Carola Rackete

Die Schlepper-Kapitänin wird zur Heldin

Der Mainstream hat eine neue Heldin. Die Texte, die deutsche Journalisten über Carola Rackete veröffentlichen, lesen sich wie schwülstige, verschwitzte Liebesbriefe eines Pubertierenden für seinen ersten großen Schwarm. Die, die da beschrieben wird, muß eine ganz Besondere sein. Stellt sie doch furchtlos die Moral über das Gesetz, „mit allen Konsequenzen“, wie es zum Beispiel der Tagesspiegel schreibt.

Das Problem ist nur: Es ist einzig und allein ihre eigene Moral, die Rackete über Recht und Gesetz stellt. Wo ein solches Denken hinführt, müßte eigentlich selbst dem naivsten Journalisten trotz aller feucht-romantischer Seeräuberinnen-Träumereien klar sein.

Rackete weiß, was sie tut

Aber jeglicher Form von Logik und Rationalität hat sich die Open-Borders-Fraktion seit jeher verschlossen. Allein die Tatsache, daß genau die Klientel, die einst erwachsene Männer mit Teddybären an den deutschen Bahnhöfen empfangen hat, jetzt Spenden sammelte, um der Tochter eines gutbezahlten Mitarbeiters der Rüstungsindustrie die Prozeßkosten zu finanzieren, zeigt deutlich, wie tiefgehend sich diese Leute mit der „guten Sache“ identifizieren.

Ihr Vater, der früher (kein Witz!) Raketen-Forscher bei der Bundeswehr war, rührt derweil kräftig die Werbetrommel für seine rebellische Tochter. Dabei betont er immer wieder, diese wisse genau, was sie tue. Eine klare Aussage, für die ihm ein Staatsanwalt wohl irgendwann einmal dankbarer sein dürfte als sein Nachwuchs selbst.

Nun ist die Schlepper-Kapitänin aber zunächst einmal wieder frei. Eine italienische Ermittlungsrichterin hat den Hausarrest gegen die 31jährige aufgehoben. Angeblich mit der sehr „neutral klingenden“ Begründung: Ein umstrittenes Sicherheitsdekret der italienischen Regierung dürfe nicht auf Rettungsaktionen angewendet werden. Wer hier von einem „tiefen Staat“ spricht, der nach eigenem Gutdünken gegen eine gewählte Regierung arbeitet, könnte wie ein Verschwörungstheoretiker klingen und dabei dennoch Recht haben.

Massiver Druck aus Deutschland

Ein Grund für die schnelle Freilassung von Rackete dürfte wohl auch der massive Druck aus Deutschland gewesen sein. Daß die Bundesregierung die Verhaftung einer deutschen Staatsbürgerin kritisch im Blick hat, ist erstmal nicht verkehrt, sondern sollte viel mehr eine Normalität sein. Vor allem, wenn der Vorwurf im Raum steht, bei der Festnahme hätten auch politische Gründe eine Rolle gespielt.

Die Verve aber, mit der die hiesige politische Elite vom Außenminister über weite Teile der Opposition bis hin zum Bundespräsidenten vom ersten Moment an für die deutsche Kapitänin in die Bresche gesprungen ist, zeugt schon von einer besonderen Verbundenheit, die weit über jeden selbstverständlichen Beistand für eine Bürgerin des eigenen Landes hinausgeht.

Schließlich war die Deutsche ja nicht etwa in Schwierigkeiten geraten, weil sie in einem Zeitungsbericht oder einem Privatgespräch einen ausländischen Staatschef kritisiert hat. Auch nicht, weil sie irgendwo ein paar harmlose Aufkleber ihrer Organisation angebracht hat. Die Sea Watch 3 ist entgegen italienischer Gesetze mit 40 illegalen Migranten an Bord in die Gewässer des Mittelmeerstaates eingedrungen, um dort, gegen den Willen des Landes und seiner Regierung, in Lampedusa anzulegen.

Ohne Rücksicht auf das Leben von Polizisten

All dies, nachdem zuvor ihre sämtlichen Erpressungsversuche gescheitert waren. Bei der Nacht-und-Nebel-Aktion kollidierte das Schiff mit einem italienischen Polizeiboot. Ob dieses nun gerammt oder lediglich „leicht gestreift“ wurde, sei dahingestellt. Beides wurde offensichtlich in Kauf genommen. Den Unterschied dürfte allenfalls der Zufall ausgemacht haben.

All dies störte die Groupies aus Politik und Medien im „Team Rackete“ allerdings nicht. Wo moralisches Süßholz geraspelt wird, da fallen eben Späne und Gesetze; und wenn es sein muß, vielleicht irgendwann auch mal ein paar Polizisten ins Wasser. Sollen froh sein, wenn sie nicht zum G20-Gipfel müssen.

Wer sich darüber empört, wird postwendend auf die vielen, bei ihrer Flucht auf hoher See ums Leben kommende Menschen verwiesen. Was ist dagegen schon der ein oder andere kleine Gesetzesbruch oder die Gefährdung der Gesundheit von Polizisten, die von dieser Klientel ohnehin als Rassisten diffamiert werden?

Es geht um mehr als 40 illegale Einwanderer

Die ertrinkenden Flüchtlinge im Mittelmeer sind für Multikulti-Ideologen das wichtigste ethische Faustpfand und Totschlagargument gegen jedes vorausschauende Denken. Daß sie mit ihren Signalen immer mehr Menschen auf den gefährlichen Weg übers Mittelmeer locken, ist ihnen entweder tatsächlich nicht bewußt oder sie nehmen diese Opfer sehenden Auges in Kauf. Das Ziel ist klar: Eine Welt ohne Grenzen. So wollen sie sich, oder zumindest uns, auch jetzt wieder einreden, daß die 40 Migranten von der Sea Watch 3 eben tatsächlich nur 40 Migranten seien, deren Aufnahme keinerlei Auswirkung auf die Auswanderungsbereitschaft der Millionen (noch) Zuhausegebliebenen habe. Natürlich auch nicht auf die Beharrlichkeit und Aggressivität, mit der illegale Einwanderer in Zukunft auf Einlaß in Europa drängen werden.

Rund ein Drittel der gewollt in Italien gestrandeten Migranten soll jetzt nach dem Willen der Bundesregierung in Deutschland aufgenommen werden. Auch die Regierungen von Frankreich, Finnland, Portugal und Luxemburg haben schon ihre Aufnahme-Bereitschaft erklärt. Ein Sprecher von Sea-Watch hat bereits die Herausgabe des Schiffes von der italienischen Regierung oder ersatzweise ein neues gefordert. Dafür wollen die Asyl-Leichtmatrosen wohl auch in den Geldtopf aus der Spendenaktion greifen, zu der deutsche Prominente ihre Fans vor der Freilassung von Carola Rackete aufgerufen hatten. Die große Show der grenzenlosen Willkommenskultur geht ohne Sinn und Verstand weiter.

Sea-Watch-3-Kapitänin Carola Rackete wird nach ihrem Anlegen in Lampedusa vorübergehend festgenommen Foto: picture alliance / Photoshot

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