NEW YORK. Der US-amerikanische Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat sich nach Ansicht eines an der Autopsie beteiligten Arztes nicht selbst getötet. Der bekannte Gerichtsmediziner Michael Baden erklärte in einem Interview mit der britischen Zeitung The Telegraph, die Befunde sprächen eher für eine Strangulation als für einen Suizid durch Erhängen.
Epstein war 2019 tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden. Offiziell wurde sein Tod als Selbstmord gewertet. Baden, der nach eigenen Angaben als Beobachter bei der Autopsie anwesend war, hält diese Einschätzung bis heute für falsch.
„Meiner Meinung nach wurde sein Tod höchstwahrscheinlich durch Strangulation und nicht durch Erhängen verursacht“, sagte der 91jährige Pathologe. Zur Begründung verweist Baden auf mehrere Brüche an der Halswirbelsäule, die er in Jahrzehnten beruflicher Erfahrung bei einem Suizid durch Erhängen nach eigener Aussage nie gesehen habe. Auch die in der Zelle gefundene Schlinge passe nicht zu den festgestellten Verletzungen. Die Autopsiebefunde deuteten vielmehr auf eine Quetschverletzung durch Fremdeinwirkung hin.
Epsteins Tod galt erst als ungeklärt
Zusätzliche Zweifel nährt eine zeitweise geänderte Einstufung der Todesursache. Eine später veröffentlichte Fassung des Obduktionsberichts führte den Tod Epsteins zeitweise als „ungeklärt“. Erst danach erklärte die damalige leitende Gerichtsmedizinerin Barbara Sampson, Epstein sei durch Erhängen gestorben. Laut Baden sei sie bei der Autopsie selbst nicht anwesend gewesen.
Der Fall Epstein sorgt bis heute für Spekulationen. Auch Unklarheiten bei Überwachungsvideos aus dem Gefängnis (die JF berichtete) sowie die Rolle des Justizministeriums haben Verschwörungstheorien begünstigt. Baden fordert nun erneut, die Todesursache und die Umstände des Todes unabhängig zu überprüfen. (rr)






