Joachim Kuhs
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Vertriebenenstiftung
 

Pressemitteilung zu Vertriebenenstiftung gefälscht

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Eine (echte) Ente: „ungeheuerlich“ Foto: Pixelio/Jürgen Mala

BERLIN. Die Deutsche Presseagentur (dpa) hat am Dienstag eine Meldung über das geplante Vertriebenenzentrum verbreitet, die auf einer gefälschten Pressemitteilung beruhte. Darin war behautet worden, der Beirat der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung werde „um drei Personen mit aktuellem Flüchtlingshintergrund“ erweitert.

In der Meldung sei weiterhin behauptet worden, daß diese Erweiterung auf eine Anregung von Bundespräsident Horst Köhler zurückgehe. Der habe angeblich gefordert, „die Stiftung nicht zu einem Schaustück der Ignoranz verkommen zu lassen, sondern die historische Chance zu nutzen, etwas für die weltweit über 20 Millionen Flüchtlinge zu tun“.

Die Deutsche Presseagentur hatte laut einem Bericht des Handelsblatts zunächst keine Zweifel an der Authentizität des Schreibens. Als Kontaktperson des Absenders sei ein „Dr. Robert Eckhäuser“ angegeben.

Direktor entlarvt Fälschung

Erst später habe der Direktor der Bundesstiftung, der Historiker Manfred Kittel, die behauptete Umstrukturierung zurückgewiesen und so die Fälschung kenntlich gemacht. Die von den Urhebern verwendete Internet-Seite www.bundesstiftung-fluchtvertreibung.de ist dem Handelsblatt zufolge auf den Namen des Berliner Aktionskünstlers Philipp Ruch registriert.

Mit der gefälschten Mitteilung wollte man „die Stiftung mit dem unrühmlichen Kulturstaatsminister Bernd Neumann aus der Vergangenheit in die Gegenwart zurückkatapultieren, wo es um die Anteilnahme am gegenwärtigen Schicksal von Millionen dezidiert nicht-deutscher Flüchtlinge geht“, heißt es im Internet-Blog Netzpolitik.org.

Dort heißt es außerdem, die Redakteure der dpa seien offenbar nicht über die dem Bundespräsidenten zugeschriebene Aussage gestolpert, wonach die derzeitige Stiftung ein „Schaustück der Ignoranz“ sei.

„Kriminelle Energie“

Erst im September dieses Jahres hatte die dpa einen vermeintlichen Selbstmordanschlag in einer kalifornischen Kleinstadt gemeldet, die jedoch gar nicht existiert.

Der Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus Brähmig, nannte die am Dienstag aufgetauchte Pressemitteilung unter falschem Namen „ungeheuerlich“.

Die Gegner des Vertriebenenzentrums „schrecken selbst vor drastischen Fälschungen nicht zurück“, um das Vorhaben „mit krimineller Energie zu torpedieren“. Brähmig bekräftigte dabei die Notwendigkeit, mit der Bundesstiftung den Betroffenen einen Ort des Gedenkens zu geben. (vo)

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