Polizisten stehen vor der Notre-Dame-Basilika in Nizza
Polizisten stehen vor der Notre-Dame-Basilika in Nizza Foto: picture alliance/Stéphane Geufroi/MAXPPP/dpa
Aktualisiert

Islamistischer Anschlag in Kirche: Frankreich ruft höchste Terror-Warnstufe aus

NIZZA. Nach einem islamistischen Anschlag in einer Kirche im südfranzösischen Nizza hat Frankreichs Regierung die höchste Terror-Warnstufe ausgerufen. Ein Mann hatte mit einem Messer in der Notre-Dame-Basilika im Herzen der Stadt drei Personen getötet. Zwei von ihnen seien enthauptet worden, berichtete die Zeitung Nice-Matin. Der Täter sei von der Polizei verhaftet worden. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.

Bei dem Täter soll es sich demnach um einen 21jährigen tunesischer Herkunft handeln. Bislang gebe es keine Hinweise auf Komplizen.

Der Vorfall erinnert an den islamistischen Anschlag auf den Lehrer Samuel Paty in Paris am 16. Oktober. Der Pädagoge war von einem 18jährigen Tschetschenen unter Allahu Akbar-Rufen ermordet und anschließend geköpft worden. Der Lehrer hatte Mohammed-Karikaturen im Unterricht als Beispiel für Meinungsfreiheit gezeigt und hatte dafür wütende Reaktionen von Moslems erhalten.

Vor vier Jahren hatte in Nizza ein Islamist mit einem LKW einen schweren Terroranschlag verübt. Er steuerte den Wagen über eine Promenade und tötete 86 Menschen. 400 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Im selben Jahr töteten Islamisten in einer Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray einen 86jährigen Priester. Die Täter bezeichneten sich als „Soldaten des Islamischen Staates“ und verletzten eine weitere Person lebensgefährlich.

Video zeigt Festnahme des Attentäters:

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Nizzas Bürgermeister spricht von „Islamofaschismus“

Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, schrieb auf Twitter, alles deute auf einen Terroranschlag hin. Er forderte schärfere Maßnahmen zur „Zerstörung des Islamofaschismus“. Aus Sicherheitsgründen verlangte er die Schließung aller Kirchen in Stadtgebiet.

Ein Priester der Kirchengemeinde, Gil Florini, sagte gegenüber dem Sender BFMTV, man sei im Vorfeld vor einem Anschlag gewarnt worden. „Wir wurden gewarnt, daß es zu Angriffen kommen könnte. Wir wurden zwei oder drei Tage lang gewarnt, daß es mit dem bevorstehenden Allerheiligenfest zusätzliche Angriffe geben könnte. Wir waren auf der Hut, aber wir dachten nicht, daß es so kommen würde.“

Laut französischer Radiosender rief der verhaftete Täter nach seiner Festnahme wiederholt „Allahu Akbar“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron befinde sich auf dem Weg zum Anschlagsort.

Angriff auf französisches Konsulat in Saudi-Arabien

Zu einer weiteren Attacke kam es am Donnerstag vormittag Berichten zufolge auch in Avignon. Dort soll ein Mann mit einer Pistole und einem Messer unter „Allahu Akbar“-Rufen Passanten bedroht haben. Die Polizei habe den Mann erschossen. Dem britischen Mirror zufolge habe der Mann auch Polizisten attackiert.

Kurz darauf sei es laut BBC in der Stadt Jeddah in Saudi-Arabien zu einem terroristischen Angriff auf eine französische Einrichtung gekommen. Ein Wachmann sei vor dem dortigen französischen Konsulat attackiert und verletzt worden. Der Täter konnte demnach verhaftet werden.

Tweet von Mahathir Mohamad
Tweet von Mahathir Mohamad Foto: Twitter-Screenshot

Der frühere malaysische Premierminister Mahathir bin Mohamad schrieb auf Twitter, Moslems hätten das Recht, wütend zu sein und Millionen von Franzosen zu töten für deren „Massaker in der Vergangenheit“. Der im Februar zurückgetretene Politiker ergänzte: „Aber im Großen und Ganzen haben die Moslems das Gesetz ‘Auge um Auge’ nicht angewendet. Moslems sollten das nicht. Franzosen sollten das nicht. Stattdessen sollten die Franzosen ihren Leuten beibringen, die Gefühle anderer zu respektieren.“ Twitter merkte zu einem der Einträge an, er verstoße zwar gegen die Richtlinien, es bestehe möglicherweise aber ein öffentliches Interesse, den Tweet zugänglich zu lassen. Später löschte das US-Unternehmen den Eintrag. (ag/ls)

Polizisten stehen vor der Notre-Dame-Basilika in Nizza Foto: picture alliance/Stéphane Geufroi/MAXPPP/dpa

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