Die „Sea-Eye 4“ legt im April 2021 am Hafen von Rostock ab, um ins Mittelmeer zu fahren
Die „Sea-Eye 4“ legt im April 2021 am Hafen von Rostock ab, um ins Mittelmeer zu fahren Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

Sea-Eye
 

Deutsches Schiff bringt weitere 400 Migranten nach Italien

POZZALLO/REGENSBURG. Das deutsche Migrantenhilfsschiff Sea-Eye 4 hat erneut einen sicheren Hafen in Italien zugewiesen bekommen. Wie die Regensburger Organisation Sea-Eye mitteilte, darf die Crew mit den mehr als 400 Zuwanderern an Bord den Hafen der sizilianischen Stadt Pozzallo anlaufen.

Sea-Eye zeigte sich erleichtert, kritisierte jedoch auch, daß die Migranten, von denen 150 minderjährig seien, nun noch zwei Nächte an Bord bleiben müßten, da Pozzallo rund zwei Tage entfernt vom jetzigen Standort sei. Zuvor hatte die Sea-Eye 4 die Gewässer von Palermo erreicht und hatte dort auf die Zuweisung eines Hafens gewartet.

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Migrantenhilfsorganisationen wollen nach Europa

Nach eigenen Angaben hatte die Crew binnen vier Tagen in sechs Einsätzen 415 Personen an Bord genommen. „Liebe EU-Mitgliedsstaaten, gebt diesen Menschen jetzt Sicherheit! Sie haben ein Recht darauf“, schrieb Sea-Eye auf Twitter. Sicherheit gibt es aus Sicht der Migrantenhilfsorganisationen in der Regel nur in Europa.

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Eine Sprecherin von SOS Méditerranée, das das Schiff Ocean Viking betreibt, sagte Ende April auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT, man stelle gemäß den völkerrechtlichen Vorgaben zunächst eine Anfrage an die libyschen Behörden. Doch selbst wenn diese zusagten, die Personen auf dem jeweiligen Schiff aufzunehmen, würde die Organisation das ablehnen, betonte die Sprecherin. „Libyen ist kein sicheres Land, deshalb stellen wir anschließend Anfragen an maltesische und italienische Behörden.“ Die Erfahrung habe gezeigt, daß zuletzt eher Italien nachgegeben und die Migranten aufgenommen habe, während Malta ablehnend geblieben sei.

Verfahren gegen Carola Rackete eingestellt

Unterdessen hat ein Gericht einem Antrag der Staatsanwaltschaft von Agrigent zugestimmt, das Verfahren gegen die deutsche Kapitänin Carola Rackete einzustellen, bestätigte ein Sprecher der Organisation Sea-Watch am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Rackete war im Juni 2019 in Italien festgenommen worden, nachdem sie die Sea-Watch 3 mit Dutzenden Migranten an Bord entgegen der behördlichen Anweisungen in einen Hafen der sizilianischen Insel Lampedusa gesteuert hatte.

Für Sea-Watch hat indes auch das Hissen der „Antifa“-Flagge auf der Sea-Watch 4 Folgen. Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Celle-Klein Hehlen stellte die Kollekte für das Schiff nach anderthalb Jahren ein. „Der Kirchenvorstand bedauert zutiefst, daß durch diese einseitige und übergriffige Politisierung der humanitäre Zweck der Aktion überdeckt wird und daß offensichtlich seitens des Trägers darauf kein korrigierender Einfluß genommen wird“, schrieb die Gemeinde in einem Brief an das Aktionsbündnis „United4Rescue“, das an der Finanzierung des Schiffs beteiligt war. (ls)

Die „Sea-Eye 4“ legt im April 2021 am Hafen von Rostock ab, um ins Mittelmeer zu fahren Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck
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