Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Wider den Auflagen-Sinkflug

Bei zwei konservativen Wochenblättern mit unterschiedlicher Leserklientel, der aus dem Ostpreußenblatt hervorgegangenen Preußischen Allgemeinen Zeitung sowie dem Bayernkurier, vollzieht sich an der Spitze der Redaktion ein Wechsel. Jetzt, wo die Wogen in der erfolgsgewohnten CSU ob ihres desaströsen Wahlergebnisses im Freistaat Bayern hochgehen, darf sich Peter Hausmann (57), der designierte Chefredakteur des Parteiblattes Bayernkurier, schon mal richtig warmlaufen und seinem Amtsvorgänger Peter Schmalz, der sich Ende Oktober 2008 mit 65 Jahren offiziell in den Ruhestand verabschieden will, über die Schulter schauen. Ab 1. November wird dann Hausmann die Redaktion des wöchentlich erscheinenden Blattes leiten. Hausmann kennt persönlich die Niederungen und Höhen des politischen Alltagsgeschäfts. Der Absolvent der Münchner Journalistenschule erlernte das journalistische Handwerk in der Bayernmetropole beim Münchner Merkur und beim Bayerischen Rundfunk. In der CSU tat er sich als Pressesprecher hervor, anschließend ereilte ihn ein Ruf an die politische Spitze: Drei Jahre lang, von 1995 bis 1998, diente er dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl als Regierungssprecher. Seither wurde es für Beobachter der Szenerie recht still um Peter Hausmann, äußerlich ein Hüne von Gestalt. Abseits des für ihn vergangenen Rampenlichts im Gefolge des dominanten Regierungschefs kehrte der loyale Parteisoldat an die untere Ebene seines politischen Wirkens zurück: als ehrenamtlicher Ortsvorsitzender der CSU in München. Sein Geld verdiente er unter anderem als Seniorpartner bei der PR-Agentur Pleon und als Teilhaber der Beratungsfirma Deloitte. Zu den Aufgaben des neuen Chefredakteurs zählt es auch, die Auflage des Parteiorgans, die sich innerhalb von zehn Jahren mehr als halbiert hat — bei den Abonnenten ist sie sogar auf ungefähr ein Drittel geschrumpft —, wieder auf für die Parteioberen akzeptablere Höhen zu führen. Wurde 1998 im zweiten Quartal noch ein Verkauf von 147.865 Exemplaren an den Auflagen-TÜV IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.) gemeldet, so waren es 2008 im vergleichbaren Vierteljahr nur noch 64.741 verkaufte Zeitungen. Bei diesen Zahlen ist allerdings zu berücksichtigen, daß in ihnen ein vom Bayernkurier-Verlag gesteuerter „sonstiger Verkauf“ enthalten ist, der 1998 132.095 betrug und sich 2008 hingegen auf 59.915 Exemplare belief. Unter dem IVW-relevanten Begriff „sonstiger Verkauf“ können beispielsweise Privatpersonen, Institutionen oder Firmen größere Exemplar-Mengen zu einem deutlich herabgesetzten Preis beziehen, um sie anschließend gezielt — in der Regel kostenlos — an bestimmte Abnehmer weiterzuleiten. Nach Abzug dieses Sonderverkaufs verbleibt dem Bayernkurier im wesentlichen nur ein Abonnentenstamm, der sich jetzt auf 4.813 Festbezieher beläuft und 1998 immerhin noch 14.484 betrug. Vom Bayernkurier zur Preußischen Allgemeinen Zeitung (PAZ) in Hamburg wechselte Konrad Badenheuer, bei der Münchner Zeitung zuletzt Redakteur für deutsche Innenpolitik und seit dem 1. September 2008 Chefredakteur bei der Preußischen Allgemeinen. Von 1993 bis 2001 war Badenheuer Pressesprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Die PAZ, nur im Abonnement vertrieben und aus der Wochenzeitung Das Ostpreußenblatt hervorgegangen, leidet unter einem permanenten Auflagenrückgang, weil die Leser bislang überwiegend vertriebene Ostpreußen und deren Angehörige waren. Nach Wunsch der ostpreußischen Landsmannschaft, der Herausgeberin des Blatts, soll Badenheuer das Organ von einer Vertriebenenzeitung zur „preußisch geprägten wertkonservativen Wochenzeitung voranbringen“. Jede Todesanzeige in der Zeitung, die in ihrem hinteren Teil Das Ostpreußenblatt als Beilage fortführt, erhöht zwar die Einnahmen des Verlags, läßt jedoch zugleich die Abo-Auflage sinken. Betrug diese vor über 30 Jahren noch um die 130.000 verkaufte Exemplare, so liegt sie heute, wie aus den Media-Unterlagen des Verlags hervorgeht, bei 27.000. Hinter vorgehaltener Hand wird sogar eine deutlich niedrigere Zahl für das Blatt genannt, das nicht mehr der IVW angeschlossen ist und in der Zeitungsdruckerei der Schleswig-Holstein-Presse (Flensburger Tageblatt, Husumer Nachrichten, Schleswig-Holsteinische Landeszeitung) in Büdelsdorf bei Rendsburg hergestellt wird.

Invasion der Amateure: Die USA und der mißglückte Wiederaufbau des Irak
Ansammlung von Inkompetenz, Arroganz und Naivität
Christian Dorn Auch fünfeinhalb Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs scheint dessen Ausgang ungewiß. Zunehmend erscheint die Entmachtung des Diktators und Massenmörders Saddam Hussein als ein Pyrrhussieg. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Nach Ansicht des US-Filmemachers Charles Ferguson gründen sie  in einer Ansammlung von Inkompetenz, Arroganz und Naivität, welche den Irak in ein blutiges Chaos geführt haben. Aufgrund des allgegenwärtigen Terrors und der weitgehenden Anarchie scheint das Land kaum noch kontrollierbar. Dabei reflektiert Ferguson, der mit seinem Beitrag im Frühjahr 2008 für den Dokumentarfilm-Oscar nominiert war, die US-Besatzung im Zweistromland nicht nur mit dem Blick des Regisseurs, sondern gerade mit dem rationalen Auge eines Firmenchefs. Schließlich hatte er lange Zeit als äußerst erfolgreicher Wirtschaftsunternehmer gearbeitet. Vor diesem Hintergrund zeigt er seine Fassungslosigkeit angesichts einer haarsträubenden Aneinanderreihung von Ineffizienz, Planungsmängeln und Ressourcenverschwendung. Seine Dokumentation, die unter dem englischen Originaltitel „No End in Sight“ in Deutschland bislang nur einem kleinen Publikumskreis in Originalfassung zugänglich war, ist hiermit als deutsche TV-Premiere zu erleben. Neben irakischen Zivilisten, US-Soldaten und Politikexperten kommen auch Schlüsselfiguren zu Wort wie der Vize-Außenminister Richard Armitage, die einstige Botschafterin in Bagdad, Barbara Bodine, sowie der bis Mai 2003 verantwortliche General Jay Garner. Ins Bild gerät selbstverständlich auch US-Präsident George W. Bush mit der lakonischen Bemerkung: „Life could be better.“ Wer diesen Satz vernimmt, mag sich daran erinnert fühlen, daß Bush nicht nur an einer Rechtschreibschwäche leidet. Denn alive sind allzu viele nicht mehr, die in diesen Krieg gezogen sind, um den Irak zu befreien.

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