50 Jahre Enterprise und Orion

Star Trek: Die Geburt des Nerds

Vor 50 Jahren, am 8. September 1966, startete in den USA die Fernsehserie „Star Trek“. Die Abenteuer des Raumschiffes Enterprise, das im Jahr 2200 durch die unendlichen Weiten des Weltraums kreuzt, wurden zu einem modernen Mythos.

Doch anfangs sah es gar nicht danach aus. Die Handlung war mehr als ungewöhnlich: Zu der Mannschaft des Kommandanten Kirk zählten ein emotionsloser Außerirdischer, ein Russe (Pavel Chekov) und eine Frau (dazu noch eine schwarze) als Offiziere – für die US-Fernsehnation unerhört! Wegen mangelnden Zuschauerinteresses wurde die Ausstrahlung schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt, doch nun erwies sich das Potential der Geschichte: die betonstarke Bindung der Fans an die Sternen-Saga. Sie überschütteten den Sender NBC solange mit Protestbriefen, bis die Serie fortgesetzt wurde.

Schon bald organisierten die Anhänger von Kirk & Kameraden im ganzen Land Fantreffen („Conventions“), zu denen Tausende mit selbstgebastelten Kostümen erschienen; durch selbstproduzierte Fanzines (Fan-Magazine) hielt sich die Szene auf dem laufenden. Die „Trekkies“ waren der Prototyp des „Nerd“. Von der Beliebtheit profitierte auch die Vermarktungsindustrie, die Werbeartikel aller Art verkaufte, von „Spock-Ohren“ bis zum Modellbausatz der Enterprise.

Star Trek als gesellschaftliche Utopie

„Star Trek“ war nicht nur eine Unterhaltungsserie, sondern eine gesellschaftliche Utopie. Doch herrscht an Bord des Raumschiffes auch schönste Multikulti-Gleichberechtigung, muß die Besatzung oft genug interne Konflikte und innere Gefühlskämpfe durchstehen oder zu den „Phaser“-Waffen greifen, um feindselige fremde Kulturen auf Abstand zu halten.

Ab 1972 war es auch in Deutschland soweit: Das ZDF strahlte ausgewählte Episoden mit deutscher Synchronisation aus. Das veränderte den Charakter der Folgen: Statt ernsthafter, pseudophilosophischer Gespräche wurden die Dialoge nun eher flapsig; Konflikte um Liebe und Leidenschaft wurden entschärft und dadurch teilweise sinnentstellt.

Der hartnäckigste Verfolger der Enterprise war das deutsche Raumschiff Orion, denn die deutschen Fernsehmacher hatten bereits im Jahr der „Star Trek“-Erstausstrahlung eine eigene Science-fiction-Serie aus der Taufe gehoben: „Raumpatrouille“. Die Produktion war zwar anders als die farbigen Enterprise-Folgen nur schwarzweiß, zog aber bis über 50 Prozent der bundesdeutschen Zuschauer vor die Flimmerkiste – ein Straßenfeger!

Orions „Märchen von übermorgen“ bald Realität?

Die Handlung war oft hanebüchen und die Trickeffekte wirkten absurd, doch bei der Ausstattung haben die Gestalter ganze Arbeit geleistet: Die Darsteller sitzen auf hochwertigen Designerstühlen, über dreitausend Glühlampen blinken ständig in der „Kommandozentrale“. Obwohl der Sprecher Claus Biederstaedt (die deutsche Stimme von Inspector Columbo) im Vorspann mit dramatisch pastoralem Ton sagt: „… Hier ist ein Märchen von übermorgen: Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Es gibt nur noch die Menschheit …“, was heute klingt wie das Evangelium linker No-Border-Aktivisten und EU-Bonzen, feindeten die Kritiker die Serie damals als „militaristisch“ und „tendenziell faschistoid“ an.

50 Jahre nach Enterprise und Orion – wird nun alles wahr? Im Kaukasus haben russische Forscher unlängst angeblich „ein starkes Radiosignal“ aus dem Sternensystem HD 164595 aufgefangen. Sind es Signale von Außerirdischen, womöglich, wie etliche Medien berichten, einer hochentwickelten Zivilisation? Was würden diese extraterrestrischen Universums-Mitbewohner wohl sagen, wenn sie, sagen wir, zufällig vor der EU-Kommission in Brüssel landen? Vermutlich dasselbe wie Kirk & Spock: „Beam uns wieder hoch, Scotty – hier gibt es kein intelligentes Leben …“

Enterprise-Crew: Lebt lang und in Frieden \\// Foto: picture-alliance/dpa

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