Polizisten vor der Notre-Dame-Basilika, Brahim Aoussaoui
Polizisten vor der Notre-Dame-Basilika, Brahim Aoussaoui Fotos: picture alliance/Patrice Lapoirie/MAXPPP/dpa / Twitter-Screenshot / JF-Montage
Islamischer Anschlag in Kirche

Nizza-Attentäter kam als Flüchtling nach Europa

NIZZA. Der mutmaßliche islamistische Attentäter von Nizza ist vergangenen Monat als Migrant über das Mittelmeer nach Italien gekommen. Mehreren italienischen Zeitungen zufolge wurde der 21 Jahre alte Tunesier Brahim Aoussaoui am 20. September mit einer Gruppe weiterer Migranten auf Lampedusa gelandet.

Laut dem Corriere della Sera sei der Einwanderer nach zweiwöchiger Quarantäne auf einem Schiff dann nach Bari gekommen. Der dortige Präfekt wies Aoussaoui an, Italien binnen sieben Tagen zu verlassen. Allerdings sei der Tunesier nicht in ein Abschiebezentrum gekommen. Derzeit versuchten die Ermittler, den Weg des späteren mutmaßlichen Attentäters zu rekonstruieren. Polizeilich aufgefallen sei er bislang nicht. Er habe in Frankreich auch keinen Asylantrag gestellt, gab der Generalstaatsanwalt bekannt.

Drei Personen in Kirche getötet, sechs weitere verletzt

Nach derzeitigem Stand drang der Mann am Donnerstag gegen neun Uhr in die Notre-Dame-Basilika, die größte Kirche Nizzas, ein und enthauptete dort eine betende Frau mit einem Messer. Zudem tötete er den Küster auf dieselbe Weise und stach auf eine weitere Frau ein, die später ihren Verletzung erlag. Sechs weitere Personen wurden verletzt.

Polizisten schossen den Attentäter demnach nieder, bei seiner Festnahme rief er mehrfach „Allahu Akbar“. In Frankreich ermittelt die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft. Die Tageszeitung Nice-Matin berichtete am Freitag über die Festnahme eines mutmaßlichen Komplizien Aoussaouis. Der 47 Jahre alte Mann soll einen Tag vor der Tat mit dem Islamisten in Kontakt gestanden haben.

Nach dem Anschlag von Nizza: Worte oder Taten?

Zwei weitere Vorfälle in Lyon und Avignon

Nachdem am Donnerstag zwei weitere Polizeieinsätze wegen möglicher Anschläge bekannt wurden und ein Mitarbeiter der französischen Botschaft im saudi-arabischen Jeddah mit einem Messer attackiert wurde, rief die Regierung in Paris die höchste Terrorwarnstufe aus. Bei den beiden Vorfällen in Avignon und Lyon sei bislang noch unklar, ob es terroristische Hintergründe gibt, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Die Tat in Avignon könnte demnach von einem Rechtsradikalen verübt worden sein. Der Mann habe mit einem Messer oder einer Pistole in der Hand Passanten und Polizisten bedroht und wurde erschossen. In Lyon nahmen Einsatzkräfte einen Afghanen in traditionellem Gewand fest, der ein Messer bei sich gehabt haben soll.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron traf am Donnerstag nachmittag in Nizza ein. Er sagte dort, „daß ganz Frankreich attackiert wurde“. 4.000 weitere Soldaten sollen die Sicherheit im Land und insbesondere der Kirchen gewährleisten. Bislang seien 3.000 im Einsatz gewesen. Am Sonntag findet mit Allerheiligen ein hohes Fest der Katholischen Kirche statt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich „tief erschüttert über die grausamen Morde in einer Kirche“. Ihre Gedanken seien bei den Angehörigen der Getöteten und den Verletzten, teilte ihr Sprecher Steffen Seibert am Donnerstag in Berlin mit. „Der französischen Nation gilt in diesen schweren Stunden Deutschlands Solidarität.“

„Terror-Route“: Italiens Opposition kritisiert Regierung

Die konservativen und rechten Oppositionsparteien in Italien erheben unterdessen schwere Vorwürfe gegenüber der Regierung. „Die Regierung Conte muß erklären, wie es möglich ist, daß ein Fundamentalist ungestört auf Lampedusa eintrifft und nach Frankreich reist“, kritisierte die Chefin der Fratelli d’Italia, Giorgia Meloni. Italien sei zur „Terror-Route“ geworden.

Der Vorsitzende der Lega und frühere Innenminister Matteo Salvini forderte den Rücktritt seiner Nachfolgerin Luciana Lamorgese (parteilos). Das Kabinett Conte II habe die strengen Einwanderungsgesetze aufgehoben, die die Lega durchgesetzt habe. Conte müsse Frankreich eine Entschuldigung zukommen lassen. (ls)

Polizisten vor der Notre-Dame-Basilika, Brahim Aoussaoui Fotos: picture alliance/Patrice Lapoirie/MAXPPP/dpa / Twitter-Screenshot / JF-Montage

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