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Holger Apfel
Holger Apfel: Der Kampf um die Nachfolge hat bereits begonnen Foto: picture alliance/dpa

„Burn-Out“
 

NPD-Chef Holger Apfel tritt zurück

DRESDEN. Der NPD-Vorsitzende Holger Apfel ist am Donnerstag zurückgetreten. Gleichzeitig legte er sein Amt als Chef der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen nieder. Als Grund gab die Partei eine „schwere Krankheit“ des 42jährigen an. „Es geht in Richtung Burn-out“, sagte Pressesprecher Frank Franz der JUNGEN FREIHEIT. Sein Landtagsmandat werde Apfel jedoch vorerst behalten.

Seine bisherigen Aufgaben im Bundesvorstand sollen kommissarisch die drei stellvertretenden Parteivorsitzenden Udo Pastörs, Frank Schwerdt und Karl Richter übernehmen. „Das Parteipräsidium wird am kommenden Sonntag in einer Sondersitzung über notwendige Schritte beraten“, erläuterte Franz. Über den neuen Parteivorsitzenden muß ein Parteitag entscheiden. Wer neuer Fraktionschef im sächsischen Landtag werden soll ist noch unklar.

Interne Querelen und Finanzprobleme

Apfel hatte sich Ende 2011 in einer Stichwahl gegen den bisherigen Parteichef Udo Voigt durchgesetzt. Auch ihm war es jedoch nicht gelungen, die internen Querelen zu beenden. Neben dem nun angelaufenen Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht kämpft die Partei zudem um das finanzielle Überleben. Wegen Fehlern im Rechenschaftsbericht im Jahr 2007 wurde die Partei zu einer Strafzahlung von 1,27 Millionen Euro verurteilt. Das Geld wird ihr von der staatlichen Parteienfinanzierung abgezogen. Die Mitgliederzahl war nach Angaben des Verfassungsschutzes seit 2011 von 6.300 auf 6.000 gesunken.

Apfels Vorgänger als Parteivorsitzender, Voigt, zeigte sich gegenüber der JF „etwas schockiert“ über die Vorgänge. Er habe allerdings bereits bei einer Weihnachtsfeier der Partei in der vergangenen Woche den Eindruck gehabt, daß Apfel nicht in der besten Verfassung sei, sagte er. „Er machte einen ziemlich fertigen Eindruck und wirkte resigniert.“ Apfel habe zu ihm gesagt, er habe sich die Zeit seit seinem Amtsantritt anders vorgestellt. Doch dann hätten ihn interne Querelen, das neue Verbotsverfahren, die schwierige finanzielle Situation der Partei so wie die NSU-Affäre desillusioniert.

Voigt schließt Rückkehr an Parteispitze nicht aus

Voigt ließ offen, ob er nochmals seinen Hut in den Ring um den Parteivorsitz werfen werde. Derzeit habe er keine entsprechenden Ambitionen. „Mit einem Lebensalter von 60 Jahren habe ich keine große Lust, mich wieder mit Intrigen herumzuschlagen.“ Wenn er jedoch zur Einigung der Partei beitragen könne, werde er sich dem nicht entziehen. Derzeit wolle er sich aber zuerst auf seine Kandidatur um den ersten Listenplatz zur Europawahl konzentrieren und so der Partei helfen.

Die Nominierung der NPD-Kandidaten findet am 18. Januar statt. Neben Voigt bewirbt sich auch der Fraktionschef von Mecklenburg-Vorpommern und stellvertretende Parteivorsitzende, Udo Pastörs, um den ersten Listenplatz. Ebenfalls Anspruch auf Platz eins angemeldet hat der bayerische Landesvorsitzende und Bundes-Vize Karl Richter. (ho/krk)

Holger Apfel: Der Kampf um die Nachfolge hat bereits begonnen Foto: picture alliance/dpa
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