen müssen.“

„Rache für Khaled“

Auch der Fachreferent im Kulturbüro Sachsen, Michael Nattke, zog nach dem Mord eine Verbindung zu den Montags-Demonstrationen der Pegida. „In Dresden gibt es starke Anfeindungen gegenüber Asylsuchenden, insbesondere an Montagen“, wußte Nattke gegenüber der taz zu berichten. An den Demonstrationen nehme eine „vierstellige Anzahl von organisierten Neonazis mit einem unheimlichen Aggressionspotential“ teil. In seinem Büro sei man an jedem Montag überrascht, „an dem es nicht zu einer krassen Gewalttat kommt“.

Bei den zahlreichen Gedenkveranstaltungen für den ermordeten Asylbewerber in Dresden, Leipzig, Potsdam und Berlin wurden Slogans wie „Rassismus tötet“, „Rache für Khaled“ oder „Wir sind Khaled“ skandiert. Auch Hassan S. trat mit seinen Mitbewohnern bei einer Veranstaltung auf. Auf Abbildungen sind diese mit übergroßen Fotos von Khaled I. zu sehen. Hassan S. befindet sich derzeit wegen Verdachts des Totschlags in Untersuchungshaft.

Über das Motiv der Tat herrscht derzeit noch Unklarheit. Die Staatsanwaltschaft spricht allgemein von einem „Streit über die Haushaltführung“. Laut dem Nachrichtenportal MoPo24 heißt es aus Ermittlerkreisen, es handele sich vermutlich um eine Beziehungstat. Eifersucht habe eine Rolle gespielt. Wie der Spiegel unter Berufung auf Obduktionsergebnisse berichtet, habe das Opfer zur Tatzeit unter massivem Drogeneinfluß gestanden. (FA)

Gedenkveranstaltungen für Khaled I.: Der Mörder lief mit Foto: picture alliance / dpa

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