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Euro-Krise
 

Euro-Krise: Sarrazin attackiert Schäuble

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Thilo Sarrazin während der Vorstellung seines Buches „Deutschland braucht den Euro nicht“ Foto: JF

BERLIN. Der frühere Berliner Finanzsenator und Ex-Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für dessen Verhalten in der Euro-Krise scharf kritisiert. Er habe das Gefühl, die Mehrheit der Politiker erfasse die aktuellen Probleme nicht in ihrer ganzen Dimension.

Schäuble, als einer der zentralen Akteure, gebe sich wie eh und je und predige dasselbe wie in den neunziger Jahren, sagte Sarrazin im Interview mit finanzen.net. „Der ist ein Kind der fünfziger Jahre und glaubt tief an die Notwendigkeit der europäischen Integration und an die Überwindung der Nationalstaaten. Dafür sieht er den Euro als zentral an. Die riesigen Kosten dafür scheint er aber genauso in Kauf zu nehmen, wie ein Feldherr unter Friedrich II. in Kauf genommen hat, daß in einer Schlacht 30 Prozent seiner Soldaten fielen. Für mich ist er eine Fehlbesetzung als Finanzminister in der heutigen Zeit.“

Kritik auch an Merkel

Auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fand Sarrazin wenig lobende Worte: „Sie ist schwer zu beurteilen – wie ein rätselhaftes Tier, das man noch nicht erforscht hat.“ Merkel halte sich extrem bedeckt, äußere sich nur zu ihren jeweils nächsten zwei, drei Schritten und lasse kein Konzept erkennen, kritisierte Sarrazin. „Sie formuliert zwar vorsichtig richtige Prinzipien, zahlt dann aber quasi vorab Belohnungen aus der deutschen Kasse für Versprechungen anderer EU-Regierungen auf ein künftig besseres Verhalten. Das halte ich für einen Fehler, zumal viele Versprechen gebrochen werden.“

Die Wahrscheinlichkeit, daß Griechenland in den nächsten zwölf Monaten aus dem Euro ausscheidet, liegt nach Ansicht des ehemaligen Bundesbank-Vorstandsmitglieds bei 60 bis 70 Prozent. Gravierende Folgen für die deutsche Wirtschaft hätte dies seiner Meinung nach aber nicht.

Die privaten Banken wären wenig davon betroffen. Griechische Staatsanleihen lägen vor allem bei den Staatsbanken Commerzbank und Hypo Real Estate. „Für unsere Exporteure spielt das Land ebenfalls keine große Rolle. Der beste Exportkunde ist ohnehin nicht der, der am meisten bestellt, sondern der, der auch bezahlt. Insofern wäre Griechenland nach einem Euro-Austritt und einem harten Anpassungsprozeß über vielleicht drei bis fünf Jahre ein besserer Geschäftspartner als heute“, sagte Sarrazin. (krk)

> Empfehlung des JF-Buchdiensts: Thilo Sarrazin: Deutschland braucht den Euro nicht

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