Superwahljahr

 

Lengsfeld ausgeladen

Die Evangelische Akademie Tutzing hat die CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld als Referentin für eine im Frühjahr geplante Veranstaltung mit der Begründung ausgeladen, sie habe der JUNGEN FREIHEIT ein Interview gegeben. Lengsfeld sollte im April vor Studenten zum Thema „Revolution in der Gesellschaft“ sprechen. „Mir ist bislang noch kein offizieller Grund für die Absage mitgeteilt worden“, sagte Lengsfeld der JF. Vielmehr habe sie von der Ausladung durch eine Meldung im Nachrichtenmagazin Focus erfahren. Von der Akademie habe sie bislang nur eine als „privat“ bezeichnete E-Post erhalten. Für sie sei die Ausladung völlig unverständlich. Einen derartigen Vorgang habe sie bislang nur aus der DDR gekannt, so die frühere Bürgerrechtlerin. Die Ausladung durch die Akademie illustriere ihrer Meinung nach die derzeitige Situation in Deutschland sehr treffend. „Es finden kaum noch Diskussionen statt“, sagte sie. Statt dessen werde immer öfter auf unbequeme Themen mit einem Aufschrei reagiert. Lengsfeld hatte Ende vergangenen Jahres der JF ein Interview gegeben, in dem sie sich unter anderem zur Affäre um Martin Hohmann äußerte (JF 52/03). Von der Leitung der Akademie war bis zum Redaktionsschluß keine Stellungnahme zu erhalten. Interessant wäre vor allem zu erfahren, ob Egon Bahr künftig noch auf Veranstaltungen der Akademie reden darf, nachdem er der jungen freiheit im November ebenfalls ein Interview gab (JF 46/04). Die Akademie wird ungern auf Bahr verzichten: Im Juli 1963 hielt er an der Evangelischen Akademie Tutzing die Rede, in der er die Idee für eine neue deutsche Ostpolitik formulierte, die unter dem Titel „Wandel durch Annäherung“ bekannt geworden ist.

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