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Solberg
Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg entschuldigt sich bei den „Deutschenflittchen“ Foto: picture alliance / AP Photo

73 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg
 

Norwegen entschuldigt sich bei „Deutschenflittchen“

OSLO. Die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg hat sich bei den Frauen entschuldigt, die wegen Liebesverhältnissen mit deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg mißhandelt wurden. Die Politikerin räumte am gestrigen Mittwoch ein, die Entschuldigung komme spät, meldet die Nachrichtenagentur dpa.

Als Grund gab Solberg an, bislang habe niemand in dem skandinavischen Land über das Schicksal der Frauen reden wollen. Erst in jüngerer Vergangenheit sei das Ausmaß bekannt geworden. „Die norwegischen Behörden haben den Grundprinzipien des Rechtsstaats zuwidergehandelt. Kein Bürger darf ohne Urteil oder Gesetz verurteilt werden.“

Frauen verloren norwegische Staatsbürgerschaft

Während der Besatzungszeit von 1940 bis 1945 hatten laut Schätzungen zwischen 50.000 und 100.000 Norwegerinnen Liebesbeziehungen mit deutschen Soldaten. 12.000 Kinder aus diesen Verbindungen wurden in diesen Jahren registriert.

Nach Kriegsende wurden die Frauen als Tyskertos („Deutschenflittchen“) beleidigt. Tausende wurden öffentlich gedemütigt, mißhandelt und interniert. Anschließend brachte man sie nach dem Entzug der norwegischen Staatsbürgerschaft außer Landes.

Auch die Tyskerbarna („Deutschenkinder“) aus den Beziehungen waren nach dem Krieg oft Mißhandlungen und Mißbrauch ausgesetzt. Eines der prominentesten dieser Kinder ist das ehemalige Mitglied der schwedischen Popgruppe ABBA, Anni-Frid Lyngstad. (ag)

Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg entschuldigt sich bei den „Deutschenflittchen“ Foto: picture alliance / AP Photo
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