Langen Müller Josef Kraus Der deutsche Untertan

 

Abenteuer 1927 -Sommerfrische

Sommerfrische 1927″ ist kein altmodischer Name für eine Familienseife, sondern eine neue Seifenoper im Living-History-Format (Zeitreise-Experiment). Wir erinnern uns: Da war die Großstadtfamilie im „Schwarzwaldhaus 1902“, der die Kartoffeln unter den Händen wegfaulten und die ihr Schwein partout nicht zurück in den Stall kriegte. Das Spiel Herr-Knecht-Magd mit Putzen, Strammstehen und Lohnauszahlen im „Gutshaus um 1900“. Zuletzt: Ozeanüberfahrt für Ame-rikawillige in „Windstärke 8“, freilich zu den Konditionen des Auswanderungsjahres 1855. Auch dort ging es nicht ohne traurige, meist lebensmitteltechnische Botschaften ab: So beichtete der Schiffskoch schon nach halber Überfahrt, daß Äpfel leider aus seien. Geschichtshappen zur besten Abendbrotzeit Die Neigung ausgewählter TV-Laien, sich in historischen Trachten zum Obst zu machen, ist also ungestillt. Von der ARD, die behauptet, sie vermittele mit derlei Formaten „einem Millionenpublikum auf unterhaltende Art und Weise seriöses Geschichtswissen“, wird das neue Menü volle vier Wochen lang zur besten Abendbrotzeit serviert (ab 11.Oktober, jeweils Di.-Fr., 18.50 Uhr). Bis dahin müssen wir mit der Ankündigung des Senders vorliebnehmen: In „Sommerfrische 1927“ tanze die Herrschaft Charleston, „während das Dienstpersonal für 20 Mark im Monat von früh bis spät Teller wäscht, serviert und bedient“. Die politische Botschaft ist klar: Solange die anderen darben, sollte man selber tafeln. Medial orchestriert wird die Reihe durch die dreiteilige ARD-Dokumentation „Die Zwanziger Jahre“ (ARD, 10., 17. und 19. Oktober, je 21.45 Uhr).

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