Junge Alternative

AfD: Richtungsstreit greift auf Parteinachwuchs über

BERLIN. Nach der Wahl eines neuen Bundesvorstandes haben mehrere Mitglieder ihren Austritt aus der AfD-Nachwuchsorganisation „Jungen Alternative“ (JA) erklärt. Ein im Internet verbreitetes Austrittsschreiben wurde bislang von 40 JA-Mitgliedern unterzeichnet, unter anderem von den beiden ehemaligen Bundesvorsitzenden Philipp Meyer und Philipp Ritz.

„Mit Sorge beobachten wir die Entwicklung in weiten Teilen der Jungen Alternative für Deutschland“, heißt es in dem Schreiben. Darin wird in Zweifel gezogen, daß die Jugendorganisation „noch alle wesentlichen Strömungen“ in der AfD abdecke.

Innerhalb der JA hätten „Fundamentalisten“ die Oberhand gewonnen. Diese akzeptierten lediglich Standpunkte, die ihre eigenen Positionen untermauerten oder verschärften. „Gemäßigtere oder differenzierte Standpunkte werden von ihnen als ‘zu angepaßt’ abgelehnt“, beklagen die Unterzeichner. In der JA sei eine political correctness von rechts entstanden. „Wir wollen und können die Entwicklung in der JA so nicht mehr mittragen“, sagte Ex-JA-Chef Meyer der JUNGEN FREIHEIT.

„Mischung aus Identitärer Bewegung und Front National“

Anlaß für den kollektiven Austritt ist der am vergangenen Wochenende im hessischen Karben gewählte neue Bundesvorstand. Die JA wird künftig gemeinsam vom baden-württembergischen JA-Chef Markus Frohnmaier und dem Landesvorsitzenden von Nordrhein-Westfalen, Sven Tritschler, geführt. Vor allem Frohnmaier gilt in der AfD als wichtiger Vertreter des nationalkonservativen Flügels mit guten Kontakten zum Thüringer Partei- und Fraktionschef Björn Höcke.

Gegen Höcke läuft derzeit ein vom Bundesvorstand angestrengtes Amtsenthebungsverfahren wegen seiner angeblich unzureichenden Abgrenzung zur NPD. Unmittelbar vor dem JA-Kongreß war der bisherige Bundesvorsitzende Philipp Meyer vom Länderkonvent des AfD-Nachwuchs von seinem Amt suspendiert worden, nachdem er sich in mehreren Interviews kritisch über Höcke geäußert hatte.

Nach Ansicht des ehemaligen JA-Chefs Ritz habe der Höcke-Flügel in der Jugendorganisation mittlerweile eine deutliche Mehrheit. „In letzter Konsequenz befindet sich die JA nun auf einem Kurs, der letztlich eine Mischung aus Identitärer Bewegung und Front National erwarten läßt. Das ist für Nationalliberale wie mich, vor allem aber für Wertkonservative und Liberale nicht tragbar“, erläuterte er gegenüber Ritz der JF. Er hatte den Parteinachwuchs bis Februar geführt.

„Sturm im Wasserglas“

Der JA-Bundesvorsitzende Markus Frohnmaier wies dagegen den Eindruck zurück, die Jugendorganisation ergreife im Richtungsstreit innerhalb der AfD Partei. „Mein Co-Vorsitzender Sven Tritschler und ich sind uns einig, daß die JA nicht der verlängerte Arm eines Parteiflügels werden darf. Wir sind die Vertretung der Jungen. Nicht mehr und nicht weniger“, sagte er der JF. Die JA sei auch weiterhin für Liberale offen.

Es gebe zudem keine Austrittswelle, sondern lediglich einen „Sturm im Wasserglas“. „Hier versuchen sich einige Enttäuschte, als verstoßene Liberale zu inszenieren“, kritisierte Frohnmaier. Unter denen, die das Schreiben unterzeichnet hätten, seien neben Querulanten und Karteileichen auch Personen, die noch nie Mitglied der JA gewesen seien. „Es handelt sich also insgesamt um alles andere als einen Verlust – im Gegenteil, wir freuen uns, daß wir uns nun endlich frei von ständigen Querschüssen ganz der politischen Arbeit widmen können“, bekräftigte der JA-Chef.

Meldungen, daß mittlerweile bis zu zehn Prozent der 800 Mitglieder der AfD-Nachwuchsorganisation den Rücken gekehrt hätten, bezeichnete Frohnmaier als völlig falsch. (ms)

Ex-JA-Chef Philipp Ritz warnt vor einem Rechtsruck des AfD-Nachwuchses Foto: picture alliance/dpa

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