ROCHDALE. Der Anführer einer pakistanischen „Grooming Gang“ aus dem nordenglischen Rochdale, Shabir Ahmed, ist trotz Protesten seiner Opfer aus dem Gefängnis entlassen worden. Der Mann, der 2012 wegen zahlreicher Vergewaltigungen Minderjähriger zu 22 Jahren Haft verurteilt worden war und seine britische Staatsbürgerschaft verlor, verließ am Donnerstag die Justizvollzugsanstalt in Leeds. Aufgrund einer Gesetzeslücke darf er zudem nicht nach Pakistan abgeschoben werden. Stattdessen soll er in einer Wohneinrichtung unter polizeilicher Aufsicht fernab von Rochdale leben und eine GPS-Fußfessel tragen, berichtet das Boulevardblatt The Sun.
Kritik an seiner Entlassung kam von den Opfern. „Uns wurden falsche Versprechen gemacht“, beklagte eine anonyme Frau gegenüber dem Fernsehsender ITV. Der 73jährige Pakistaner sei in der Gegend bekannt. „Auch wenn er nicht dort ist, kennt er dort trotzdem Leute und hat die Möglichkeit, mit ihnen zu sprechen. Das gibt mir ein unsicheres Gefühl.“ Das Opfer wird derzeit von der Maggie-Oliver-Stiftung betreut, die sich um die durch „Grooming Gangs“ Missbrauchten kümmert.
Auch die Belastungszeugin und Ex-Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, Sara Rowbotham, warnte vor den Konsequenzen. „Ich mache mir wirklich Sorgen, dass ich ihn aus einer örtlichen Haftunterkunft in der Nähe meines Hauses herauskommen sehen werde. Wenn ich das verspüre, wie soll es dann den Frauen gehen, die er missbrauchte?“, sagte sie dem Guardian.
Labour und Tories fordern Konsequenzen
Ahmed war 1967 aus Pakistan nach Großbritannien gekommen. Da sein Herkunftsland als ehemalige britische Kolonie Mitglied des Commonwealth of Nations ist, gelten für ihn einige Privilegien gegenüber anderen Migranten. Laut dem bis heute geltenden Einwanderungsgesetz aus dem Jahr 1971 dürfen Commonwealth-Staatsbürger, die vor 1973 fünf Jahre lang in Großbritannien gelebt hatten und damals nicht abgeschoben werden sollten, uneingeschränkt im Land bleiben.
Der potentielle Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, Andy Burnham, forderte die Regierung dazu auf, alle Rückführungsoptionen zu prüfen. „Wie jeder andere möchte auch ich, dass dieser abscheuliche Verbrecher das Land verlässt. Die Opfer müssen an erster Stelle stehen“, schrieb der linke Unterhausabgeordnete auf dem Kurznachrichtendienst X. Tory-Chefin Kemi Badenoch kündigte an, eine Novelle des Einwanderungsgesetzes im Unterhaus zu beantragen, um die Abschiebung zu ermöglichen.
Ahmeds „Grooming Gang“ setzte Mädchen unter Drogen
Die aus acht Mitgliedern bestehende Bande in Rochdale hatte zwischen 2008 und 2010 operiert. Die Täter setzten Mädchen ab zwölf Jahren unter Alkohol und Drogen, um sie anschließend zu vergewaltigen und an andere Männer zu verkaufen. Ahmed forderte von den Minderjährigen zudem, ihn als „Daddy“ zu bezeichnen. Während seines Prozesses bezeichnete er die zuständige Richterin als „rassistische Schlampe“ und klagte erfolglos gegen sein Urteil vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Breit bekannt wurden „Grooming Gangs“ durch die Berichterstattung über mehrere Fälle im nordenglischen Rotherham. Von 1997 bis 2013 wurden dort mindestens 1.400 Mädchen ab 11 Jahren regelmäßig betäubt, vergewaltigt und körperlicher Gewalt ausgesetzt. Seit 2001 wussten die Labour-Stadtverwaltung und die örtliche Polizei über die Vergewaltigungsfälle Bescheid. Laut einem privat finanzierten Bericht des Unterhausabgeordneten Rupert Lowe von Restore Britain (JF berichtete) sollen ähnliche Pädophilenringe in bis zu 149 Gemeinden, Städten und Metropolbezirken des Vereinigten Königreichs operiert haben. (kuk)







