Leipzig sucht den Nachfolger

Die Leipziger haben erneut die Wahl. Am 5. Februar 2006 müssen sie nach nur zehn Monaten erneut einen Oberbürger bestimmen, nachdem Amtsinhabers Wolfgang Tiefensee, die Messestadt in Richtung Berlin verlassen hat. Sieben zugelassene Kandidaten bewerben sich nun um seine Nachfolge. Die größten Chancen werden dem SPD-Kandidaten Burkhard Jung eingeräumt. Seit der politischen Wende stellen die Sozialdemokraten das Stadtoberhaupt. 1990 wurde der ehemalige Oberstadtdirektor von Hannover, Hinrich Lehmann-Grube, als Oberbürgermeister eingesetzt, 1994 konnte er dieses Amt mit deutlichem Vorsprung verteidigen. Seinem Nachfolger Wolfgang Tiefensee gelang es, in den Wahlen von 1998 und 2005 diesen Vorsprung weiter auszubauen. Wie Lehmann-Grube kokettierte Tiefensee stets gerne mit der Ansicht, daß Leipzig seine Stärke auch aus der Unabhängigkeit zur sächsischen Landeshauptstadt Dresden und zur Landesregierung beziehen solle. Dazu wurden historisch gewachsene Konkurrenzen gepflegt: Die Bürgerstadt Leipzig müsse sich gegen die Zentralismusbestrebungen der Herrschermonopole Dresden zur Wehr setzen. Die schwerste Niederlage seiner Amtszeit zog sich Tiefensee allerdings mit dem Plan zu, die Olympischen Spiele im Jahr 2012 nach Leipzig zu holen, der eindeutig scheiterte. Jung stellt sich ganz in die Spuren Tiefensees. Wie Hinrich Lehmann-Grube ist er als gebürtiger Siegener allerdings ein „Westexport“. Doch Jung ist Leipzig seit 1991 durch seine Tätigkeit als Rektor des Evangelischen Gymnasiums der Stadt bestens vertraut. Seit April 2001 war er Beigeordneter für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule in Leipzig. Als ehemaliger Olympiabeauftragter der Stadt trägt er allerdings auch eine deutliche Mitverantwortung an diesem Fehlschlag bei der Bewerbung für die Großveranstaltung. Bewerber der Linkspartei gilt intern als Notlösung Bei den Wahlen von 1998 und 2005 stellte die PDS die stärkste SPD-Konkurrenz. 1998 erreichte ihr Kandidat Lothar Tippach im ersten Wahlgang 24,3 Prozent der Stimmen (Tiefensee: 40,1 Prozent) und zwang damit den SPD-Mann in einen zweiten Wahlgang, in dem er wiederum mehr als einen Achtungserfolg erringen konnte (29,8 Prozent; Tiefensee: 48,4 Prozent). 2005 scheiterte die PDS-Kandidatin Barbara Höll dagegen mit 15,8 Prozent klar. Nunmehr hat die Linkspartei den Historiker Dietmar Pellmann zum Herausforderer gekürt. Es ist nicht zu erwarten, daß Pellmann das Ergebnis seiner Vorgängerin übertreffen wird, zumal er in den eigenen Reihen als Notlösung gilt. Allenfalls eine sehr niedrige Wahlbeteiligung könnte der PDS in die Hände spielen, da sie über die sicherste Stammklientel verfügt. Aussichtsreicher dürfte dagegen diesmal der CDU-Kandidat Uwe Albrecht sein, da er nicht nur von seiner Partei, sondern auch von der FDP unterstützt wird. Folgerichtig wirbt Albrecht als „Oberbürgermeisterkandidat der bürgerlichen Mitte“. Damit werden ihm weit bessere Chancen eingeräumt, als den CDU-Kandidaten von 1998 und 2005, Peter Kaminski und Robert Clemen. Letzterer erhielt nicht einmal zehn Prozent der abgegebenen Stimmen – für Albrecht zweifellos ein schwieriger Ausgangsstand. Für Albrecht zählt allerdings, daß er sich als gebürtiger Leipziger nicht nur auf seine Herkunft berufen kann, sondern sich auch sehr gut mit regionalen Problemen auskennt. In der Zeit der politischen Umbrüche war er Vorsitzender der Untersuchungskommission zu Fällen des Amtsmißbrauchs, der Korruption und persönlichen Bereicherung in Leipzig-Nord und von 1994 bis 1996 Stadtrat. Außerdem ist Albrecht seit 1990 Mitglied des Sächsischen Landtages. Er wird vom sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt und von FDP-Urgestein Hans-Dietrich Genscher unterstützt. Aufgrund der spezifischen Leipziger Verhältnisse muß allerdings eine Unterstützung durch die Landesregierung keineswegs von Vorteil sein. NPD und Republikaner treten nicht an Die DSU tritt mit Bernd-Rüdiger Kern an, der Recht an der Universität Leipzig lehrt. Kern dürfte jedoch ebenso chancenlos sein wie Michael Weichert (Grüne) und Karsten Werner (Bürgerrechtsbewegung Solidarität). Dies trifft auch auf den jüngsten Kandidaten zu, den 24 Jahre alten Studenten Benedict Rehbein, der als Einzelbewerber zur Wahl antritt. Die Ziele des gebürtigen Filderstädters bleiben bereits auf der Internetseite verschwommen. Die Republikaner und die NPD werden dagegen nicht antreten – ihre Kandidaten haben nicht die dazu erforderlichen Unterstützungsunterschriften zusammenbekommen.

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