Bernd Lucke und Hans-Olaf Henke
Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel (2014): Kritik am neuen Bundesvorstand Foto: dpa

Nach dem Parteitag
 

AfD: Weckruf-Anhänger attackieren neuen Bundesvorstand

BERLIN. Die Vorsitzende des Vereins „Weckruf 2015“ innerhalb der AfD, Ulrike Trebesius, hat die neue Bundesvorsitzende der Partei, Frauke Petry, scharf kritisiert. „Wer sich mit den Rechten ins Bett legt, darf sich nicht wundern, wenn er mit ihnen aufwacht“, sagte Trebesius.

Der Verein, der auf dem Parteitag den Anhängern von Petry unterlegen war, kündigte zudem auf Facebook eine Onlinebefragung an, wie es nun weitergehen solle. Derzeit gebe es drei Optionen:


– Aus der AfD austreten und sich damit abfinden, daß wir gescheitert sind.

– Aus der AfD austreten (möglichst gleichzeitig in einer koordinierten Aktion) und die Partei mit neu errichten (d. h. Neugründung auf der Basis der gültigen AfD-Programmatik).

– In der AfD zu „überwintern“, bis sich der Wind vielleicht dreht und politische Arbeit im Rahmen des Weckrufs zu machen.


Starbatty kündigt Austritt an

Die Umfrage soll demnach am Montag abend fertig sein. „Es fällt schwer, die AfD jetzt noch gegen Vorwürfe des Rechtspopulismus in Schutz zu nehmen – sowohl personell als auch inhaltlich“, heißt es von dem Verein weiter. Die AfD sei nun auf dem Weg zu einer „reinen Protestpartei“.

Der Weckruf monierte: „Wir haben erleben müssen, wie die Rede von Bernd Lucke immer wieder im Stile der Antifa von Buhrufen und Pfiffen unterbrochen wurde. Wir haben teilweise Haß erlebt, den wir nie für möglich gehalten hätten.“ Während des Parteitages waren sowohl Petry als auch Lucke von Anhängern des jeweils gegnerischen Lagers ausgepfiffen worden.

Bereits am Sonntag kündigte der AfD-EU-Abgeordnete Joachim Starbatty seinen Austritt aus der AfD an. „Ich werde austreten – aber nicht sofort“, sagte er dem Schwäbischen Tagblatt. Die AfD sei nicht mehr seine Partei. In einer neuen Partei werde er sich allerdings nicht mehr engagieren.

Henkel rückt Petry in die Nähe der NPD

Auch der Weckruf-Mitinitiator Hans-Olaf Henkel kündigte am Sonntag seinen Parteiaustritt an. Den neuen Bundesvorstand rückte der ehemalige Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) in die Nähe der NPD. „Diese Leute führen die AfD in eine ‘NPD-im Schafspelz‘“.

Henkel behauptete, die Abstimmung über den Parteichef, bei der Lucke seiner Konkurrentin Petry mit 38 zu 60 Prozent unterlegen war, habe den „Wunsch der Basis praktisch auf den Kopf gestellt“. Er berief sich dabei auf eine angeblich „repräsentative Umfrage unter den AfD-Mitgliedern“, bei der 60 Prozent für Lucke als alleinigen Parteichef gestimmt hätten. Die entsprechende Forsa-Befragung war jedoch nicht unter „AfD-Mitgliedern“, sondern grundsätzlichen AfD-Sympathisanten abgehalten worden.

Petry weist Vorwürfe zurück

Petry wies die Vorwürfe unterdessen zurück. In einer E-Mail an die Mitglieder schrieb sie: „Bitte lassen Sie sich nicht von den aktuellen Presseberichten irritieren, die uns einmal mehr ins politische Abseits stellen wollen.“ Petry rief die Mitglieder auf, dem neuen Vorstand bis Ende des Jahres Zeit zu geben „um den Nachweis zu erbringen, daß wir unsere AfD inhaltlich und organisatorisch auf Kurs halten werden.“

>> Überblick über den Verlauf des Parteitages

Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel (2014): Kritik am neuen Bundesvorstand Foto: dpa
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