LISSABON. Erstmals in der Geschichte Portugals wollen die konservativen und Mitte-Links-Parteien einem linken Kandidaten zur Präsidentschaft verhelfen – um zu verhindern, daß der Kandidat der rechten Chega, André Ventura, die Wahl gewinnen könnte. Mehrere prominente Politiker der Mitte-Rechts-Partei Aliança Democrática sowie der Sozialdemokraten kündigten an, den ehemaligen Generalsekretär der Sozialistischen Partei, António José Seguro, bei der Stichwahl um das Präsidentenamt am 8. Februar (JF berichtete) unterstützen zu wollen, berichtet Politico.
So teilten etwa der ehemalige Präsident und Premierminister Aníbal Cavaco Silva (Sozialdemokraten), der ehemalige stellvertretende Premierminister Paulo Portas (Centro Democrático e Social – Partido Popular) sowie der ehemalige EU-Kommissar für Forschung und derzeitige Bürgermeister von Lissabon, Carlos Moedas (Sozialdemokraten), mit, für Seguro stimmen zu wollen. Mehrere Tausend Personen stimmten diesem Vorhaben in einem offenen Brief zu.
In der ersten Wahlrunde am 18. Januar hatte Seguro mit mehr als 31 Prozent den ersten Platz und Ventura mit 23,5 Prozent den zweiten Platz belegt. Obwohl Ventura nach Umfragen nur eine geringe Chance habe, die Wahl zu gewinnen, verkündeten die Konservativen, mit der Wahl des linken Kandidaten ihr Bekenntnis zu demokratischen Werten unterstreichen zu wollen.
Portugal, 99.4% of polling stations counted:
Presidential election, first round today
Seguro (PS-S&D): 31.1% (+0.4)
Ventura (CH-PfE): 23.4% (-0.6)
Cotrim (IL-RE): 16.0% (+0.3)
Gouveia e Melo (*): 12.3%
M. Mendes (*-EPP): 11.4% (-0.4)
Martins (BE-LEFT): 2.1% (+0.1)
Filipe… pic.twitter.com/uE1cxHvRUs— Europe Elects (@EuropeElects) January 18, 2026
Sozialdemokratischer Premierminister will keinen Kandidaten unterstützen
Einer der Unterzeichner des offenen Briefes, der Politikberater Henrique Burnay, sagte, es müsse „eine rote Linie zwischen liberalen und illiberalen Kräften“ gezogen werden. Die „demokratischen und liberalen Werte der Mitte-Rechts-Partei“ hätten „nichts mit den Positionen zu tun, die die radikale Rechte vertritt“. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Sozialdemokraten, Luís Marques Mendes, sagte, er werde für Seguro stimmen, weil dieser der „einzige Kandidat“ sei, der für Werte wie „Verteidigung der Demokratie, Raum für Mäßigung und Respekt vor dem Ansinnen, alle Portugiesen zu vertreten“, stehe.
Ausgerechnet der sozialdemokratische Premierminister Luís Montenegro weigert sich hingegen, einem der beiden Kandidaten seine Unterstützung auszusprechen. Während einer Sitzung des portugiesischen Parlaments kritisierten verschiedene Abgeordnete ihn dafür. Montenegro könne sich offenbar nicht zwischen einem „Demokraten“ und jemandem entscheiden, der „das demokratische System beenden“ wolle.
Der portugiesische Politikwissenschaftler vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Lissabon, António Costa Pinto, betonte, daß die Einheitsfront dem rechten Kandidaten paradoxerweise sogar nützen könnte. „Dadurch kann Ventura sein Image als Anti-Establishment-Anführer, der das Volk vertritt und gegen die Eliten kämpft, stärken.“ Solange er bei der Stichwahl zwischen 35 Prozent und 40 Prozent der Stimmen erhalte, „also mehr als die 32 Prozent, die Premierminister Luís Montenegro bei den Parlamentswahlen im letzten Jahr erzielt hat“, könne er für sich beanspruchen, Anführer der portugiesischen Rechten zu sein. (lb)





